Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Vor meinem Fenster, es ist kurz nach neun, steht einer, der ist vielleicht fünfunddreissig, bei einer Bank. Auf der Bank steht eine Bierflasche und eine weiße Tüte. Der Mann raucht, alle paar Minuten nimmt er eine Rakete aus der Tüte, stellt sie in die Flasche, schützt mit der Hand sein Feuerzeug, und tritt einen Schritt zurück. Die Schnur sprüht Funken, es wird hell, und die Rakete steigt bis etwas über die Höhe meines Fensters hinaus. Sie platzt mit einem kleinen Knall, und ein paar farbige Flocken sinken.

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link | Dezember 31, 2008 21:06 | Comments (1)



Die Brücke, eigentlich nur eine narbige Betonplatte, war erst im letzten Augenblick zu sehen, so dicht standen am Bach die Büsche. Trat man mit zwei Schritten über das Wasser hinaus, sah man es unruhig über runde Steine fließen und jäh schwarz werden im niedrigen Schatten der Brücke. Auf der anderen Seite würde es als das silberschimmernd kühle Band wiedererscheinen, das man vom Weg aus zwischen den Büschen fest im Blick gehabt hatte. Das Geländer: drei ausgewaschene Betonpfeiler, aus denen jedes Jahr ein Kiesel brach, und eine verbogene stählerne Stange, deren verbliebener grauer Lack in spröden Aufbäumungen unter einer zugreifenden Hand zerbarst.

link | Dezember 30, 2008 15:05 | Comments (2)



Der Innenraum als Alternative zum Außenraum, also nicht nur als Rückzugsgebiet, sondern als Gegenangebot: Ihr könntet zu mir kommen, so wäre es bei mir: Diese Sorte Ruhe ist mein Angebot.
Ich genieße die Fenster zu einer Magistralen, den Blick aus meiner Ruhe hinaus auf die unverstellte Stadt: Die Wärme und das Licht und das bescheiden-sakrale elektrische Dröhnen hinter mir, die Unwirtlichkeit vor mir. Ich bin unbedroht, das ist nicht selbstverständlich.
Gerade schläft die Stadt, nur ein einziges Fenster ist hell im Gesichtsfeld, und nur ein einzelnes Taxi streunt.

link | Dezember 30, 2008 2:59 | Comments (1)



Auch: Nichtstun und Krawatte.

link | Dezember 26, 2008 2:20 | Kommentare deaktiviert



Tübingen habe ich in Erinnerung als einen schläfrigen, eichenhölzernen Ort, an dem die Menschen viel Zeit haben: Es riecht betäubend nach Holzschutzlasur, und in den gemütlichen Küchen sitzt man beisammen und spricht und gießt Tee nach. Obwohl ich den Raum nie betreten habe, ist mein Tübinger Zimmer ein Studio mit schwarzen Möbeln und einem Fenster vom Boden zur Decke, vor dem im Dunkeln die Krone einer Esche sich wiegt. Die unregelmäßigen Stufen, die ins Studio hinauf führen, knarren dramatisch, und man schlägt einen leichten roten Vorhang zur Seite, wenn man von der Treppe her dort eintritt. Es ist hell, alles Licht nimmt seinen Weg über dunkle, konservierte Balken. Ein Ausstellungsplakat: Italienischer Futurismus.

link | Dezember 26, 2008 2:18 | Kommentare deaktiviert



Ein Erlaubniszustand, ein Vakuum des Willens: Ein Zustand, in dem alles erlaubt wäre. Ein Erlaubniszustand entsteht nach Zeiten großer Intensität; gekennzeichnet ist er durch die Rückkehr zu einem bequemen und faden Gleichgewicht, das gestört werden will. Als Zustand der Offenheit ist der Erlaubniszustand einer der passiven Selektion, des amüsierten Abwartens mit gehobener Braue: Nun geschieh, Ereignis, nun überzeuge mich, fremder Wille.

Der Sturm, der sich jetzt ankündigt, draußen mit verborgenen Gegenständen rumpelt und stoßweise in das auskühlende Zimmer fährt, in dem ich die Weihnachtstage verbringe, löst den Nebel ab: Ein zartblauer Dunst lag über dem Tal, vor zwei Tagen, über den dunkelgrünen Gräsern dicht über dem Boden und den spröden hohen Halmen. Im Westen hob der Himmel klare Konturen von Bäumen und einem Silo aus dem Dunst heraus, im Osten sank der Wald ins Dunkel hinein, und über Nacht zog ein bissiger hellweißer Nebel zwischen die Häuser.

link | Dezember 26, 2008 2:04 | Kommentare deaktiviert



Hier nicht.
Hier nicht.

link | Dezember 25, 2008 1:24 | Kommentare deaktiviert



Lesen Sie mal diesen Text in der Süddeutschen. Wenn Sie fertig sind mit dieser Geschichte aus einer “düsteren Welt”: Können Sie mir erklären, was Frau Lichtinghagen eigentlich vorgeworfen wird?

Verstehen Sie die Lohr-Geschichte? Was ist das Problem? Die Unhöflichkeit, die “peinliche Erklärungen” nach sich zog? Die Überweisung?
Verstehen Sie die Kirchen-Geschichte? Was ist das Problem? Daß ihr Chef einen Rotarier-Freund an sie verwiesen hat mit seinem Wunsch um Unterstützung? Daß sie ihm den Gefallen dann getan hat? Oder daß sie sich darüber aufgeregt hat, daß sie das tun sollte? Oder daß sie mit einem korrupten Chef (nur unter dieser Voraussetzung funktioniert der Vorwurf) Deals machte, für die sie Verhandlungsmasse brauchte?

Und dann ist da diese Kleinigkeit: Frau Lichtinghagens Tochter wird bedroht. Und ihre Kommilitonen sammeln Unterschriften gegen ihre Anwesenheit in Witten.

Ja, so stellt man sich Kommilitonen in Witten vor.

“Die Reißleine”, schreibt die Süddeutsche, sei von der Staatsanwaltschaft gezogen worden. Das ist dann wohl die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm, deren Leiter, wie war das noch, vier Zeilen weiter oben, Frau Lichtinghagens Chef nahe steht.

Spin, spin, Süddeutsche, alte Dreckschleuder, spin.

link | Dezember 22, 2008 23:43 | Comments (1)



Die besondere Natur meines sozialen Aufstiegs versteht man am besten anhand der Tatsache, daß zum ersten mal in meinem Leben, nachdem ich eine neue Wohnung in einem Berliner Mietshaus bezog, dieses Mietshaus nicht vom Besitzer innert einiger Monate froschgrün eingefärbt wurde. Mein jetziger Vermieter durchbrach dies liebgewonnene Muster der Grausamkeit, so berichtete mir der Bauleiter, mit seinem Wunsch nach einem erdigen Rot, hinter der ich die kleinbürgerliche Italienphantasie von terra cotta vermute. Da es sich bei dieser Stadt jedoch um Berlin und bei diesem sozialen Aufstieg um meinen handelt, entpuppte sich das terra cotta schon beim ersten Besehen der neuen Fassade unzweifelhaft als schweinchenrosa.

link | Dezember 20, 2008 12:18 | Comments (2)



The fact is we all suffer from cognitive egocentrism. We all seem to intuitively assume that we have won what I call the ‘Magical Belief Lottery.’ We cherry pick confirming evidence and utterly overlook disconfirming evidence. We automatically assume that our sources are more reliable than the sources cited by others. We think we are more intelligent than we in fact are. We rewrite memories to minimize the threat of inconsistencies. We mistake claims repeated three or more times as fact. We continually revise our beliefs to preempt in-group criticism. We regularly confabulate. We congenitally use our conclusions to determine the cogency of our premises [...] [#]

Scott Bakker über die Kondition IRRTUM und die unaufgelöste Beziehung zwischen kritischer Philosophie und Naturwissenschaft an ihrer Schnittstelle Neurowissenschaft. Besonders lesenswert sind die beiden Antworten von Ali McMillan und Nick Srnicek, der das verlinkte Weblog mitbetreibt.

Besonders interessant ist dann auch erwartungsgemäß Nicks Verweis auf Ray Brassier und Quentin Meillassoux — die, so hört man, außerhalb der fatalen Opposition stehen, in die sich Neurowissenschaften und kritische Philosophie im letzten Jahrzehnt begeben haben und aus der heraus jede Seite die Relevanz des Denkens der Gegenseite bezweifelte, ohne die eigenen epistemologischen Hausaufgaben erledigt zu haben: Die Philosophie hat es fertiggebracht, aus einer nicht besonders redlichen, einseitigen Kantlektüre heraus die Ergebnisse der Neurowissenschaften als bloßes naiv-empirisches Spiel abzutun, während die Neurowissenschaften sich nicht scheuten, Fragmente ihres epistemologischen Werkzeugs zu Ergebnissen ihrer Arbeit zu erklären.

Offenbar war aus dieser Situation nicht zu entkommen, ohne Metaphysik anzufassen — und endlich sowohl törichten Philosophen die Option zu nehmen, Naturwissenschaft für irrelevant zu halten, als auch törichten empirischen Wissenschaftlern die Option, die Behauptung von Nichtexistenz als Naturalisierung zu verkaufen. Ich habe noch nicht genug gelesen um sagen zu können, ob Brassier und Meillassoux Ergebnisse haben, die das Problem lösen, aber jedenfalls haben sie das richtige — nämlich ein realistisches — Projekt.

link | Dezember 14, 2008 18:53 | Comments (1)



Viel wichtiger natürlich die Frage, wem man trauen kann in Dingen wie diesen: Nachts minutenlang still, im Licht einer fernen Laterne, eine geborstene Treppe betrachten, die zu einer lange unbenutzten Tür hinaufführt. Nur um die Verhältnismäßigkeiten zu wahren.

link | Dezember 13, 2008 23:44 | Kommentare deaktiviert



Heute: Die große struppig.de Kaufberatung “Edle Polstermöbel”:

IKEA: Der Versuch, IKEA beim Sofakauf eine faire Chance zu geben, scheitert daran, daß es bei IKEA keine ordentlichen Sofas gibt. Selbst die teuersten Modelle sind optisch einfallslos und insgesamt wenig vertrauenswürdig — gehen also zweimal am Prinzip Sofa vorbei. Sofas sollen luxuriös sein und ein bisschen übertrieben auf die eine oder andere Art. Zugleich sind es Gegenstände des Vertrauens. Wer ein Sofa besitzt, muß wissen, daß es nicht schadet, sich darauf niederzulassen. Ein Sofa, das den Eindruck vermittelt, bei jedem Gebrauch an Formstabilität zu verlieren, ist ein Dekorationsgegenstand, kein Möbel. Und selbst dafür sind die IKEA-Sofas zu langweilig. Wer eins kauft, löst lediglich sein Sofaproblem. Das mag ja manchmal nötig sein, aber damit ist es, im besten Falle, verzeihlich.

Habitat: Durch einen Habitat-Katalog bin ich nie durchgekommen. Der schiere Aufwand an buntem Tuch und Nippzeug in den Bildern ist verstörend; die Lebensentwürfe, für die Habitat die Möbel liefert, sind doch eher fremd; Habitat-Sofas, von den Bildern zu urteilen, die man im Netz sieht, riskieren nichts und bekennen sich freimütig dazu, daß die Kundschaft nur aus Ratlosigkeit ein Sofa bei Habitat kaufen würde — weil das lokale Allround-Möbelhaus gerade abgebrannt ist, zum Beispiel. Es ist alles leicht pluffig und nach Geographie benannt.

Rolf Benz: Deutsch. In aller Glorie und allem Elend: Deutsch. Solide, lederlastig, manchmal auf eine nicht mehr ganz sympathische Art zur Grobheit neigend. Die Sofas sind sicher nicht schlecht, denn Rolf Benz baut die Möbel reicher Technokratenfamilien, und die verlangen Qualität. Die Vertrauensbeziehung, die man zu einem Sofa haben will, verweigert ein Benz-Möbel auf keinen Fall. Es ist ein kaltes, vertragliches Vertrauen: Verlässlich, ohne viel Wärme und Geist, aber auch geradlinig und unsentimental. Keine schlechte Wahl, für mich aber indiskutabel — zu dieser bleichen Welt des freudlosen Erfolgs gehöre ich nicht und will ich nicht gehören.

BoConcept: Horror. Alles von BoConcept ist fürchterlich, aber ein Sofa wäre das Letzte, was ich dort kaufen könnte. Der Grund dafür ist einfach: BoConcept baut Möbel für die Leser von Magazinen mit trainierten Oberkörpern drauf: Junge Männer, die jeden weiblichen Einfluß auf ihr Leben fürchten und denken, das Weibliche in der Welt sei da, um am Freitagabend für ein paar Stunden aus den Clubs entliehen zu werden. BoConcept-Möbel sind herb, dreitagebärtig und auf das zielführende Beeindrucken des freitäglichen Leihmaterials geschnitten — daß sich eine Frau darin wohlfühlen könnte, ist nicht vorgesehen.

Who’s Perfect?: Man kann, so sagt man, bei Who’s Perfect tolle Möbel finden, manchmal gute Marken ohne die Marke. Man muß sich, so sagt man, ein bisschen auskennen. Nun, ich kenne mich nicht aus. Was ich sagen kann: Man kann durchaus schöne Möbel finden bei Who’s Perfect, auch ein Sofa war dabei, das zwar etwas langweilig war, mir aber ganz gut gefiel. Die Präsentation hat den Standard eines Waschmaschinendiscounters, der Vorhänge aufgehängt hat, aber schließlich ist man hier, um Geld zu sparen. Und da hätten wir auch schon das Problem: Ein Sofa ist keine Notwendigkeit, sondern eine Extravaganza. Als solches hat es sich zu benehmen. Ein Who’s Perfect-Sofa steht aber hinterher im Wohnzimmer und erinnert einen daran, daß man zwar Geld sparen wollte, aber auf den Verdacht nicht verzichten, vielleicht doch eine sogenannte große Marke gekauft zu haben. Deswegen muß man dauernd sich selbst und allen anderen einreden, daß es ja nur auf das Sofa selbst ankomme und wie albern es sei, auf schöne Kataloge wert zu legen. (An Produkten ist alles da, von großem Mist bis ganz in Ordnung — nie mehr als ganz in Ordnung, Möbel mit allzuviel Charakter haben sie nicht, die würde man ja auch erkennen.) Zusätzliches Problem: Verkäufer, die mit einem halbwegs anständigen Bezugsstoff nur nach zweimaligem Nachfragen herausrücken, weil sie fürchten, daß man hinterher den besseren Stoff mag, aber nicht bezahlen kann und deswegen gar nichts kauft. Nun, das kann passieren, aber so soll es doch sein! Verkäufer, die das nicht einsehen, boykottiere ich.

Leolux: Zu smart und zu bieder, die Möbel aus Holland. Nicht schlecht, das sicher nicht. Aber bei Leolux macht man etwas, was auch deutsche Möbelhersteller gerne tun, und was ich verabscheue: Man baut Möbel flexibel und funktional. Darunter ist zu verstehen, daß alles mögliche verstellbar, drehbar, klappbar, verschiebbar, ausfahrbar, einstellbar und anpassbar ist. Bewegliche Teile gehören sich nicht, und an Sofas schon gar nicht. Man setzt sich rein, und alles ist gut. So geht es. Man setzt sich nicht rein, konfiguriert sich eine Nackenstütze, programmiert die Fußablage und schraubt an der Rückenlehne. Der Ort für derlei Tätigkeiten heißt “Autositz” oder “Windows Vista”. Ingenieure: Finger weg von Polstermöbeln. Wenigstens von denen. Es spricht der Enkel eines Sattlers: Finger weg von Polstermöbeln!

Ligne Roset: Königreich der Übertreibung, Königreich der Leichtigkeit. Ich liebe die Kataloge von Roset. Zur Zeit haben sie zwischen drei und vier Sorten Sofas im Programm, die nur in kleinen Palästen, alten Wasserwerken und ausgeräumten Landsitzen genug Platz um sich herum hätten. Fabelhaft, kantig, übertrieben, vor allem nicht ohne Humor. Man muß allerdings fürchten, daß sie nicht von Besitzern von Palästen und Wasserwerken gekauft werden, und selbstverständlich ist der bloße Gedanke daran, sich so etwas selbst zuzulegen, absurd. Schon, weil man eine Frau sein müsste für die wirklich charakterstarken Sachen. Aber der Glanz dieser Stücke strahlt auch auf die zurückhaltenderen Roset-Möbel ab, und fast alle Sofas (außer dem furchtbaren Multy) sind durch und durch richtig: Mit einem bezaubernden Sinn für die Beziehungen zwischen Luxus, Müßiggang und Leichtigkeit, den auch die Kataloge immer wieder bebildern: Weite, kaum dekorierte Räume, wunderschöne Möbel und wunderschöne, sehr gelangweilte Frauen, oder gleich gar keine Menschen. So geht das mit Möbeln, die man trotz ihrer Funktion ertragen kann, und so geht das mit Sofas, die man sich als Mann kaufen kann: Ohne einen Hauch von Häuslichkeit, gleichzeitig ohne die Anstrengungen der Angeberei — man könnte sich einfach drauf setzen und wäre man selbst. Und eine Frau könnte sich daneben setzen und würde sich auch wohlfühlen (nicht belagert), und niemand müsste jemandem etwas vormachen.

Antiquitäten aus Dänemark: Vor einigen Wochen dieses Art-Deco-Sofa, das so streng, vollendet gelassen und vornehm war, daß man ihm sofort ein paar Stockwerke mit vier Meter hohen Flügeltüren in einem Metropolis-Wolkenkratzer mit Gargoyles hätte freiräumen wollen. Heute gleich zweimal das hier: Ein Dreisitzer von Bodil Kjaer, genauso leicht wie die Schreibtische, genau wie die Schreibtische materiegewordener Bote aus einer hypothetischen Welt, in der alles 10% besser ist. Nicht nur zum Draufsitzen, eignet sich auch sehr zum Davorniederknien.

De Sede: Immer noch. Immer noch die unbestrittenen Meister in der Kategorie Vertrauen-ins-Sofa. Aber irgendwie doch hart an der Grenze zu unerträglicher Ältlichkeit bei einigen Modellen, und es ist viel smarter flexibel-und-funktional-Unsinn dabei — auch das ein Zeichen einer offenbar mit der Marke gealterten Käuferschaft, die mal wieder beweist, daß beige Jacken und Schuhe keinesfalls der Geschmack der jungen Leute vor fünfzig Jahren waren. Ein paar Sofas von unzweifelhafter Klasse machen sie immer noch, charakterstark und warm, wie es sein soll, und dort greift dann auch der De Sede-Faktor: Wer sich in einem von denen wiedererkennt, kriegt ein passendes Sofa und das schweizer De Sede-Gefühl von Ewigkeit.

COR: COR ist ein Sonderfall, eine bemerkenswerte Ausnahme, und das liegt vor allem an Conseta. Die haben auch andere gute Sofas, radikale, interessante, schöne Polster für kluge Menschen, aber allein Conseta, korrekt konfiguriert, genügt, um jeden Zweifel an COR unmöglich zu machen. Solange es die Conseta, korrekt konfiguriert, gibt, kann nichts schiefgehen. Conseta steht vor Bücherregalen im Halbdunkel. Conseta ist das Möbel der wohlmeinenden Herrschaft der Rationalität, der unaufgeregten, fürsorglichen, zentralgeheizten Moderne, ein Sofa für die verlässlichen, komfortabel lebenden, lesenden, ruhigen Menschen in Bauhaus-Bungalows — gleich welchen Geschlechts: Diese Sorte Zurückhaltung steht uns allen zur Verfügung und hebt uns auf in sich.

link | Dezember 13, 2008 17:27 | Comments (2)



Ich glaube, ein Garten wäre auch gar nicht schlecht.

link | Dezember 13, 2008 13:00 | Kommentare deaktiviert



Nehmen Sie an, Sie möchten nachdenken und zu einem Ergebnis kommen, möglicherweise, um zu handeln. Wie gehen Sie vor? Zunächst sammeln Sie alle relevanten Fakten. Wenn Sie damit fertig sind, denken Sie über mögliche weitere Fakten nach, die Sie interessieren, und leiten diese, oder ihre Unableitbarkeit, aus den gesammelten Fakten ab. Sie handeln, Ihren Ergebnissen entsprechend, und scheitern.

Sie haben alles richtig gemacht. Sie waren gründlich und gewissenhaft. Sie haben nachgeprüft. Das Wahre, das zu erkennen Gott Ihnen den Verstand gegeben hat, ist ihnen entwischt, weil Ihr Verstand sich (oh Theodizee!) irren kann, einfach so, grundlos, Blitz aus heiterem Himmel: Irgendwo in ihrem smarten kleinen Plan war IRRTUM am Werk.

IRRTUM ist eine merkwürdige Sache. Nicht im trivialen Fall, dem Moment, in dem Sie einfach beim logischen Schließen in der Zeile verrutscht sind. Merkwürdig ist IRRTUM, wo es um die Fakten geht. Sie dachten, etwas sei so und so, dabei war es anders. Daß es anders sein kann setzt, irritierenderweise, voraus, daß es irgendwie ist.

Nun wird Ihnen jeder Philosoph, den Sie auf der Straße auflesen, etwas von der notwendigen Unvollständigkeit des Wissens erzählen und, je nach Veranlagung, von der Fähigkeit der Naturwissenschaft, das Netz des Wissens um das Wahre herum immer enger zu ziehen und den Körper der Wahrheit immer konturierter zu umschließen, oder von der Kontingenz der Wahrnehmung, also der Nicht-Notwendigkeit des Satzes an Fakten, von dem Sie ausgegangen sind — sie wussten nie, was die relevanten Fakten waren, Sie haben möglicherweise die wichtigsten ausgelassen, und schlimmer: Was immer Sie für ein Faktum halten konnten, war von einer Korona verwandter, aber leicht verschiedener Fakten umgeben, die Sie nie gesehen haben. Dabei kann gerade der Unterschied in einer Kleinigkeit hernach bewirken, daß sie sich insgesamt irren. Traurig.

Lassen Sie sich, jedoch, nicht irre machen. Beide diese Schulen gehen davon aus, daß es in Wirklichkeit so und so sei — und nur Ihre Wahrnehmung behindert ist durch eine noch nicht zu ihrem Abschluß im Unendlichen gekommene Wissenschaft, oder durch Ihre zufällige kognitive Geschichte. Beide Haltungen irren. IRRTUM ist kein Verhältnis zwischen Ihren Annahmen und der Welt — IRRTUM ist das jähe Umschlagen der einen Wahrheit: Ein Fragment der Funktion des Gedächtnisses.

Zweifellos irren Sie sich nicht, während Sie glauben, die Herdplatte sei kalt. Die Auffassung, daß Sie wissen könnten, daß Sie heiß ist, es aber nicht wissen, ist nicht konsistent: Woher sollten Sie wissen, daß Sie heiß ist? Sie können genau das wissen, was Sie wissen. Wenn Sie die Platte anfassen, verändert sich, was Sie wissen. Wenn es nur Sie und die Herdplatte gibt und keinen besserwisserischen Dämon, der Sie beobachtet und immer weiß, wie alles wirklich ist, ist IRRTUM kein Zustand (ein Zustand wovon?), sondern manifestiert sich als Diskrepanz im Augenblick der Veränderung.

IRRTUM ist, wenn, was Sie denken, sich als falsch erweist. Nicht, weil es immer falsch war. Sondern weil es immer falsch ist. IRRTUM treibt Sie durch die Wahrheit. IRRTUM hindert Sie nicht daran, ein falsches Argument als solches zu entlarven, IRRTUM zwingt sie aber, ein falsches vorzubringen. IRRTUM ist, wenn Sie aufwachen. IRRTUM bedeutet, daß Sie alles falsch machen. Unweigerlich, unerbittlich, ihre Bemühungen verhöhnend. IRRTUM ist Ihre Möglichkeit, das Gegenteil zu glauben.

IRRTUM ist, was Sie anfasst.

link | Dezember 9, 2008 23:59 | Comments (3)



Ich stelle mir auch vor: Eine Welt, in der das wiederaufgebaute Hohenzollernschloß ein guter Ort werden kann. Eine Gruppe sehr kluger Menschen kümmert sich um den Innenraum und hat eine Idee, wie man sich als Staat in einem Raum benimmt, der von einer falschen Barockfassade umschlossen, vom Gespenst des sozialistischen Traums bespukt und vom verkniffenen Geist des deutschen Nationalismus bewohnt wird.

Man geht hinein, und innen ist alles anders und gut, man ist überrascht, was für kluge Leute es doch gibt und wie souverän, mit Leichtigkeit und Humor vielleicht, mit diesem Ort umgegangen worden ist. Das stelle ich mir vor.

Natürlich wird daraus nichts. Umgetrieben vom quälenden Verdacht, schon wieder etwas unglaublich dummes, geschmackloses und unsympathisches gewollt und bekommen zu haben, wird man sich, so liest man, im neuen Schloß mit den Völkern verständigen, worunter man sich dann wohl salsatanzende Neger in Pickelhauben vorstellen muß.

link | Dezember 7, 2008 1:03 | Comments (2)



Beim sogenannten Nahweh, dem eigentlichen Gegenteil des Fernwehs, geht es um ein Weh, das sich auf die gegenwärtige Situation bezieht. Wenn doch alles so sein könnte wie es ist, nur etwas mehr so, wie es ist.

Ich lese In den Farben der Nacht von Susanne Heinrich. Eigentlich lese ich keine Bücher von jungen Frauen mehr, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. Zufällig weiß ich, daß diese zu den Guten gehört.

Ich stelle mir vor: Ein Herumstreunen auf der Suche nach aufregenden Sonnenaufgängen und sonderbaren Museen und Windrädern im Gegenlicht.

[Sieben Banner wehen]

link | Dezember 7, 2008 1:01 | Comments (2)



Nacht der Welt: MUTO

Kurz gesagt, die mythische, unzugängliche, noch nicht durch die Einbildungskraft affizierte/bearbeitete Null-Ebene der reinen Mannigfaltigkeit ist nichts anderes als reine Einbildungskraft an sich, Einbildungskraft in ihrem gewalttätigsten Zustand, Aktivität des Aufbrechens der Kontinuität des präsymbolischen »natürlichen« Realen. Diese präsynthetische »Mannigfaltigkeit« ist das, was Hegal als die »Nacht der Welt« beschreibt, als die »Willkür« der abgründigen Freiheit des Subjekts, das gewaltsam die Realität in ein ausgebreitetes Dahintreiben von membra disjecta aufsprengt. (Slavoj Žižek, Die Tücke des Subjekts)

[my spoon is too big]

link | Dezember 1, 2008 1:52 | Kommentare deaktiviert



taste the whip, in love not given lightly