Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Innenraum ohne Außenraum: Innenraum, der vollständig von einer Dichte umschlossen ist, von totalem Schwarz. Die Innenform des Raums hat keine Beziehung zu einer Aussenform, dies ist kein Gebäude mit Wänden, der Raum hat keine Haut, er hat einen Körper. Der Körper ist massiv: Der Innenraum verliert sich in der Logik der ihn umgebenden Massivität, alle Korrespondenzen sind aufgehoben, der Außenraum ist stumm.

In diesem Innenraum befindet sich das Konzerthaus, oder vielmehr, das Innere des Konzerthauses. Das Konzerthaus ist vierstöckig, und Treppen schwingen zwischen den Stockwerken. Portale öffnen sich zu den Seitenflügeln, und Salons führen ihr ekelhaftes Eigenleben. Der große Saal, in den sich manchmal jäh ein Blick zwischen Säulen öffnet, ist ein halbiertes Tal aus roten Sesseln, ein Halbrund, über das der gewaltige Zeiger der großen Uhr selbst zu streichen scheint. Vereinzelte Gruppen versammeln sich im großen Saal unter den Lüstern und verschwinden doch fast zwischen den Sitzreihen. Die Orgel wird selten gespielt.

Link | 25. April 2010, 19 Uhr 06


Nachts Regen auf die Apriltriebe:
Kühl und schmutzig
die erwachende Frische.

[und dann später, wenn das Laub da sein wird vor dem Fenster, und die Nacht füllen wird mit dem tausendfaltigen Geräusch, werde ich ohne Willen sein, einer, der lächelt und natürlich sagt, wenn man ihn fragt, der immer mitkommt oder -bleibt, heruntergedimmt in der Hitze, erlöst, treibend, in die Nacht schauend, immer in Reichweite]

Link | 21. April 2010, 7 Uhr 00 | Kommentare (1)


Ich hätte diesen Film niemals mit Statisten drehen können, ich hasse und fürchte Statisten und bin völlig unfähig, sie zu inszenieren. Ich bekomme auch Krämpfe, wenn Assistenten anfangen, sie zu inszenieren. Es ist beängstigend, am Set von Menschen umgeben zu sein, die ständig nicken, obwohl sie nichts verstehen, und dann wie ferngesteuert ganze Takes zerstören.
(Angela Schanelec über ihren bisher wohl nur zur Berlinale gelaufenen Film Orly, hier.)

Link | 18. April 2010, 13 Uhr 34 | Kommentare (3)


Das wirkliche Wort zum Sonntag ist aber dies: Die zweite Sorte Scheitern, die Sorte, die keine bloße Gewöhnung ans Selbst ist, ist dann schon das wirkliche Scheitern, das niemals ein Scheitern an der Wirklichkeit ist, sondern immer ein Scheitern an der Phantasie.
Scheitern an der Phantasie heißt nicht, versagen an der Schnittstelle zur Wirklichkeit (es ist nicht so toll, wie ich es mir vorgestellt habe), sondern versagen an der Projektion selbst: Ich bin unfähig, eine zwingende Phantasie zu erzeugen, oder zu sein.
Wenn es wahr ist, daß das weibliche Begehren, Daseinszweck und Kern männlicher Identität, von der Sinnstiftung, also der Erzählbarkeit einer sexuellen Begegnung her funktioniert, ist die phantasmatische Potenz die relevante Größe, und die ist sehr viel gefährdeter als die körperliche: Aus der eigenen Person ein Phantasieangebot zu machen, das für die andere Seite erst lesbar und dann erzählbar/deutbar ist, ist eine übermenschliche Aufgabe und wird deswegen gar nicht erst als solche wahrgenommen, sondern als kontingenter Effekt: Manche Frauen stehen plötzlich auf mich — meine phantasmatische Potenz war mir nicht einmal bewusst — andere, die ich, als Liebender möglicherweise, umwerbe, und die mich vielleicht sogar zurücklieben, begehren mich trotzdem nicht: Mein Angebot an Fiktionen ist dürftig, absolut dürftig oder im Vergleich dürftig, es ist einerlei.

Link | 18. April 2010, 2 Uhr 10


ah! der schmerzhafte spargel stach bitter mein herz!

Link | 17. April 2010, 15 Uhr 43


Wenn man zweiundzwanzig ist, denkt man, daß man bestimmte Dinge tun müsse, und so und so gut tun müsse, um nicht zu scheitern im Leben. Das ist ein Irrtum, dieses sogenannte Scheitern ist unvermeidlich. Früher oder später verläuft sich die Welle. Was man für den Erfolg der eigenen Persönlichkeit hielt, was es auch sein mochte, verwandelt sich beim Näherkommen, über die Jahre, in eine Banalität im besten Falle. Man lebt lange genug mit dem Selbstprojekt, um sich daran zu gewöhnen und sein langsames Gelingen nicht einmal zu bemerken. Scheitern und Gelingen sind nicht unterscheidbar, man verwandelt sich in sich selbst, wie das zu bewerten ist: Wer weiß es schon.
Praktisch für sich nutzbar machen kann man diese Erkenntnis nicht. Es gibt nur eine Lehre, die man ziehen kann: Den eigenen Erfolg sieht man zwar nicht, wohl aber den der anderen: Der leuchtet hell und ist nicht zu übersehen. Deswegen sollte man für einen, wenigstens, von diesen Erfolgen verantwortlich sein. Und jetzt, da ich offiziell dabei angekommen bin, wie das Wort zum Sonntag zu klingen, sage ich Ihnen: Fuck it, es ist die Wahrheit.

Link | 17. April 2010, 14 Uhr 19


Dreizehn Tropfen siedenden Wassers
Ein rostiger Draht:
Dampf im Gewächshaus.

Link | 17. April 2010, 1 Uhr 23


Helsinki: Ein Abend in der Glasstadt, und endlich Schweigen. Es ist noch hell, und ich bin eine messerscharfe Silhouette gegen den Himmel, das Licht oder den Dom. Immer wieder, wenn ich um eine Ecke komme und in eine Straße hineinschaue, mache ich ungefähr das Geräusch, das die Maus macht, wenn sie tendenziell freudiges Erstaunen signalisiert: Ein trockenes hm!, das leicht in der Kehle vibriert. Internet über eine Saunalahti-Karte — eine Sonderkarte, Saunalahti ist eine Marke des finnischen MNOs Elisa, wo ich heute war. Elisa hat einen fetten ehrlichen Funkturm mitten in der Zentrale, was mir sehr gut gefällt. Meine finnische Sonder-SIM gibt an, in Helsinki zu roamen, was ausgesprochen seltsam ist und mir etwas Sorgen macht, weil ich die Karte natürlich nicht habe, um damit Einträge in mein Weblog zu schreiben. Ich weiß, daß Sie gerade das Mausgeräusch gemacht haben. Nur zu, tun Sie’s nochmal.

Link | 14. April 2010, 20 Uhr 15 | Kommentare (1)


Ein grauer Turm, innen läuft um: Eine Treppe.
Im runden Raum: Eine grimmige Statuette, Stockwerke fließenden Steingewands.
Sein Bart unter der Turmspitze, gewaltig und reglos vage im Licht.
Stürz nur und stolpere, die Treppe hinab, Hals über Kopf, hastig
Wenn mit klingend blauen Gongschlägen die Tropfen fallen
Unregelmäßig, langsam, vor den steinernen Falten sich steigernd.

Link | 12. April 2010, 23 Uhr 27


Die Helligkeit des Zimmers mit zugezogenen Vorhängen / der Sommer, das nie eingehaltene Versprechen des Frühlings / die anrüchige Lektüre / der Tag, an dem nichts vollbracht werden wird / reglos auf dem Rücken, Hände hinter dem Kopf, durch die Decke hindurchschauend, alle Augen (und es sind viele) auf die weichen Möglichkeiten gerichtet / und Robbie Williams‘ Me and my monkey auf der Terrasse des inzwischen natürlich, zum Hohn, abgerissenen Jamboree in Luxor / und der Schinken-und-Laub-Geruch des warmen Aprilregens / und lückenlose Texturiertheit / der summende Sonnenstreif auf dem Parkett, der da noch nicht ist.

Basismodelle: Hier bin ich, bereit gestaltet zu werden, und sieh, das bringe ich mit. Oder: Hier bin ich, mit meinem Willen zu mir, gib!, ich will mir einverleiben. (Mischformen, lokale Blasen, Posen.)

Link | 10. April 2010, 13 Uhr 24 | Kommentare (2)


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