Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

I don’t know. This could be upsett’n the whole space-time continuum, or someth’n. sagt Tychus mit schwerem Südstaaten-Convict-Akzent, der die ungewohnten Vokabeln fast nicht produzieren kann, vor dem Einsatz des Xel’Naga-Artefakts. Und Raynor antwortet: Easy, Tychus. This ain’t science fiction!
Ein Standardgag auf Kosten des Star-Trek-Technobabble, und außerdem eine programmatische Ansage: Starcraft ist keine Science Fiction, sondern Fantasy im Weltraum. Und seit Starcraft II – Wings of Liberty sind die Menschen darin, das ist überraschend: cool.

Im Starcraft-Universum gibt es drei Parteien: Menschen, Zerg, und Protoss. Zerg und Protoss sind aus dem Unbewussten geschnitzt: Die Zerg sind der biologische Horror, die Pest, Teil von Gigers Alptraum, insektenhaft, infektiös, blindwütig sich ausbreitend, mit feuchten Exoskeletten, im Schwarm ohne Individuen organisiert, überall am Körper (an den falschen Stellen) Organe exponierend und in jedem Körper nur Organ eines größeren Organismus, des Schwarms. Die Protoss dagegen, am anderen Ende der Angstskala, sind Funktionen des Vaters, Abkömmlinge der Götter, saubere, noble Energiewesen, Körper ohne Organe, überlegen, kühl, manipulativ und kristallin, mitleidlos streng und rätselhaft. Im alten Starcraft sahen die Menschen gegen diese Extreme — aus dem Schleim, aus dem Nichts — ausgesprochen blaß aus. Die Menschen waren vor allem Amerikaner mit Marine-Ethos, Soldaten: Stumpf, tapfer, aber nicht besonders sympathisch.

Nun sind die Blizzard-Leute Meister im Bauen eklektischer Fantasyswelten, und weil das so ist, kann man die ästhetischen Codefragmente auflisten, die sie verwendet haben, um die Erdlinge im neuen Starcraft aufzuwerten und eine okaye Identität für uns zu finden:

– Die Raumschiffinterieurs sind Nautilus: Messingbeschläge, Nieten, rot und marineblau, Steampunk, vornehmes Techno-Art-Nouveau: Ein Grammophon vor dem Panoramafenster zu den Sternen.
– Die Bodentruppen dagegen bleiben Space Marines, mechanisch aufgerüstete, kämpfende Männer mit Hundemarke und Korpsgeist.
– Die Protagonisten schließlich, und das ist die entscheidende Innovation, sind raubeinige Outlaws und Kleingauner. Raynor schießt mit einem guten alten Revolver auf den Pianisten (den Bildschirm mit UNN-Nachrichten) – Blizzard betont das Western-Element ausdrücklich, und von der Einführung des Tychus-Charakters bis zur Musik ist das erste Drittel des Spiels ästhetisch lupenrein Firefly: Ein abgelegener Wildwestweltraum, in dem gesoffen und geprügelt wird.

Nun hat man bei Blizzard eine Menge Erfahrung mit dem so eingeführten Sympathisch-Raubeinigen: Die Orks aus dem Warcraft-Universum leihen ihren dortigen Feinden, den Menschen, hier ihre wesentlichen Charakterzüge: Die Starcraft-II-Terraner sind, wie die Warcraft-Orks, grobschlächtig, rüpelhaft, aber vor allem treue Seelen, kurz: Metaller. Und mit dieser ulkig unreifen Virilität holzen sich die Terraner durch Starcraft II: Als rostige, nach Schmieröl und Schweiß stinkende spätviktorianische Heavy-Metal-Western-Weltraum-Wikinger mit großen Wummen. Gotta love’em.

Zum Beweis: Terran up the night von der Blizzard-eigenen Metalband „L80ETC“.

Und, aus den Youtube-Kommentaren:

Zerg can assimilate other species into them and consume entire worlds, the protoss have transendental technoloy and psychic powers. how do mere humans stand against that kind of enemy? big. fucking. guns.

Word. Großer, großer, großer, Spaß.

Link | 22. August 2010, 15 Uhr 12


Ich trage einen lotterigen GAP-Baumwollpullover aus den Jahren, in denen es hier GAP gab, ein altmodisches mauvefarbenes Brooks-Brothers-Hemd mit Schößen bis in die Kniekehlen, Turnschuhe und eine Anzughose, mit anderen Worten, ich trage irgendwas, und es ist trocken.

Rumpeln, warme Luft, graue Schläfen, übernächtigte Studentinnen, abkühlendes Licht.

(ah Ihr Frauen in steingrauen Strümpfen) / Stadt wieder, die in genüsslicher Grausamkeit meine Zeit zerreibt, in der man Gedichte schreibt nicht um sie jemandem zu zeigen, sondern weil man es sonst lassen müsste — von der Hoffnung auf mehr leben, auf mehr von dieser Hoffnung auf mehr (usf.)

Link | 20. August 2010, 22 Uhr 30


Fünf-Punkte-Programm (Mantra):

1. Musik hören.
2. Auf den Scheißegalpunkt hinarbeiten.
3. Lesen.
4. Gut anziehen.
5. Unschuld ist möglich.

[da wir gerade dabei sind]

Link | 7. August 2010, 16 Uhr 58 | Kommentare (1)


Ich erinnere mich gern, wie ich heimkam, Freitagabends, hoffnungslos übermüdet, und das Gefühl hatte, daß ich zwar was verpasste, mich aber wenigstens wohlfühlte: Das war die Entscheidung. Wohl fühlen, oder nichts verpassen wollen und dorthin fahren, wo man knietief durch zwei Paletten durchweichtes Klopapier watete, wenn man die Cola wegtragen wollte, was zwar wirklich cool war, wo aber jeder überrascht tat, mich zu sehen. Freudig überrascht, eigentlich mochten sie mich, aber eben doch überrascht. Jedenfalls kam ich nach Hause, am Freitagabend, hörte mich einmal durch die Americana, und las Joseph Roth, wozu ich Kekse aß.

[merkt man, daß ich zum ersten mal seit zehn Jahren The Offspring höre? shut up, you talk to much]

Link | 7. August 2010, 16 Uhr 33


Fernwärmerohre und Gräser, mürbe zerknautschte Aluminiumfolie, eine Netto-Tüte in den Ästen. Die Gräser stehen zwischen den zwei Rohren, und davor, und hin und wieder wirft ein warmer Windstoß sie gegen das grün lackierte Metall: Ferien.

Link | 6. August 2010, 0 Uhr 12


Ein Bauzaun mit Ankündigungen für Kleinkunst und Coverbands, in gelb und violett, mit wenig farbtreuen Bildern. Davor der Gehsteig, halb asphaltiert, halb Kies mit trockenen Flecken erfrorenen Grases. Rechts von uns die Straße: Schnell und mit gewaltsamem Geräusch fallen uns die Fahrzeuge in den Rücken und bremsen dann, einige Meter vor uns, auf den Stadtrand zu. Es ist ein wenig peinlich, hierher geraten zu sein, aber das kurze Stück an der Straße schließt den Kreis, es ist kalt und überhaupt an der Zeit, in geschlossene Räume zurückzukommen.

Link | 5. August 2010, 9 Uhr 15