Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Die Romantik, wenn ich so Manfred Frank lese, ist wirklich das Erschrecken des Denkens beim ersten Blick auf die ferne Singularität.

Diese Tübinger Welt ist ja immer noch sofort da, wenn man sie braucht und wieder aufruft, auch wenn man nichts von ihr versteht (und nur zweimal selbst in Tübingen war). Von heute aus ist vielleicht noch klarer zu sehen, worauf die bei Frank verhandelten Traditionslinien reagieren und wie dieses Denken seit 150 Jahren seinen Kampf langsam verliert, immer weiter zurückgedrängt wird und nur hier und da sich wieder aktualisieren kann in den seltener werdenden Köpfen junger Leute, die sich in der Literatur ihrer Vorfahren einen Geschmack für das alte Europa eingefangen haben.

Die Moderne zugleich zu wollen und nicht zu wollen ist charakteristisch für sie: Das Pathos und den matten Metallglanz des Rationalen für das eigene Denken zu brauchen und zugleich die Rationalisierung als einzig zielstrebige Kraft in der Geschichte der Menschheit, zur Überwindung der Menschheit, zu fürchten. Rationalisierung hat nur noch einen Fluchtpunkt, eben die Singularität, nach dem intellektuellen und praktischen Scheitern der Alternativprogramme: der Romantik, der Rückeroberung der Zwecke durch Politik, der Fortschreibung irrationaler Traditionen, der Kultur als bürokratischer (effizienter, aber steuerbarer) Verwaltung von singularitätsextrinsischen Zwecken.

Wobei ich Franks sagenhaftem Aufbruch ins Ziellose beim letzten Schritt dann nicht mehr ganz folge: die Ära, die von der unsrigen abgelöst wurde, muß sich nicht gleich in der Dimension der Sinnerfülltheit von der unsrigen unterschieden haben — es genügt ja, daß es in ihr das Wissen um die Existenz des inzwischen wirklich untergegangenen Ithaka noch gegeben hat.

Link | 7. April 2013, 17 Uhr 07