Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Weitere Einkreisung: Was macht das Leidenkönnen so attraktiv? Leidenkönnen heißt nicht notwendigerweise Leiden, es geht darum, ob einem Menschen zuzutrauen ist, leiden zu können, also im Zweifel nicht Sprüche zu klopfen und möglichst ungerührt zu warten, bis es eben vorbei ist, sondern sich hineinzustellen in die Schickungen des Lebens.

Zunächst sind da die negativen Bestimmungen. Erschreckend viele Menschen scheinen zu glauben, daß man tough sein müsse. Und während das beim professionellen Erreichen von Zielen ziemlich sicher stimmt, ist es zwischen Menschen ebenso sicher falsch. Noch erschreckender als toughness im Umgang ist Frechheit: Frechheit ist die Ausposaunung der eigenen Nichtigkeit durch Formulierung von Ansprüchen — das mag dazu führen, daß die Ansprüche erfüllt werden. Nur bleibt die Nichtigkeit dann um so nackter stehen. Wer leidet, widerlegt jeden Verdacht der Nichtigkeit insofern, als er als Leidender eine berührbare Substanz haben muß. Und er ist niemals tough.

Und dann eben: Do know we’re in high demand, Laura, us people who suffer, because we don’t take to arguing and we’re quick to surrender. Das ist das Blues-Argument. Wer leiden kann, hat Großzügigkeit gelernt und wie viel jenseits der materiellen Großzügigkeit noch kommt.
Schließlich bietet das Leiden die letzte valide Gelegenheit zur Tapferkeit. Tapferkeit ist die einzige Qualität, die uns tatsächlich Zuneigung für unsere Feinde zu lehren imstande ist, weil wir sehen, daß sie ein Herz haben, das sie sich fassen können.

Because it’s the ones with the soarest throats, Laura, who’ve done the most singing — längst neige ich dazu, Leute einfach nicht mehr ernst zu nehmen, die alles wegstecken.

[Auf der anderen Seite die Fähigkeit zum Zupacken und Jetzt und Alles; Menschseinmögen, am Ende.]

Link | 17. Oktober 2007, 1 Uhr 26 | Kommentare (2)


2 Kommentare


Das trifft es alles sehr gut, danke. Und das mit dem Zupacken geht ja zwischendrin doch, bei mir. Und sowieso und Fremd- und Eigenwahrnehmung…

Comment by froschfilm | 09:09




Und die toughen sind gar nicht so, scheint mir immer öfter. Sie wissen nur wann.

Comment by froschfilm | 12:36