Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich bin draußen gewesen, um mir den Februar 2008 anzusehen, der geschäftig, von der Sonne aufgeweckt, in der Schönhauser Allee herumwuselte.

Warum, dachte ich, bauen die Menschen Städte? Jeder kann sehen, daß die Städte mächtiger sind als wir: Die U-Bahn, dunkelgrün und sandstein, ist mächtiger als wir, jeder kann es sehen. Majestätisch beherrscht ihr stählernes Band die Schönhauser Allee, und hinter jedem der Fenster, die da hinausblicken auf die U-Bahn, wohnte einmal ein Mensch, der einen letzten Blick hinaus tat auf die Bahn und dann starb. Die Bahn aber blieb und brachte Menschen nach Charlottenburg oder aus Charlottenburg zurück. Sie rattert, lässt sich streichen, vergisst überholte Tarifmodelle und verschiebt uns über die Karte hin und her. Warum bauen Menschen Städte?

Sie bauen Städte, weil sie allein sein wollen: Ihre Funktionen loslösen (an die U-Bahn delegieren zum Beispiel) von ihrem Dasein, damit sie ihr Dasein für sich allein haben. Deswegen bauen sie Städte. Daß die U-Bahn fährt und mächtiger ist als wir garantiert nichts weniger, als daß Nachbarn sich in Ruhe lassen. Die Menschen bauen Städte, weil sie die Wahl haben wollen. Kann man alles nachlesen.

Beim Schawarma-Mann dachte ich: Der Sohn der Wüste bereitet dir ein köstliches Mahl — ich dachte das, weil dieser Satz zu lesen ist in Leipzig auf dem Schild eines Döner-Restaurants, das man von der Straßenbahn aus sieht, rechter Hand, wenn man aus der Innenstadt zur Agra-Halle hinausfährt.

Und das Licht floß in die Straßen und legte sich auf die Parkettböden der Vorderhauswohnungen. Vor nicht einmal hundert Jahren konnte man in dieser Stadt das Kokain noch in den Apotheken kaufen und schrieb die Gedichte mit Bleistift auf unsaubere Manschetten. Die Gedichte waren besser als heute und der Tod kam früher; wir jedoch sind klüger. Wir haben verstanden, was passiert, wenn sich das frühe Februar-Licht auf das Parkett legt und es leuchten lässt und den Staub erregt und die Messerbänkchen blitzen macht; wir interessieren uns für alles und verlangen nichts.

Link | 2. Februar 2008, 16 Uhr 39