Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Der Aufregung um den Boston-Dynamics-Roboterhund kann ich mich nicht anschließen, oder nur in einem Sinne: Vor allen Dingen ist das ein sensationelles Stück Ingenieursarbeit. Beunruhigend ist die Maschine aber lediglich für einen Chauvinismus, den man mit technologischem Gespür spätestens seit den 80er Jahren abzulegen Zeit gehabt hätte, mit philosophischem früher: Fleisch ist eine Gewohnheit des Geistes.

[biologische — und das bedeutet: Immer noch weithin unverstandene — Hunde gibt es schon deutlich länger. Wovor fürchten sich die Beunruhigten: Vor dem Hund (no hay banda!) oder der Maschine?]

Link | 21. März 2008, 16 Uhr 07 | Kommentare (7)


7 Kommentare


ich kann ihm nicht auf die kniegelenke schauen. dabei keinen schmerz zu empfinden, bedeutet für mich eine enorme herausforderung. obwohl es albern ist.

Comment by sunny | 16:20




Interessant. Daran hatte ich gar nicht gedacht: Mitleid mit der unfertigen Kreatur, die Traurigkeit des Monsters. Ja!

Ich selbst bin auf der „die Bestie in den Wäldern“ – Schiene abgeholt worden, und natürlich bei der Diskrepanz zwischen dem Hund, den man zu sehen sich nicht wehren kann, und der Problemkonfiguration, die man dazu im Kopf hat, wenn man mal ein wenig mit Roboterleuten zu tun hatte.

Ich vermute, die Bedrohung, die viele offenbar empfinden, kommt aus dieser Mischung: Es ist eine Bestie, und es ist eine Maschine, es ist der Hund von Baskeville und es ist der Terminator. Das funktioniert natürlich als Grusel, als kurzer Rückgriff auf die Angstbestände. Wer sich aber mehr Beunruhigung gönnt, muß sich die Frage schon gefallen lassen, was er sich denn denke, in was für einer Welt wir wohl leben. Als wäre Technologie ein Fremdkörper darin, als wären all die MacBooks nur Kaffeekannen.

Comment by spalanzani | 16:47




1. Bei mir: Ekel, wegen einer alten Arachnophobie.
2. Erinnerung an klassische Cybermythen, schon, weil es offensichtlich im Auftrag des Militärs gebaut wurde.
3. Neugieriges Interesse, gerade wegen dem, was sunny kommentiert hat: wie schnell man von Bewegungsabläufen auf ein „Lebewesen“ schließt. Es liefert eine merkwürdige Antropomorphie mit, oder, ehm, Animalomorphie (!?). Von hier aus, sicher, ist es natürlich eine spannende Analyse des Körperapparats.

Comment by goncourt | 17:33




zu 2.: Ja, das ganz besonders, das lese ich auch überall mit. Nur daß langsam doch die Ahnung durchsickert, daß Cyber nicht bloß Fantasy mit Strom war, eine kitschige Ermächtigungs-Mythologie der Geeks. Ich meine, müssen wir darüber reden, daß diese Dinger in fünfzehn Jahren Grenzen sichern werden, lautlos und mit Betäubungsgewehren bewaffnet? — Nur: Fünfzig biologische Hunde auf Steroiden oder fünf Roboter: Interessiert das den chancenlosen Gehetzten? Ist es tatsächlich bedrohlicher?

Comment by spalanzani | 17:45




Das verstehe ich jetzt nicht ganz. Ich bin nicht technikfeindlich (die Probleme liegen oft nicht in einem Zuviel an Technik, sondern einem Zuwenig), und dass gegenüber Robotern bissige Hunde und tollwütige Wachpolizisten nicht minder bedrohlich sind, kann ich auch nachvollziehen. Meinten Sie das?

Was als das eigentliche Bedrohungsgefühl von dieser Idee ausgeht, erlebe ich unter anderen Vorzeichen im Schach: ein menschlicher Gegenspieler macht Spaß, weil er einen Spielraum psychologischer Manöver zuläßt, also Chancen für einen schwächeren Spieler. Was beim Schachcomputer nur Langeweile bedeutet, ist beim Grenzroboter eine Chance weniger (es würde nie mehr überlaufende Wachposten geben… ;)

(Gegenargument: die Vorhersagbarkeit einer Funktion, die Einschätzbarkeit einer Maschine, die sich dadurch eben auch hacken läßt)

Comment by goncourt | 18:12




Dass ich das so empfinde, scheint auf meine Sozialisation zu schließen. Cyber/Phantasie und etc. sind nie so meins gewesen, weder in Büchern noch Filmen. Mmh, ja es hat was mit der Bewegung zu tun – daher die Angst. Selbst das teuerste und neueste MAcbook hat in seiner groben Form niemals den Schreibmaschinenstatus verlassen und es kann nicht weglaufen.

Comment by sunny | 18:45




@goncourt: Erster Absatz: Genau das. Das Video geht ja rum als Schocker. Zu meiner eigenen Überraschung war ich nicht geschockt oder bedroht, lediglich auf einer teschnischen Ebene beeindruckt. Hunde sind mir seit jeher unheimlich. Hier ist einer, der ist größer, noch einmal um Größenordungen dümmer, seine Kompressoren surren lustig und ich habe eine ungefähre Ahnung davon, was die Leute, die ihn gebaut haben, getan haben und was sie können mussten. Es ist im Gegenteil fast beruhigend, das Gerät zu sehen.

Das Gegenargument würde ich unbedingt unterstützen: Interessanterweise hält sich der Mythos von der Perfektion der Technik ja hartnäckig. Aber es ist gar nicht Perfektion, die uns da beeindruckt, lediglich überlegene Stärke in einzelnen Fällen. Und natürlich ist sie hackbar, man ist eben, unausweichlich, in einem arms race der Intelligenz. Und ob es einst noch ein „wir“ geben wird, das dieses Rennen gegen „die Maschinen“ verlieren kann, bezweifle ich eben, im Gefolge der Cyber-Propheten, sehr ernsthaft.

Ich ziehe daraus ein etwas überhebliches Amüsement: Da sitzen die Leute den größten Teil ihres Lebens ganz gelassen an Maschinen, die ziemlich sicher mehr Rechenpower haben als diese Hunde für ihre Beine brauchen, und schicken sich Videos zu — um sich zu gruseln davor, daß jemand an eine dieser Maschinen ein paar Schläuche und Metallbeine angeschlossen hat, damit sie durch den Wald (wo wir uns ja eher selten aufhalten) marschiert.

@sunny: Auch hier Zustimmung. Darum weise ich so gerne darauf hin, wie mächtig die technischen Artefakte sind, mit denen wir täglich umgehen, und wie sie uns transformieren — 18 Mio Bildschirmarbeitsplätze in Deutschland, glaube ich, und muß ich Mobiltelefone erwähnen, und Weblogs? — und wie sonderbar es ist, daß wir es fertigbringen, so zu tun, als seien wir, in unserer Selbstauffassung Menschen wie im 19. Jahrhundert, Herren der Lage, solange die Dinger bloß keine tierartig aussehenden Beine haben.

Comment by spalanzani | 18:46