Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Noch was: Mir fiel grade auf, daß die Postmoderne jetzt aber wirklich zu Ende ist, nach der Wahl. Die postmodernen Rechtfertigungsprinzipien des Wachstums werden mindestens ergänzt, vermutlich aber abgelöst durch eine renovierte Theologie des Willens: Das Schweigen ist zu Ende. Gott spricht wieder zu den Führern der Menschheit. Der Aufstand ist zu Ende, sein Wille geschehe wieder.

Interessant im neuen amerikanischen Jahrhundert, das wenigstens ebensosehr ein arabisches sein könnte, ist ja die Rolle Chinas – die haben dort keinen Gott zum Zuhören. Europa, was Cyberpunktauglichkeit angeht ohnehin längst als Freilichtmuseum für putzige alte Häuser marginalisiert, könnte als geistesgeschichtlicher Ort völlig überflüssig werden, für die kommende Zeit so relevant wie Australien für die vergangene. China dagegen als gottlose Macht einer ins Monetäre übertragenen kosmozentrischen Metaphysik: Der Grund, über dem die Interpreten Gottes um die Deutungshoheiten kämpfen.

Ach, manchmal bedaure ich es, nicht einen Lehrstuhl innezuhaben und Großtheorien dieser Farbgebung schleudern zu können. Ich würde von der Kulturzeit interviewt, trüge Flickensakkos und Vollbart und würde von einer großen Schar junger, sehr niedlicher Studentinnen bewundert. Meine Bücher wären einer ausgewählten Avantgarde von Geschwätzkonsumenten bekannt, und nur in einigen Weblogs, Tummelplätzen perspektivloser Jungintellektueller, des Reserveheers der Bewusstseinsindustrie, setzte man zwischen meinen Vor- und Nachnamen ein neidisch knirschendes „Quatschkopp“.

Link | 11. November 2004, 22 Uhr 55