Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Angekommen in Süddeutschland. Am Flughafen, wartend auf TUIFly X3 1335, den schäbigsten Linienflug der Welt, Berlin Tegel nach Memmingen Airport, zwischen fußtätowierten Schwabbelchen und dauerempörten Goldschabracken, stählte ich den Panzer meiner eiskalten Verachtung noch. Natürlich gab es nur Bonaqua; tröstlich waren allein die Passagiere nach Kairo, die sich am selben Terminal sammelten.

Jetzt schaue ich auf die Kornfelder in der Sonne hinaus, die diesig grünen Hügel am Horizont und den schwarzen Nadelwald im Nordwesten.

Hergekommen bin ich für eine Kinderferienfreizeit. 140 Kinder und ein Häuflein junger Leute — alle jünger als ich –, die täglich 8 Stunden auf die Kinder aufpassen und machen, daß sie eine gute Zeit haben. Mein Bruder organisiert das dieses Jahr mit; es ist über zehn Jahre her, daß ich selbst zuletzt dabei war. Gestern Nacht fuhr ich den andern schonmal Hallo sagen. Da saßen sie beisammen und hatten bereits eine Woche hinter sich in T-Shirts, auf denen mit Edding ihr Name steht, abgekämpft und müde, noch Farbe im Gesicht, Geschichten erzählend (eine Platzwunde bei einem Kind, verbrannte Finger bei Leuten aus der Küche) und durchaus noch entschlossen zu einer Runde Halli Galli. Da war es wieder. Eigentlich weiß niemand, warum er das alles macht: Niemand fühlt eine besondere Pflicht, Tradition ist nicht im Spiel, und obwohl die Kirche das offiziell trägt und vor dem Essen gebetet wird, geht es sicher nicht um Religion; von Geld kann keine Rede sein, an der Sache ist nichts Heroisches, und niemand frönt einer dümmlichen Kinder-Romantik. Ich kann mich erinnern, wie wir schon mit 16 sehr sicher waren, daß wir das für uns selbst machten, irgendwie, ohne recht zu wissen, was wir damit meinten. Vielleicht rechtfertigten wir uns auch nur vor unseren inneren Ulf Poschardts.

Link | 2. August 2008, 15 Uhr 32