Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich könnte immer so weitermachen. Den Bäumen und den Bahnen draußen zuhören, die Fenster öffnen und einatmen und die Augen schließen; in der Sonne sitzen mit Büchern, die von Menschen handeln, die in der Sonne sitzen, oder mit Luftschiffen durch das Innere der Erde fahren. Neuerdings habe ich einen mächtigen, vornehmen Schreibtisch: Wenn man mich sehen könnte von der Straße aus, sähe man einen Mann, der vom Schreibtisch sich erhebt, der ans Fenster tritt in einem leicht in Unordnung geratenen Hemd, mit einem Glas, mit einem verzögerten Schritt, mit einem müden Blick; einer, der ewig so weitermachen könnte.

Die Verkehrsbetriebe ziehen beleuchtete Kabinette an mir vorbei, darin reglose Menschen auf dem Weg nach Hause sitzen. Alles geschieht beiläufig; die Dichte der guten Momente ist keinesfalls bemerkenswert hoch. Die Beiläufigkeit ist sprachlich nicht zu fassen, gelingen könnte es mit der Kamera, wenn man einen Film für niemanden drehte, einen Film, der nichts zeigt und den niemand sich ansehen wird. Wenn die Kamera allein ist und nichts auslässt, für niemanden, ist das Leben bei sich. Man braucht nichts außer Zeit, wir haben so viel davon.

[Meiner Selbstzufriedenheit ist unbedingt keine Sekunde lang zu trauen, ich schlafe schlecht vor Aufregung, bei der geringsten Gelegenheit leiste ich mir Extravaganzen der Träumerei; jedes Bild, das man mir andeutet, baue ich aus zu Kaskaden möglicher Leben und Konstellationen in nächtlichen Rasereien des Sich-alles-vorstellen-Wollens; zwanzig Minuten hellwacher Schlaf, dann ein Glas Wasser, zurück, einschlafen, aufwachen, Musik hören müssen, wach liegen, halbwach liegen.]

Link | 25. August 2008, 22 Uhr 26 | Kommentare (1)


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Comment by hora sexta | 19:55