Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Anders als Frank, der Diederichsen aus dem wilden Internet heraus überholen zu können glaubt, bin ich pessimistisch: Das Netz hat sich, was eine mögliche Öffentlichkeitsfunktion angeht, eben so gar nicht bewährt bislang. Im Gegenteil, es befördert die Fragmentierung einstiger Öffentlichkeiten — um nicht zu sagen: Es konstruiert lokale, konsistente Illusionen von Relevanz. Das von mir so geliebte last.fm wird von mir so geliebt, weil es mir das Gefühl gibt, im Zentrum eines musikalischen Kosmos zu leben, der von wunderbaren Menschen bevölkert ist, die mir ähnlich sind, also Geschmack haben, blendend aussehen, die richtigen Sachen mögen und ablehnen, undsoweiter. Die Dataminer bei last.fm arbeiten sehr tüchtig genau daran: Mir die musikalische Welt um mich herum zurechtzufiltern und am Horizont genau das noch flimmern zu lassen, was ich ertrage.

Blogs funktionieren genauso, eigentlich als Zerstörer von Öffentlichkeit. Nicht wegen der Qualität der Beiträge, nicht wegen einer angeblichen „Beliebigkeit“ — ein Phantomvorwurf, der im Kontext bekennend subjektiver, persönlich verantworteter Kommunikation überhaupt keinen Sinn hat. Der Grund, warum Weblogs keine Öffentlichkeit sein können, weder einzeln noch als Chor von Stimmen, ist ihre ökonomische Basis: Sie haben keine. Keine Augenwischerei: Niemand kann sich citizen journalism, der den Namen verdienen würde leisten. Leute, die Öffentlichkeit betreiben und verantwortlich damit umgehen sollen, müssen ökonomisch freigehalten werden — das ist eine Binsenweisheit. Man rettet die Welt nicht nach Feierabend.

Kritische, d.h. erkenntnisorientierte und argumentierende, Öffentlichkeit ist historisch erzeugt worden von einer Knappheit der Broadcasting-Kanäle, die eine Selektion derer nötig machte, die sie bespielen durften — und, wo sie funktioniert hat, durch eine bewusste Entscheidung für eine bestimmte Form des Umgangs mit den zur Verfügung stehenden Kanälen. Eine kritische Öffentlichkeit wird von Leuten initiiert, die wissen, was sie tun. Man kann nur gegen Argumente argumentieren, und um welche vorzubringen, braucht man zunächst einmal Leute, die sich freie, gründliche und redliche Argumente tatsächlich leisten können, intellektuell und ökonomisch.

Unseren öffentlich-rechtlichen Medien schwimmen nun die Felle in zwei Richtungen davon, das ist lang und breit diagnostiziert. Wie überall auf der Welt ist die Knappheit der Kanäle Geschichte. Auf der anderen Seite ist dem ARD-Hörfunk nie ein klarer Auftrag erteilt worden nach der Zulassung des privaten Rundfunks — wir hören seit Jahren einem quälenden Selbstfindungsprozess zu, aus dem nichts vernünftiges mehr hervorgehen wird. Zehn weitere Jahre Gemurkse zwischen „Aber die Quoten!“ und „Aber der Bildungsauftrag!“ bei jeder einzelnen Landesanstalt, und dann endlich, endlich: Erlösung, Statik und Blitzerdurchsagen.

Fire the bastards, sage ich.

Aufhören mit der ewig behäbigen Vierzigjährigkeit der ersten Programme. Aufhören mit dem verunsicherten Gebratsche in den zweiten. Aufhören mit dem demütigenden Hase-und-Igel-Spiel mit den Privaten in den dritten. Abschalten. Einmal alles abschalten. Und in dem Zuge das ZDF endlich privatisieren oder zumachen, was bekanntlich dasselbe ist.

Neu aufbauen, mit klarem Auftrag und leidenschaftlichen Menschen. Ein zeitgemäßer Auftrag für öffentlich-rechtlichen Rundfunk würde beinhalten, auf Teufelkommraus beunruhigend und fremd zu sein. Irritierenderweise wäre der Staat — als verfasstes Gemeinwesen — die einzige Institution, die sich einen aufregenden Rundfunk selbst verordnen könnte, gegen die Nivellierungskräfte, die in kommerziellen Massenmedien wirken. Wer private Massenmedien erlaubt, muß die Anarchie staatlich produzieren: Zentralwiderspruch einer offenen Massenkultur, falls es so etwas geben kann. Nur ein Gemeinwesen, das sich als solches kennt, kann sich seine Mitglieder besser denken, als sie sind, und ihnen so eine Chance geben.

Nun, sehen Sie, dies hier ist ein Weblog. Hier wird nicht argumentiert, und nichts filtert irgendwohin. Hier lesen die, die sind wie ich. Wir sind uns mehr oder weniger einig, wir kennen uns schon lange, und wir sind unwirksam. Ich sage das ohne Bitterkeit, ich liebe diese private Natur unseres Tuns hier und die leichtsinnige Intimität, die wir pflegen — aber man soll sich nicht selbst in die Tasche lügen. Die Öffentlichkeit, in der sich ein ernsthafter medienpolitischer Schnitt vorbereiten und erarbeiten ließe, ist längst Geschichte, und weder in Weblogs noch irgendwo sonst im Netz hat diese Funktion eine neue Heimat gefunden. Rundfunk und Fernsehen werden sich noch jahrzehntelang in die Leere versenden, während wir im Internet die Illusion weiterentwickeln, von guten und klugen Menschen umgeben zu sein.

link | Januar 4, 2009 3:23 | Comments (12)



12 Kommentare


Ich sag‘ nur Obama und USA – da war Relevanz, munkelt man! Nein, ich sag‘ noch mehr: Wenn der staatliche Rundfunk neu aufgebaut wird, dann bitte mit Sendungen, die einzeln ausgeschrieben werden und nicht mit ganzen Sendeanstalten.
Und: Frank redet doch gar nicht von Öffentlichkeit. Meint er nicht, der Pop-Diskurs könne ohne Öffentlichkeit als Kleingarten funktionieren und Diedrichsen hätte zwar recht, aber, so what?

Comment by froschfilm | 12:04




ach, .. – ich wollte gar nicht das alte lied der blogs, die die welt verbessern werden, anstimmen. ich bin der drittletzte, der blogs (als institution) idealisiert. und: ich erwähnte ja ausdrücklich auch nicht das blog-schreiben, sondern das blog-lesen. („höh?“)

also: es ging mir wirklich mehr um das netz an sich und die links, die man nicht per html-tag, sondern im reallife classic so setzt. wahrscheinlich in der tat sehr subjektiv, aber gerade 2008 war für mich ein jahr, in dem ich mir meinen eigenen journalismus-ersatz erknotet habe: mit den menschen, die man aus irgendwelchen foren „kennt“, bei konzerten kennenlernt, bei last.fm (scheiß auf die system-recommendations, aber man spürt das doch, man hat doch auch ein bauchgefühl für leute und dinge und musiken, oder?), auf privaten bittorrent-trackern, wo man sich dann musik gegenseitig empfiehlt und darüber spricht, so ganz oldschool bei einem kaffee oder gin&tonic. dieses ganz oldschoolige kennstduschon?, hastduschon?, mußtduhören! und was sich so daraus entwickelt, und wie faszinierend das (böses wort voraus:) /heutzutage/ doch immer alles ist. wenn man das leuchten in den augen bei jemandem sieht, der einem eine platte empfiehlt. und /das/ zum anlaß nimmt, sich den journalistischen rest selbst zu erschließen.

und mir ist auch bewußt, daß das eine art luxus-einstellung ist. aber, ach. das öffentlich-rechtliche system sollen andere reparieren, und das schulsystem gleich noch mit. und die schlipsträger-marketing-blogs („öffentlichkeit“, also selbst die spreeblicks und boingboings dieser welt) dürfen auch gern die ganzen schlipsträger lesen, und wenn ich mal den großen 30millionen-jackpot gewinnen sollte, mach‘ ich mir eben mein eigenes viva2 auf. bis dahin betrachte ich die musiknische, in der ich hocke, gerne als universum mit redaktionspotential. ein bißchen muß ich halt selbst den arsch hochkriegen. ich hab‘ einfach nur keinen bock mehr, irgendwem was vorzuwerfen, außer vielleicht den menschen („der zielgruppe“), denen musik nicht mehr wichtig zu sein scheint. don’t fire the bastards, gib ihnen irgendwas zu tun, dann lassen sie uns in ruhe unseren eigenen kram machen. und hören.

~~

(froschfilm: in der tat. so in der art meinte ich das, glaube ich.)

Comment by frank | 12:19




Einverstanden, einverstanden: Persönlich bin ich ja auch nicht unzufrieden mit meiner Situation, und auch die Abwesenheit von Musikjournalismus, gerade der diskursigen Sorte, behindert mich nicht.

Ich sehe uns aber in einer gewissermaßen spät-bürgerlichen Situation: Wir genießen die Früchte einer popkulturellen Bildung, die nicht mehr angeboten wird. Und weil das so traurig und widerlich mitanzusehen ist, was aus ihnen gemacht wurde, haben wir keinerlei Lust mehr, uns auch nur abzugeben mit den Institutionen, die diese Bildung einst besorgt haben.

Den Menschen kann man nichts vorwerfen, die sind so gut wie die Chancen, die sie hatten. Nicht, daß ich sagen würde, man kann heute keinen Geschmack entwickeln, das wäre schlimmer Unsinn. Es muß aber schwieriger geworden sein, und zufälliger, oder ich weiß nicht, wie sie’s machen. Was ich weiß ist, daß ich verloren gewesen wäre ohne ein paar Institutionen, eine davon hast Du genannt. Und die sind nunmal alle ersatzlos weg. (Oder ich kenne ihre zeitgenössischen Pendants nur nicht mehr, mit dieser Möglichkeit muß ich rechnen.) Und wenn sie eine Funktion erfüllt haben, frage ich mich, wer die übernommen hat.

Also: Ich weiß nicht. Wir sind natürlich fein raus, unsere Schafe sind im Trockenen, aber wir sind dreissig. Daß der Pop-Diskurs ohne die Öffentlichkeit funktionieren würde? Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Ich habe kein Referenzsystem mehr, ich kann nicht mehr sagen, wie abgehängt ich eigentlich bin, wie eng mein Horizont ist und vor allem was die anderen denken. Das liegt sicher auch am Alter, aber ich kann nicht beurteilen, wie sehr.

Unsere Ruhe fordern müssen wir eigentlich nicht, wir haben unsere Ruhe doch längst.

Nur: Man wird auch nur so lange in Ruhe gelassen, wie es einen Konsens gibt, daß man zwar sonderbar, aber schon okay ist. Und ich frage mich schon, wo der in Zukunft eigentlich noch ausgehandelt werden soll. Nicht nur, was Musik angeht.

Comment by spalanzani | 13:45




Übrigens, Obama… ich würde so gern die Geschichte glauben, daß sich das zivile, argumentierende Amerika der Vernunft wiedergefunden hat in diesem Wahlkampf — ich hab nur die NYT gelesen nach der Wahl, und dort hat man diese Geschichte jedenfalls sehr euphorisch erzählt.

Leider ist vermutlich viel weniger als das passiert. Ich verstehe zu wenig von Amerika, um dazu aussagefähig zu sein, aber ich fürchte: Eine Polarisierung macht noch keinen Diskurs. Mir scheint schon, die Amerikaner haben eine noch größere Aufgabe vor sich als wir, wenn sie beschliessen sollten, sich zu reparieren. Anders als wir haben sie, immerhin, vielleicht gerade ein Fenster, in dem so ein Beschluß möglich wäre.

Comment by spalanzani | 14:10




In der Tat geht das ja beides. Frank kann sich selbst informieren und ist auf die Öffentlich-Rechtlichen nicht angewiesen. Gleichzeitig konstituieren die Medien, deren sich Frank bedient (und letztlich wahrscheinlich wir alle) keine Öffentlichkeit, da es so gut wie allen Plattformen an Verbreitung fehlt, und dies liegt sicherlich auch an der fehlenden ökonomischen Ausstattung. Dies wiederum wirft zwei Fragen auf: Zum einen, ob es wichtig ist, dass Meinung, Geschmack oder von mir aus (einmal ganz pathetisch) die Wahrheit möglichst weit verbreitet werden. Und zum anderen, ob dafür der Staat zuständig sein soll oder irgendwer sonst.

Über die erste Frage besteht vermutlich fast so etwas wie Einigkeit, über die zweite wird man lange streiten können, um am Ende möglicherweise zu dem Ergebnis zu kommen, dass die Entstaatlichung einen Wert darstellt, der vielleicht das eine oder andere Defizit an anderer Stelle wert sein könnte, aber hier sind wir schon fast in einer Sphäre, in der das Argument aufhört, und der Glaube beginnt.

Comment by Modeste | 22:15




in ordnung: luxussorgen im weitesten sinn, was „uns“ betrifft. wir stecken drin in der musikvernetzung, wir coolen säue. und aber ach, doppelpunkt – ich kann mir nicht vorstellen (und damit meine ich, daß ich es mir wirklich nicht vorstellen kann), daß die kids heutzutage das nicht genauso tun. also: institutionen benötigen wie wir damals, aber andere institutionen /haben/ als wir damals. ich kann mir nicht vorstellen, daß diese sachen /ersatzlos/ weggefallen sind, wenn ich nerd-foren sehe, wenn ich leute in plattenläden beobachte, wenn ich szenen und subkulturen (bzw die bildung/entstehung jener) betrachte. also wenn ich allein schon sehe, daß so etwas existiert.

also, natürlich – viele leute lesen bildzeitung, viele halten „the dome“ für ein konzert bzw festival. aber das war doch damals auch schon so. wer diesen kick spürt bei der beschäftigung mit musik, wer überhaupt etwas /spürt/ im umgang mit musik (meinetwegen sogar/auch „pop“ allgemein), wem diese sache (irgendwo) liegt, der findet halt heute andere institutionen zur grundausbildung. ich halte das für eine eigenartige form von fortschritt und so traurig die absetzung einer radio-institution auch ist, so sehr muß ich lächeln und freue mich, wenn ich sonntagmorgens um 5 noch jungs zum dj rennen sehe um zu fragen, was da gerade für ein song läuft. der rest kommt dann automatisch.

(hätte ich ja auch nie gedacht, daß ich mir mal so /positiv/ vorkommen würde. das ist echt arg. aber ein anderes thema.)

Comment by frank | 23:44




(mein letzter kommentar klingt jetzt beim nachträglichen lesen doch etwas wirrer als ich mir beim schreiben vorkam. hoffe, man steigt trotzdem halbwegs durch. werde mir bald ein lektorat anschaffen.)

Comment by frank | 23:55




Ähm – entschuldige erstmal das vereinnahmende „wir“. Ich persönlich bin ja eh zu langsam für alles und merke immer erst fünf bis zehn Jahre, nachdem irgendwas passiert ist, daß da was passiert ist. Das ist son Gesetz bei mir.

Die Popularität von Bild oder The Dome ist natürlich wirklich kein Grund für neue Sorgen. Und die Leute mit den aufregenden Sachen bei last.fm sind auch irgendwie immer grade knapp über 20… Und natürlich muß man immer mitdenken, daß das Diskurs-Ding der Popmusik von theorievernarrten Leuten wie Diederichsen auch einfach untergemogelt wurde. Und dann die immer verdächtige Lust am Kassandraruf — alles richtig. Und die fragliche HR-Sendung kenne ich nicht mal.

Aber DD macht ja auch gar nicht primär eine Bestandsaufnahme „Musik“ oder „Leidenschaft“ (um die beiden selbst muß man sich keine Sorgen machen, solange es Gitarren gibt), sondern eine Bestandsaufnahme „Radio“. Daran liegt mir einfach persönlich sehr viel: Ich habe mal vom Radio geträumt.

Noch ein Grund für meinen Institutionenglauben: Ich komm‘ ja vom Land. Bei uns armen Schweinen passierte rein gar nichts automatisch. Die DJs, die wir morgens um 5 hätten fragen können, hatten mich bis halb neun schon verjagt. Wir hatten ja nicht mal Kabel in den Steckrübenwintern! Berlin, das war für mich wirklich erstmal Viva2 gucken rund um die Uhr. Das war aufregend genug und für alles andere war ich eh zu verschüchtert.

Comment by spalanzani | 00:18




Modeste: Widerspruch! Erzählen Sie mir nicht die Geschichte vom beliebigen Glauben, wenn es um das Engagement des Staates auf einem Gebiet geht. Das ist sehr wohl argumentierbar. Daß man nicht zu einem dauerhaft gültigen Ergebnis, sondern nur zu einem Ausgleich kommt, bedeutet nur, daß die andere Seite auch nicht bescheuert ist.

Übrigens sind öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten ja auch gar nicht „der Staat“. Bei uns werden sie sogar, statt vernünftigerweise aus Steuermitteln, mit einem Gebührensystem finanziert, das ja wohl anerkanntermaßen vollkommen gaga ist.

Comment by spalanzani | 00:24




Natürlich kann man zur Frage, ob der Staat möglichst viel oder möglichst wenig regeln, organisieren oder von mir aus auch nur kommentieren soll, sehr unterschiedlicher Ansicht sein, wobei die Ansicht regelmäßig davon abhängt, ob man dem Staat oder der Wirtschaft mehr misstraut.

(Aber die Öffentlich-rechtlichen, das reden Sie mir nicht aus, sind für mich Staat. Unabhängig von der Frage, ob ein Gebührensystem oder eine Steuerfinanzierung dahinter steht, ist Staat für mich jeder, der über noch so entfernte Legitimationsketten mit einer staatlich verfassten Institution zusammenhängt, und das sind die Rundfunkräte über die Landesparlamente sicher.)

Comment by Modeste | 23:56




Der Einfluß der Landesparlamente in den Rundfunkräten ist aber ziemlich gering — beim RBB sind zB 3 der 30 Vertreter vom Brandenburgischen Landtag und 4 vom Berliner Abgeordnetenhaus bestimmt. Wenn man so will, ist VW schon eher eine staatliche Institution.

Comment by stralau | 23:32




wochen später dies hier gelesen, nebst allen kommentaren, die natürlich auch alle irgendwie recht haben. den diederichsen-artikel konnte ich nicht mehr lesen, weil die süddeutsche, man kennt das. habe aber eine ungefähre vorstellung davon, was er wohl geschrieben haben wird. auch deshalb auch von mir noch für 5 cent senf dazu:

ich habe hier in hannover (bei radio flora) die letzten 12 jahre bürgerfunk gemacht, vor allem deshalb, weil ich radio toll finde. meine letzte sendung dort war pop art radio, die playlisten geben einen eindruck, welcher art diese sendung war. der sender macht am 31.3. das funkhaus und die UKW-frequenz dicht und sendet dann „nur noch“ im internet, was mMn größtenteils eigenverschuldet ist.

wir haben im august 2008 einen neuen verein gegründet (http://www.fbh-online.de), der größtenteils aus (ehem.) flora-aktiven besteht, an der gGmbH des neuen lizenzinhabers (leinehertz 106einhalb, die URL ist noch nicht endgültig) beteiligt ist und nun mit hochdruck daran arbeitet, möglichst bald ein neues bürgerradio zu sendestarten.

warum schreibe ich das alles? in berlin gibt es sowas leider nicht, was für eine solche stadt schon ein wenig beschämend ist, aber: neben den öffentlich-rechtlichen und privaten rundfunkern und den ganzen internet-projekten gibt es noch eine dritte (vierte) form des rundfunks, das bürgerradio. zumindest bei uns nähert sich diese rundfunkform ihren forderungen nach von ökonomischen zwängen nicht betroffenen stationen oder kanälen an. und die gesetzgebung, zumindest in niedersachsen, sieht damit vor, in den herkömlichen medien unterrepräsentierten gruppen und inhalten (und das gilt auch für die musik) damit eine platform zu geben. „radiolaien“ werden von medienpädagogen und journalisten mit technik und journalistischer sorgfalt vertraut und somit „medienkompetent“ gemacht und können dann senden. auf UKW. dies geschieht zugegebenermaßen oft „nach feierabend“, aber natürlich nicht nur am abend.

man kann das internet jetzt natürlich nicht zurückerfinden, auch diese stationen werden zusehen müssen wie sie sich in einer zunehmend fragmentierten und gleichzeitig konvergenten medienlandschaft verorten können. aber es ist immerhin etwas, was mehr ist als nichts, es lohnt sich auf alle fälle, die entwicklung in diesem bereich zu beobachten und nicht aus den augen (ohren) zu verlieren.

Comment by fabe | 22:56



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