Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ein Gartenhaus bewohnte ich in jenem Winter, carpenter’s gothic fast, zwei hohe Räume mit doppelten Fenstern, geräuschvollen Dielen und hölzernen Wänden, völlig unheizbar. Ein Ölradiator tat sein Bestes, aber es war hoffnungslos, mehr als eine Insel des Fröstelns im Frieren gelang ihm nie. Ich hatte noch kaum Möbel: Zwei Matratzen übereinander, eine geflochtene Truhe, einen klobigen Schreibtisch. Aber anders als in allen zentralbeheizten Wohnungen, Berliner Zimmern zum Innenhof, die ich später bewohnte, war es im Gartenhaus auch im Winter, geradezu gnadenlos, hell. Es gab ein groteskes Stilleben in Öl, ein paar orangene Sonnenblumen in einer dunkelbraunen, gewölbten Vase. Ich hatte nichts zu tun, kannte kaum einen Menschen, saß nur mit klammen Fingern am Schreibtisch über Arbeit, triefende Streicher dazu oder schwellende, knirschende Elektronik. Die Kälte war an diesem Ort, selbst in den Momenten, in denen ich nicht fror, in jedem Geräusch.

Hustend stellte ich an den gemeinsten Morgen den tapferen Ofen an, fuhr fahrig in Wolle und Schal und machte mich auf in die Staatsbibliothek, wo ich dann saß, mit altem Papier in kalten Händen, nahe am Gang, und darauf wartete, vom weichen, gedämpften Schreiten eines Mädchens mit Büchern abgelenkt zu werden; oder von der zitternden, rauschhaften Berührung ihrer glühenden Aura.

Link | 10. Februar 2005, 20 Uhr 20 | Kommentare (3)


3 Kommentare


Ah, welch ein Genuß. Vielen Dank.

Comment by jzy | 21:41




Wie wäre es mit einem Arbeitsfrühling in der Stabi?

Comment by Sennedjmet | 18:49




Wartend nur auf die zarte Strahlenhand Eurer Aura, Sennedjmet?
Wohlan! Arbeit soll sein und Frühling!

Comment by spalanzani | 01:13