Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

und dann tauchten die Communities auf — und ich hatte sofort den Verdacht: Der Seid-Zusammen-Imperativ, der darin war, würde die ganze Leere dieser gemeinsamseligen Schulhoftrinkereien zu mir zurückbringen (dabei sein oder nicht dabeisein, was wäre schlimmer?) Die Zeit der schönen Einzelgänger musste vorbei sein, jetzt kämen die Gruppen zurück, mit ihrem Zusammengehörigkeitsterror (der die stille Erregung der Verbundenheit der letzten Jahre ablösen würde), mit ihren Ritualen und befestigten Sprachen und gefälschten Gemeinsamkeiten durch Proklamation. Der klassische Sympathietrojaner: Wer wäre gegen Gemeinschaftlichkeit, hast du was gegen uns, und warum schlechte Laune? Seid zusammen, seid zusammen, seid immer zusammen, und auch dein moderner Lebenszustand, Städter, der du die Nachbarn nicht kennst, sei aufgehoben in unserer Allumarmung. (Und alle, die da allumarmen, sind Singles, sogar in sogenannten Beziehungen sind sie strukturelle Singles: Anhänger des Nichtverbindlichen, der darwinistischen Kategoriefehler-Ausrede vom Bedürfnis, das ist Konsens, das Modell von Bedürfnissen, die erst einmal da seien, und dann zu befriedigen.)

Und die Cioran-Leser machen ernst und stürzen sich mit 24 vom Dach. Verdammtnochmal.

So dampft also voran, Piraten und venturekapitalbefeuerte Kommunisten, natürlich seid ihr die Guten (ehrlich, ich zweifle nicht an eurem Modell der negativen Freiheit), und die Kräfte der Geschichte seid ihr zudem, dampft voran in eure entfleischte Zukunft, diesen unausweichlichen Zustand des ewigen ungehinderten Beteiligtseins an gar nichts, und Glück auf, ihr Datengruben-Kumpels, die ihr das Gold der Gemeinsamkeiten schürft, um Ringe zu schmieden zum Ausdruck einer heiligen Verbindung, die nur durch Unfollowen zu lösen ist. Nur, verzeiht mir, in meinem Kopf ist eine Stimme und sie rät mir, nie einem Hippie zu trauen —

[es liegt ein Grauschleier über der Stadt]

Link | 28. Juni 2009, 15 Uhr 42 | Kommentare (1)


1 Kommentar


Ich denke, der tiefere Sinn des „twitterns“ liegt eher in der Werbung. Man folgt allen, die sich mit den eigenen Themen (z.B. Autoren, Verlage) beschäftigen mit dem Hintergrund, dass andere aufmerksam werden. Nicht umsonst twittert auch die Lufthansa.

Comment by Anne | 09:52