Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

… und das ist es, was wir letztlich alle suchen: Einen irrlichternden Abglanz — von Seele.

(Wolf Wondratschek, in einem Gespräch mit Alexander Kluge.*)

Im selben Gespräch hat er Nabokov zitiert und behauptet, daß gegen die Barbarei und die Banalität der Geschichte und des Lebens nur eines helfe: Stil.

Ich weiß nicht, ob dieser Satz noch verständlich ist. Denn wo Stil drauf steht, ist längst Barbarei und Banalität drin. Stilbildend ist eine erstaunliche Propaganda der Stärke, der Pflicht zum großen Selbst. Die Namen der einschlägigen Serien und Drucksachen, der Organe der emotionalen Infantilisierung, muß ich nicht nennen.

Das alles wäre furchtbar uninteressant, wenn es sich nicht so aufdrängen würde, wenn es nicht von überallher einsickerte in Gespräche und Leben, wenn man sich nicht immer selbst ertappen müsste.

Irgendwo in den Lifestylegewittern leuchtet er trotzdem hin und wieder, immer noch: Der Abglanz von Seele. Stil, trotzige Absage ans Ego, Gelassenheit gegen die Konsequenzen. Das große Ding: Das Richtige.

Schwer zu fassen, nie zu halten. Nicht zu erklären, hinter den Dingen und Worten irrlichternd. Man muß einen feinen Sinn trainieren.

mais j’ai eu l’imprudence de lire ce matin quelques feuilles du publiques ; soudain, une indolence, du poids de cinq atmosphères, s’est abattue sur moi, et je me suis arrêté devant l’épouvantable inutilité d’expliquer quoi que ce soit à qui que ce soit. Ceux qui savent me devinent, et pour ceux qui ne peuvent ou ne veulent pas comprendre, j’amoncellerais sans fruit les explications.

(Charles Baudelaire, Préface des Fleurs)

Benannt nach:
Vigilien, Erzählung von Stanislaw Przybyszewski, Berlin 1895

* leider bin ich mir des genauen Wortlauts nicht mehr vollkommen sicher.

Link | 26. Mai 2004, 20 Uhr 22