Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Die schöne, relativ große, gut angezogene Frau, gegenüber im Zug: Wie viel älter als vierzig mag sie sein? — Papiere, die sie einer mädchenhaften rosa Notebookhülle entnimmt: Mit dem Logo der Bundesregierung. Als sie schläft, den leichten Eisenbahnschlaf routinierter Reisender schläft, ein Leichtigkeit-des-Seins-Moment: Sehr ungeschützt zittert sie, ihre schon alternden Züge entspannen sich, sie wird um Jahre jünger. Später, im Tunnel, sind Druckunterschiede auszugleichen. Sie legt beide Hände leicht an ihre Wangen, Mittelfinger auf den Ohren. Sie bewegt die Lippen — spricht sie, sehr leise, mit jemandem auf dem Sitz gegenüber, den ich nicht sehen kann, beiläufig? Es könnte ein Gebet sein, ein vornehmes, ruhiges Gebet, eine Zwiesprache mit dem Maximal-Entfernten.

(Wie ich es genieße, zu reisen, auch wenn es nur nach Frankfurt ist. Endlich bewege ich mich und bin heraus aus dem Erdloch, die tödliche Erdlochsitzerei ist zu Ende, ich bin wieder ein Chum of Chance, die Erdgebundenen haben keine Macht mehr über mich. Meine Aufbruchsroutine am Hauptbahnhof, die Sonne am Ende des Bahnsteigs, das munter wackelnde kleine Bäumchen, das nicht aufs Gleisbett gehört, sich aber eine hinreichend unzugängliche Stelle ausgesucht hat –)

Der Rauch, der eine halbe Stunde vor Göttingen auf dem flüssigorangenen Streifen zwischen Schwarz und Horizont nach Süden steht, ist ein Ornament von unfassbarer Präzision.

(Auf den Bildschirmen der Leute: Das entbehrliche Wollmützengesicht von Adam Sandler.)

Link | 15. Oktober 2009, 21 Uhr 40 | Kommentare (2)


2 Kommentare


Oh ja: Das großartige Nirgendwo-Sein, wenn man im Zug sitzt.

Comment by Moeste | 00:08




Ja! Bahnfahren! Am liebsten nachts.

Comment by froschfilm | 11:15