Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Marc Aurel, dann ein Grieche, den wir nicht kannten, eine leere Nische gegenüber und links war auch noch einer, nach dem wir nicht mehr geschaut haben. Dazu die Pilaster und die Kuppel, lange Schatten, funkelnde Kapitelle. (Wir werden in diesem Park sterben.)

Glaubst Du, daß sie bemerkt haben, daß nicht alle im Publikum bescheuert waren?

Die wissen das. Man macht das nicht zwei Jahrzehnte, ohne Leuten zu begegnen, die mitbekommen, worum’s geht.

Veljanov singt und Horn drischt einen Flügel mit allem, was da ist, daß man kaum noch atmen kann, weil sich der Irrsinn endlich auflösen soll, aber auf keinen Fall jetzt schon, am besten gar nicht mehr, und dann steht die gottverdammte Hannoveraner schwarze Dorfjugend bierseidelklatschend davor und hüpft rum und tut, als ging’s um den heiligen Spaß. Und’s Maul halten können sie auch nicht in dieser Stadt, unfähig, sich einfach mal hinzustellen und zuzulassen, daß etwas sie angehen könnte, sie ganz persönlich packen und vor sie hinstellen und sie fragen könnte: Scheisser, was ist eigentlich mit deinem Leben los? Kämpfst du eigentlich für oder gegen was, von deiner eigenen Langweile mal abgesehen?

Schmallippiger schockgefrosteter Stahlklingenhaß. Irgendwann treiben sie’s zu weit, diese Leute, die immer was brackiges im unflätigen Maul haben, Bier, Döner oder ihr seliges Gejohl, irgendwann vergesse ich doch noch, daß ich ein so zivilisierter, vulgo feiger Mensch bin und mache was schmerzhaftes mit ihren speckigen Sachbearbeiternacken. Hannover, mit euch bin ich noch nicht fertig, repeat until keypressed.

Dann schau ich mal nach rechts, als Horn ein direkt an den Saiten aufgerissenes Dröhnen in einen erkennbaren Akkord abfängt und man das Zähnebeißen wieder lassen kann, und merke, was der Abend soll.

Sie hat so ein Rot um die Augen, da muß man nicht groß fragen.

Und dann klappt er da vorn, dieser bescheidene Hund im schlabbrigen Pulli, den Flügel zu, zuckt entschuldigend, „das war’s jetzt leider“ heißt das, die Schultern und hält sich die malträtierten Finger. Geht dann irgendwann und kommt nicht nochmal raus.

Wir geh’n auch, und ohne Vorwarnung: Feuerwerk, wo kommt das her, wer feiert da so groß, was feieren die wohl, was ist mit dem Leben los, daß es sich plötzlich so ernsthaft kümmert?

Über dem Wasser, im Herrenhäuser Garten, gleißen die Hecken, Marmor springt ins Licht, Wasserpalmen leuchten und plätschern an den Kreuzungen knirschender Dunkelheit. Die große Fontäne glüht auch und springt gerade so hoch, daß dicke Tropfen von ganz oben nach ganz unten fallen in der Zeit, in der sie zu feinem feuchtem Staub werden, sich aufgebend vor dem Licht.

Der Pavillon mit Marc Aurel dann: Ob sie wohl bemerkt haben, daß nicht alle im Publikum bescheuert waren? – Gleichviel. Wichtiger, daß die das nicht umsonst machen, daß es einen aufstellt für etwas und gegen etwas und entläßt mit der Gewissheit, einen Blick riskiert und etwas verstanden zu haben.

Dann geht das Licht aus; der Herrenhäuser Garten fällt mit den letzten Tropfen der Brunnen ins Dunkel, und auf dem Rückweg herrscht die Melancholie des grade beendeten Festes, das nicht unseres war. Dort im Park, mit dem Feuerwerk, wer weiß, was sie da gefeiert haben, jetzt ist es jedenfalls dunkel und fühlt sich klar an, hat diese flimmernd glasige Realität, die übrigbleibt.

Link | 13. Juni 2004, 23 Uhr 53 | Kommentare (1)


1 Kommentar


Schluck, sie tun es wieder…
http://www.deine-lakaien.com/HOMEPAGE/tourdaten_d.html

Kauft Bier und Döner, Hannoveraner!

Comment by Sennedjmet | 16:03