Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich und die Sommerabende. Die spanische Botschaft, mit Diamantklingen aus dem Himmel geschnitten, verspricht einen Ball durch die Bäume, versteckt sich dann aber schweigend hinter zackigen Zäunen, das seltsame, leichte und scharfe Stein- und Glasding. Im Cafe nebenan sitzen sie dreistellig, aber das stört magischerweise nicht. Beziehungsgesprächsfetzen. Eine fünfzigjährige sitzt allein und raucht und wartet. Ich übersehe sie erst und versuche mich dann am Blick eines Fünfzigjährigen: Worauf achtet man mit fünfzig? Gibt es diese Erwartung noch, das Abschätzen möglicher Wildheiten? Zwei Meter weiter: Ein Kerl auf dem Mäuerchen, er ist beschriftet und quillt vor Kraft überall aus den Kleidern. Sein Kopf lehnt auf dem rechten Nackenmuskelhöcker, während er zu einer Frau spricht, deren Schuhe gar nicht mal schlecht sind. Oder es sind die Beine, das weiß man ja nie. Viel davon ist nicht zu sehen, gerade wenig genug für einen zweiten und dann noch ein paar Blicke; geschickt. Ein paar Minuten später sehe ich sie wieder auf dem Parkplatz, sie kläfft den Quellenden an und beharrt darauf, daß das aber ihr Auto sei. Ich trete ein paar Schritte zurück und versuche unter den Brennpunkt der Botschaftsdachfluchtlinien zu kommen, um herauszufinden, was das mit dem Licht hier auf sich hat, wir Laien stehen da ja nur dumm da und gucken. Will dann aber nicht den Eindruck erwecken, ein Streitspanner zu sein, gebe die Botschaft auf und geh‘ lieber ans Wasser. Dort: Schöne Menschen und in aufgeschnappten Halbsätzen: Ihr ewiges Gefühl, nicht gut genug zu sein, überhaupt ist ja nie jemand gut genug. Den Brezeln, die 2 Euro kosten und trocken sind und zäh wird aber verziehen. L. und ihr Bruder und seine Freundin irgendwann, ein Abend, an dem ich zu viel rede, ausgerechnet in so einer Runde, und dieses eine Quantum zu sehr aufschneide, das mir hinterher den Schlaf rauben und den Zeigefingerknöchel zwischen die grimmigen Zähne treiben wird, das weiß ich dann schon am Stern. Rotwein. Im Auto Geschwubber von Hail to the thief und Chromdioxid-II und eine freilich nur innere Begeisterungs-Schwadronnage deswegen und wegen des gemeinsamen Befahrens der nächtlichen Torstraße, und überhaupt.

Link | 11. Juli 2005, 3 Uhr 37