Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ein Raum mit sandbedecktem Fußboden. Ein Vogel fliegt auf und streift den Sand mit einem Flügel. Man weiß nie, ob man die Szene in einem Film gesehen hat oder geträumt, aber das Tempo ist leicht zu erinnern aus dieser Erzählung, das Tempo und die Wassertropfen. Schnitt. Zwei Männer tragen eine Badewanne vorbei, genau in diesem Tempo. Jarmusch, du dreckige, alte, Metasau.

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Jarmusch, die respektlose Metasau, schummelt: Um zu den Torres Blancas zu gelangen, fährt man, vom Flughafen kommend, nicht durch das Zentrum von Madrid. Sie liegen vielmehr direkt am Flughafenzubringer, im Osten der Innenstadt. Kein Mensch, der seine Sinne beisammen hat, könnte seine Augen von ihnen abwenden, wenn er sie passiert.

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Noch eine Unverschämtheit: Auszusprechen, was ich fünf Minuten vorher gedacht habe. Gerade denke ich still bei mir: So will ich die Gegenwart erinnert haben, so sieht sie aus. Die Windräder, die Züge in ihrer verrückten Sauberkeit, die Museen, die Cafétische, die Espressotassen. Minuten später auf der Leinwand: Ein freches Theoriegespräch darüber, wie man im Film sehen kann, wie die Welt wirklich einmal ausgesehen hat. The Lady from Shanghai wird erwähnt. Frechheit.

Link | 12. September 2010, 0 Uhr 26 | Kommentare (4)


4 Kommentare


Gestern, Wurstbude am Kollwitzplatz:
‚Zwei Bratwürste bitte.‘
-‚Zwei Bratwürste, also – zwei Mal eine oder ein Mal zwei?‘

Begleiter: „Die Wirklichkeit ist eben nicht-kommutativ.“

Comment by E. | 14:24




So ist das mit der Fiktion… in Jarmuschs Madrid fährt man durch die Stadt, um zu den Torres Blancas zu gelangen. Es ist nicht identisch mit dem Madrid, dass uns möglicherweise bekannt ist (um hier nicht von real zu sprechen).

Comment by fabe | 17:00




Aber ob DAS ausgerechnet ein beabsichtigter Effekt war, wo dauernd im Film die Topologie der Städte gewaltsam modifiziert wird, um sie der Handlung anzupassen, darunter in so kunstlosen Klopfern wie Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer.

Comment by E. | 18:39




Ich muss mich seltsamerweise immer etwas verteidigen, weil ich Jarmushs Film sehr mag. Also verteidigen jetzt auch vor Leuten, die sonst kein Problem damit haben, dass ein Film seinen Plot nur nebenbei hat.

Comment by goncourt | 06:56