Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich verstehe Anmaßung. Es handelt sich dabei um eine witzige und unschädliche Technologie: Man spielt sich der Welt gegenüber größer und wächst in der vergrößerten Antwort der Welt. Das macht Spaß und es gibt keinen Grund, auf Anmaßung zu verzichten.

Was ich nicht verstehe und nicht ertrage, ist intellektuelle Anmaßung. Das ist Großspielen gegen sich selbst aus purer Eitelkeit. Es macht Zornkrämpfe im Magen, wenn man Leuten zuhört, die nett und klug sind und es im akademischen Spiel weit gebracht haben — und die dann in einer lustigen Lästerrunde wechselseitiger Bauchpinselei auf Sprachen, die sie nicht sprechen, herumhacken. Da wird dann auch schon mal Foucault für „irrational“ erklärt, ohne Angabe von Gründen, ich fürchte: Weil er Franzose ist und Philosoph und als solcher auch nicht den zwanzigsten richtigen Beweis führt, daß Qualia Quatsch sind, sondern sich ein gefährlicheres Arbeitsgebiet ausgesucht hat.

Daß es Wissenschaftssprachen gibt, in denen nur Unsinn geredet wird, wird da kurzerhand zum Anlaß, alles für belächelbare Universitätsbetriebs-Auswüche zu nehmen, was sich nicht auf die Begriffe der eigenen Sprache einlässt. Übersehen wird, daß derartige Schein-Radikalitäten selbst nur Folgen des spezialisierten Betriebs sind, weil sie entweder geteilte Begriffe zugunsten „härterer“, aber nicht mehr übersetzbarer Begriffe preisgeben oder bloße Trivialitäten in strengen Begriffen gegen Strohmann-Feinde ins Feld schicken. Die Zahl der Beweise gegen Dummheiten, die man nur selbst ausgesprochen hat, ist ja jederzeit größer gewesen als die der Nachweise fremder Fehler.

Zwischen der notwendigen Verdammung von dummem Zeug und der Verabsolutierung des eigenen Jargons führt aber ein schmaler Pfad der Aufmerksamkeit.

(Aufmerksamkeit aber, nebenbei, in beide Richtungen: Wenn Dietmar Dath über Foucault lacht, weil dieser die Formulierung „unendlich irreduzibel“ gebraucht, weist er damit auf einen sehr richtigen Punkt hin: Die Geste der kritischen Philosophie gegenüber der Naturwissenschaft ist zu groß, als daß sie nicht gelegentlich begeistert über die Unsinnskante schlittern müsste.)

[Weil das interkulturelle Kommunikation ist, zwischen verschiedenen Wissenschaftssprachen. Die Behauptung von eigener Überlegenheit ist in einem solchen Setting bekanntlich immer ebenso richtig wie dumm.]

[Von der unermüdlichen Verkündung bekannter Wahrheiten]

Link | 12. November 2005, 17 Uhr 12 | Kommentare (3)


3 Kommentare


Dabei stellt sich unter anderem die Frage, inwiefern diese belächelten da katachrestischen oder paradoxen Effekte innerhalb akademischer Fachsprachen intendiert sind. Zum Beispiel als ganz bewusstes Absetzen von herkömmlichen Sprachen, sogar als Reinszenierung gesellschaftlicher Gegensätze. Derrida sieht in diesem Fehlaneignen und Verdrehen der Begriffe, ihrer Wiedereinschreibung im neuen Kontext sogar ihr einziges Versprechen und Potential: das Sichtbarmachen von Brüchen und Schnitten. Dietmar Dath also mal „Signatur Ereignis Kontext“ um die Ohren hauen.
Nur mal so als eher sprach- denn anmaßungsinteressierter Mensch angemerkt.

Comment by cato | 13:42




Hach ja, die unermüdlichen Windmühlen der Subjektivität. Aber richtig, man kann, auch sich der Unmöglichkeit eines Absoluten bewusst, doch nicht aussteigen, aus all dem, weil man sich ja dann auch selbst vernichtet. Gewissermaßen. Dennoch: Aufmerksamkeit, ja. Munch/Fenster folgt.

Comment by zak | 18:42




Schon gut, man lästert nicht über Dinge, die man nicht versteht. (Das gilt natürlich auch für die Herren Foucault.) Ich wehre mich aber gegen den von Ihnen aufgemachten Dualismus hart vs. übersetzbar. Man schaue auf die Ökonomik: Harter Sprech, aber derzeit sehr gut übersetzbar.

Comment by froschfilm | 14:11