Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Biberach, das ist übrigens da, wo es so aussieht, so und so. Wo man viele Typen von Gesichtern schon von ferne erkennt und weiß, wie die Leute lachen, wenn man nur ihren Haarschnitt sieht.

Eine Stadt, wo die Mädchen unter 20 dazu neigen, verrückt schön zu sein, schmal, leicht, sicher, geladen und rücksichtslos gegen sich selbst; und Mitte zwanzig neigen sie dann dazu, sich in gräßliche Bratzen zu verwandeln, ordinär schnapsselig grölendes Weibervolk, Dialekt ohne Charme, die Augen gierig nach Häusern gestreckt, die wie Boutiquen in den 90ern aussehen, die Hände am Proseccoglas oder auf dem blauen Lack falscher Cabrios; die Träume geheftet an saubere Plastikherzen aus den unbeschreiblichen Einrichtungshäusern des biederen Überflusses.

Das irritierendste an dieser Stadt ist ihre intakte Tradition, die kein geschäftsmäßig simuliertes Deutschland ist, aufgeführt, damit mal was los ist, wie hier, sondern jedem dort Herzensangelegenheit. Die Stadt ist echt und hat sich nichts vorzuwerfen. Es gibt praktisch keine Gewalt außer der geschmacklichen, die dem Ringen der versammelten Mittelschichten um die Übersetzung von Geld in richtige Kultur geschuldet ist und übrigens harmlos. Die Schule, auf der ich das Lateinische vor dem Englischen lernen konnte, ist keine Lehr-Anstalt, sondern eine Schule. Es gab wirkliche Lehrende, weise Männer und Frauen mit Auftrag und Leidenschaft.

Es gibt eine Stadtbibliothek, die elektronisch ausleiht als eine der ersten in Deutschland. Alle geben sich in Biberach, das ist das erstaunlichste, Mühe. Ein intaktes Gemeinwesen (falls es so etwas gibt) in einer prallen, grünen Landschaft, rote Dächer und Türme unter einem Licht, das immer durch Lindenlaub zu fallen scheint.

Es ist eine sanfte Hölle, und vermutlich geht sie auch noch kaputt gerade, wie alles.

Geflohen. Heute zwischen den Ausgebombten in der Stadt, in der der Krieg niemals zu Ende sein wird.

[Ja, schon gut. Hier geht’s wieder raus. Zum Beispiel.]

Link | 7. Dezember 2005, 15 Uhr 48 | Kommentare (2)


2 Kommentare


Offensichtlich: Es bleiben eben nur die biederen der Damen in Biberach. Ansonsten volle Zustimmung. Nur ist Bayreuth vermutlich auch nicht anders, wenn man Academia verlässt.

Comment by froschfilm | 08:30




Treffend! Und doch sagt man in Bembra notorisch und gerne, daß nix los sei. Außer an Schütza. Vielleicht. Manche sagen auch notorisch und gerne, daß es an der Zeit sei (und zwar schon lange) in Berlin eine Kneipe aufzumachen. Vielleicht.

Comment by Dirk | 17:35