Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Nicht besser zu erfinden wäre eine Entwicklung gewesen, die nach zwanzig Jahren Kulturtheorie zum Thema „Fernsehen und die verderblichen Effekte der Passivität“ das Fernsehen durch ein Medium ersetzt, das ständige Aktivität aller verlangt, um zu funktionieren, und in dem sich eben keine Vielzahl von klassisch abgegrenzten und miteinander interagierenden Subjekt-Produzenten etabliert, sondern vielmehr eine Vielzahl von schnellen Prozessierungsknoten, deren Funktion das Berührtwerden von Material ist; Material, das im Falle einer erfolgten Berührung weiterverbreitet wird und so seine planetare Reichweite testet. Während dieses Material aus der Vorzeit als Nebel in die Netze aufsteigt — Bilder und Fragmente, die über die Vorstufe eines Jahrhunderts Film die alten Mythen als Programme in dieser Fleisch-Silizium-Infrastruktur installieren — verliert, was einmal die Wirklichkeit war und von Video abgebildet und als Surrogat zurückverabreicht wurde, endgültig sein Eigenrecht als Affektlieferant: Die Bilder bilden keine Bäume mehr ab, die Bäume in uns aufrufen; die Bäume selbst erhalten ihre Sichtbarkeit erst in ihrer Funktion als prozessiertes Material. Der Baum ist nicht mehr, was er mit mir (einer Lesebiographie) macht bei unserer Konfrontation, sondern was er mit meinem Netzwerk macht, wenn ich es konfrontiere mit seinem Bild: Der Baum ist sein potentiell planetares Echo, in dem die Mythen gespeichert sind (und er kann keine neuen Mythen produzieren); er fließt durch mich als tönernen Kamerahalter und Terminal hindurch, testet seine Beziehung zum Mythos hinter mir, und in der Rückprojektion erkenne ich ihn und mich, das Realitätsereignis findet statt.

[Zone der Ununterscheidbarkeit von Form und Hintergrund]

Link | 22. Februar 2012, 22 Uhr 42