Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich weiß nicht, ob es etwas bringt, meine Irritation hier auszubreiten: Diesen Zweifel habe ich schon oft erwähnt und ignoriert, ich werde ihn wieder ignorieren: Ohne Zynismus kann ich diese Vorgänge nicht einordnen, ich schäme mich für ihre Erwähnung, aber sie drängen sich mir auf: Sie irritieren mich.

Im Fernsehen, einem archaischen Medium, das es bei meinen Eltern noch gibt, sah ich zwanzig Minuten ZDF. In diesen zwanzig Minuten versuchten mehrere Menschen, teilweise politische Gegner, verschiedene, möglicherweise durchaus hörenswerte Punkte zu einem politischen Thema am ZDF vorbeizuschmuggeln. Das ZDF unterbrach sie dabei ununterbrochen mit Hilfe einer Hetzerin und diversen Wochenschauschnipseln, die beide in aggressiv aufwieglerischer Manier immer wieder behaupteten, daß ein sogenannter Verbraucher das alles bezahlen müsse.

Von diesen Vorgängen verstört, wandte ich mich dem Internet zu und las einen Text von Don Alphonso, in dem er seine seinen langjährigen Lesern nicht vollständig unvertraute Abneigung gegen die Stadt Berlin weiter begründete. Der Verbraucher begegnete mir in diesem Text unter dem Namen Länderfinanzausgleich und spielte in der Beweisführung wider die Stadt Berlin und einzelne als symptomatisch dargestellte Bewohner eine nicht unbeträchtliche Rolle.

Dies wiederum erinnerte mich an einen Text im New Left Review, an dem ich am Vortag verzweifelt war: Darin war nicht nur zu sehen gewesen, daß die Autorin sich einen breiten Konsens nicht anders als durch Gleichschaltung zustandegekommen denken konnte (er unterstellte einer von der FTD abgegebenen Wahlempfehlung, Teil einer europaweiten Kampagne gewesen zu sein), sondern auch, daß der Verbraucher auch in Gestalt des Griechen erscheint: Dieser Grieche habe dem nationalsozialistischen Deutschen Reich unrechtmäßig erhobene Steuern bezahlt, die dieses nie zurückgegeben habe und die sich, eine Zinseszinsrechnung folgte, inzwischen auf eine Summe beliefen. Der Verbraucher, konnte man weiter lernen, sei aber skandalöserweise in den Augen eines deutschen Hetzblattes und eines meines Wissens nicht weiter bedeutenden Mitglieds der Unionsfraktion der Deutsche selbst, und der Text im NLR, der mich so aus der Fassung gebracht hatte, stellte also jetzt die nicht wirklich als Frage gemeinte Frage, wer denn angesichts dieser Verhältnisse wohl der wirkliche Verbraucher sei. (Nur die Tatsache, daß man in der Dutschkestraße das NLR nicht liest, ersparte mir vermutlich die Antwort des Hetzblattes, in der zweifellos die Ungerechtigkeit der Versailler Verträge, in denen der Verbraucher bekanntlich besonders doll mit Füßen getreten wurde, ins Feld geführt worden wäre.)

Auf twitter war weiterhin ein tumblr verlinkt, der Instagram-Bilder von Leuten auf Booten sammelt. Das sei ein toller Weg, um social media zu occupien.

Die Menge an Verbrauchertum auf allen Kanälen und der Tonfall, in dem dieses Verbrauchertum mir vorgetragen wurde, irritieren mich also: Daraus lässt sich, nehme ich an, nichts ablesen als meine verwöhnte Zartbesaitetheit, der satte Luxus meiner eigenen Position. Ich gebe diese Irritation also zu Protokoll und erwarte mein Urteil.

Link | 20. Juli 2012, 1 Uhr 07