Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Dunst stieg über den Feldern im Tal auf, wo stille Mähdrescher sich durchs Korn wühlten. Hier oben würde der Mais noch ein paar Wochen trocknen dürfen.

Die Tannenwipfel im Süden standen klar gegen den Himmel und oszillierten kaum wahrnehmbar; es war der selbe leichfüßige Wind dort drüben, jenseits der Straße. Ich saß auf dem Betondeckel eines Lüftungsschachts; unter mir warteten ein paar zigtausend Liter Wasser darauf, in die umliegenden Dörfer rauschen zu dürfen. Wenn der leichte Wind für Augenblicke ganz nachließ, glaubte ich die Gewalt dieses Wassers zu spüren, das konzentriert potentielle Geräusch eines Wasserspeichers auf der Anhöhe, ein Neutrinoeinschlag mehr als üblich, ich weiß es nicht. Wenn die Mähdrescher anhielten und lappenbewehrte Rohre still Getreide auf die Wagenpritschen spuckten, drehten sich die Staubfahnen um sich selbst, bevor sie verwehten. Die niedrige Sonne über dem Tal zwang noch ein dichtes Rot auch durch geschlossene Lider. Grillen, zwei vielleicht.

Später, einige verwehte Kondensstreifen später, ließ sich die Sonne durch einen schmalen Lidspalt schon anblicken. Knistern, in trockenen Halmen und Ginster. [Mythology]

Wenn man dort oben nicht alleine säße, gäbe es nur eine einzige Möglichkeit, sich wohl zu fühlen. Dazu gehörte, neben den gar nicht rationalisierbaren Anforderungen, vor allem: Schweigen. Das Vertrauen in die Angemessenheit der zweiten Wahrnehmung. Das Vertrauen in die Abwesenheit von Deutungen und Aufladungen der Situation. In die Abwesenheit von Weltschmerz*, Unsicherheit und der immer hysterischen Zukunft. Also: Die völlige Abwesenheit von Kitsch. Reinheit und Gegenwart.

[Projekt einer Erforschung der vagen Bilder]

* der als renitente schlechte Angewohnheit behandelt werden muß, nichts sonst.

Link | 23. Januar 2006, 18 Uhr 59 | Kommentare (3)


3 Kommentare


Jaja, genau: „Quantitätstheorie des Moments, im immerfeinen Bildspeicher.“

Comment by zak | 20:43




Sommerbilder bei minus 10: Folter.
Warum gehen solche Fragestellungen nur im Sommer(wetter)?
Angemessenheit: obwohl „man“ alleine sitzt, doch kein individueller Bezug -> Allgemeinngültigkeitsgefühl mit Nähe zu einem kategorischen Imperativ. Ich sehe Mähdreschern zu also bin ich.
Wie kommen Sie auf Kitsch? Stadtmenschelei?

Comment by grau | 22:00




/2:

Sehr schön, das alles.

Comment by grau | 22:01