Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

„Ende gut“, Seite 167. Das neue Sibylle-Berg-Buch hat den Vorteil, daß der ganze dort ausgeschüttete Ekel wirklich vollkommen, offen und ehrlich, inkohärent ist. Von Anfang an ist klar, daß es nichts gibt, worüber das Buch sich freuen könnte, es ist einfach kein logischer Platz zwischen den verschiedenen Spielarten der Abscheu. (Schlanke Frauen sind anorektisch, dicke Frauen sind dick; niemand hat sich lieb und alle gucken nur fern und niemand wird gefickt, bis auf die die gefickt werden. Aber es ist ja eklig oder belanglos, und Männer sind widerliche Triebdingens etc)

Es ist also anders als bei Faldbakken, wo es um einen Zustand der Welt geht. Das Design, das dort an allem schuld und dem nicht beizukommen ist, könnte immerhin im Prinzip aus der Welt herausgekürzt werden. Bei Frau Berg geht es um alles, um die schiere Verfasstheit der Welt. Sie ist ein miserabler Ort im Berg-Universum, sogar oder grade hierzuland. Wegen der vielen Lügen in den Zeitschriften. Nun, so kann man das erzählen. Es ist sogar glaubhaft und lustig.

Allerdings, wirklich, es ist nicht nötig. Wie jede Geschichte ist die Geschichte der Natur, sogar die der menschlichen in diesem Land, so oder ganz anders bewertet zu erzählen. Was ich mit diesen Sibylle-Berg-Figuren immer machen will: Kopfhörer aufsetzen, Sigur Ros vorspielen, 8, von der ()-Platte. Hör hin, albernes Balg. Hör genau zu und halt mal für einen Moment den Rand. Merkst du nicht, daß es nicht darauf ankommt, was passiert? Oder was irgendjemand sagt oder tut?

Und wenn das noch nicht hilft, ab nach Rom, Sommertag mit dickem Landregen, der immer noch trocken riecht und Staubschlieren auf die Autos macht, und dann in den Petersdom rein, wo es ganz anders riecht, und vor die Pieta hinstellen und: Schau hin, albernes Balg. Das da geht.

[Und nun kann man sich natürlich, wie immer, auf die Bad-Cop-Deutung werfen und sagen: Diese Musikvergötzung von euch Kids nervt und weil da Leute auf ihren Bässen rumschrammeln flippt ihr jedesmal aus als sei Gott weiß wer auf die Erde niedergestiegen, während woanders auf der Welt undsoweiter, meine Güte, und dieses empfindsame Kunstgetue vor Zeug, das eh jeder kennt und das billig zu mögen ist, das nimmt euch doch auch keiner ab und yata yata und ich sage: Schon recht, stimmt alles, bestimmt wahr und alles, aber wen interessiert, was wahr ist, wen zum Teufel interessiert was wahr ist und wen interessiert so ein Bandhype schon oder die Kunstblökerei von Leuten, die’s nicht verstanden haben; schaut und hört einfach hin, immer, und habt die paar feinen Menschen, dabei, die ihr anrufen würdet, wenn was richtig schlimmes wäre, schaut hin und schaut sie an und dann sagt mir nochmal, daß ihr nichts wisst von der Grundgroßartigkeit™, das sagt mir dann, Agape agape!]

Alles was Du gestern sagtest erscheint mir seltsam wahr.
Manche Dinge bleiben liegen wie das Laub vom letzten Jahr
auf der Straße vor dem Fenster wo die ersten Bäume blüh’n.
Manche Dinge werden schwerer umso mehr wir uns bemüh’n.

(Herr von Lowtzow)

[Schramm-schrámm, schramma-schrámma- schramm-schramm; laßt mich!, manchmal ist mir eben so jämmerlich unterkomplex zumut und dann muß halt wieder das Weblog die Menschelei ertragen]

Link | 27. Januar 2006, 1 Uhr 51 | Kommentare (2)


2 Kommentare


Die Entschuldigen für Menschelei sind viel jämmerlicher als ihre Menschelei selber! Mann! Sie schreiben ja nicht von „Bauchgefühl“ oder so.

Comment by froschfilm | 12:28




Ach, Sie wissen doch. In meiner Selbstwahrnehmung bin ich eine kühle Maschine aus schwarzem Stahl, etcetc und grimmig der herben Wirklichkeit verpflichtet etcetc, insbesondere aber stelle ich mich nicht vor fremden Leuten in Pose mit der Hand auf dem Herz, die Augen zum Horizont erhoben, etcetc, uäbäh, aber natürlich mach‘ ich das hier trotzdem dauernd und muß es deswegen jedesmal brechen, etcetc, so läuft das eben hier.

Comment by spalanzani | 20:00