Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ulmens Auftrag. Ausnahmsweise erkläre ich mich diesmal: Der Grund meines Interesses für den Pennälerquatsch ist lediglich, daß ich eine klare, mir etwas unheimliche Schwäche für die beiden Medienmenschen habe, die man dort zu sehen bekommt.

Christian Ulmen: Der ist, wenn wir ehrlich sind, einer von denen, die hauptberuflich in der Gegend herum laufen und Leuten auf den Sack gehen. Und weil das liebste Hobby der MTV-Zielgruppe das Herumlaufen und Leuten-auf-den-Sack-gehen wäre, wenn sie nicht dazu World of Warcraft kurz alleinelassen müssten, liefert Ulmen die Ersatzpubertät im Fernsehen ab. Raab und Pocher machen dasselbe in noch unsympathischer. Fernsehen, das auf den *grunz*guckma-ey-was-der-sich-traut-Effekt zielt.

Christian Ulmen hat es vor ein paar Jahren aber verstanden, das erbärmliche Konzept äußerst liebenswert umzudeuten: Tweety, der Schotte, der weinende Polizist. Dazu irrsinnige, aber meist nicht auf bloße Belästigung angelegte Gespräche an der Bushaltestelle — das kam freundlich-verwirrendem Schabernack schon recht nah. „Unter Ulmen“ war ziemlich gut. Vielleicht habe ich’s auch nur gemocht wegen der Werbe-Einspieler mit einem freistehenden Baum auf sonnigem Hügel. Mit einer freistehenden Ulme und einem kurzen Moment Vögel und Laub im MTV-Krawall könnte man mir, vermutlich, alles verkaufen. Und dann Smack my bitch up, ich meine: ja!

Zweitens, Nora Tschirner. Das ist nun gar nicht mehr recht rationalisierbar. Aber ich mag die. Abgesehen davon, daß sie bezaubernd aussieht und immer so lieb wirkt, liegt es, glaube ich, daran, daß sie der mediale Prototyp einer Menschensorte ist, aus der etwas hätte werden können: Junge Leute, die ein bisschen wohlhabend, gutgemeint halbpolitisch, auf angenehme Art leer und recht entspannt waren. 2001, als man noch hoffen konnte, daß die kommenden Jahre so werden würden wie Ladytron klangen. Oder aussahen. [oh! Oder die DOM-Shops!] Nun, jedenfalls: 2001 tauchten diese Menschen von unwiderstehlicher Harmlosigkeit auf, Achsenmenschen, die kurz einfach jung sein, leben und Musik hören und sich verlieben konnten, ohne politisch belangt oder vercodet zu werden. Eine kurze Phase weitgehender Genußfähigkeit, bevor es wieder scheußlich wurde. Seither sind Lager neu definiert und neue Sprachen der hohlen öffentlichen Anteilnahme installiert worden. Wie man sich selbst in diese Lager sortiert oder welche der neuen Sprachen man spricht oder nicht, beiseite: Genußfähigkeit: Ach, ja bitte. Daß man in Deutschland gut leben könnte, diese Möglichkeit einer Tatsache blitzte kurz auf, damals. Es sah so aus, als handle es sich bei diesem Land nicht vornehmlich um das nukleare Schlachtfeld, auf dem die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ihren Kampf mit der PDS austrägt. Nora Tschirners Gesicht hat das mal versprochen. Ich weiß auch nicht, woran das lag.

[Affirmative Hoffnungen und die vielleicht überschätzte Rolle der bubble; Scheitern, umfassendes. I’m with the pilots.]

Ach, „Ulmens Auftrag“? Ich weiß nicht. Nee. Peinlichkeitsfernsehen eben. Peinlich ist peinlich ist peinlich. Ohne den Tweety-Charme, viel zu nah am Pocherdreck und am Polylux-Alexanderplatz-Pranger. Es ist halt überhaupt nicht lustig, Schwächere mit einer Kamera vorzuführen.

Link | 6. Februar 2006, 0 Uhr 10 | Kommentare (2)


2 Kommentare


Das Beste an dieser Sendung ist immer noch der sehr großartige Trailer dazu. „Mein neuer Freund“ fand ich aber auch besser.

Comment by Khesrau | 20:09




Naja, vorgeführt wird da keiner. Und wenn, kann dies niemand charmanter als Ulmen.

Comment by Bachus | 00:26