Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich fuhr hinauf in den 24. Stock des schrecklichen Thon, schloß die Tür, versorgte den Anzug, Bügel, Handgelenk, effizient nach Art der Männer, putzte mir die Zähne und stellte den Rechner auf. Ich hatte, bemerkte ich, drei Wifi-Netzwerke zur Auswahl: Das Netz, das mir die Bank auf allen 19 Kanälen, von der anderen Seite des Manhattan-Hochhauses her, ins Kreuz grillte, das Netzwerk des Colonies, auf dessen fast zwanzig Stockwerke unter mir liegendes Dach ich hinabschauen konnte, wenn ich die Vorhänge anhob und halb auf die mit streifigen Kirschholzimitaten laminierte Tischplatte kletterte, und das Netzwerk des Thon selbst. Na schön: Mein Telefon buchte sich inzwischen in der ganzen Gegend um die Place Rogier herum in die Netzwerke der Hotels und Arbeitsstätten ein, und wähnte sich zu Hause.

Anderntags trank ich, spätabends in der Bar des unendlich viel angenehmeren Plaza, ein Agrum unter der wolkig-hellen Kuppel. Die andern wählten beide Whiskey Sours; schmeichelhaft elegante Gesellschaft, erschöpft vom Tag. Wie ich hätten sie sich an diesem Ort sicher gern von etwas Glamouröserem als unserem Auftrag erholt, aber die heroischen Narrative unseres Standes überleben keinen Tag in einem Haus, das Punkt 18 Uhr den lebensfeindlichen Gleichgewichtszustand seines Innenraums gegen seine Insassen einzusetzen beginnt, indem es schlicht die Anstrengung der Licht- und Luftzufuhr unterlässt.

(Natürlich genieße ich das Agieren in der fremden Organisation, das kleine Kräftemessen mit dem Leviathan der corporate-Trägheit, tatsächlich die Wirksamkeit von Schneid, die schiere belgische Nettigkeit der Leute, und wie man sich immer eine Schneise von staunendem Vertrauen schlagen kann mit einer einzigen banalen Waffe: Wenn man einen Fehler gemacht hat, sagen: Ich habe einen Fehler gemacht, ich habe mich geirrt, das hier geht auf mein Konto — und doch: Kräftemessen und Schneid? Ich habe mich und alles das noch immer im Verdacht der Jugend. Wie sähe eine erwachsene Version dieses Lebens aus, frage ich mich, und erlaubten die Umstände überhaupt eine solche? Kann man arbeiten ohne den Kult von Ego, ist ihm irgendwie beizukommen?)

O dark dark dark. They all go into the dark,
The vacant interstellar spaces, the vacant into the vacant,
The captains, merchant bankers, eminent men of letters.

Link | 16. Juni 2013, 21 Uhr 57 | Kommentare (1)


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Man kann.

Comment by froschfilm | 23:02