Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

& mich weit vorangelesen in William Gaddis‘ Briefen bis ins Jahr 1996, als Rowohlt in Deutschland die Letzte Instanz herausbringt und Zweitausendeins die JR-Übersetzung, die ich mir aus dem Merkheft (cum Frau Susemihl, sans Software-Resterampe) bestelle noch per Postkarte, siebzehn, Gymnasiast, rührend jung, wie Gaddis, sofort ein Idol für mich, rührend alt ist im Jahr 1996 — die Freunde sterben ihm weg oder schreiben nicht mehr oder werden verrückt, und er schreibt zärtliche Briefe voller Erinnerungen an Einrichtungsgegenstände an Frauen, die ihn alleingelassen haben ein halbes Leben vorher. Ich lese JR 1996, fiebrig vor Aufregung, begreife ein Riesenstück Welt, so fühlt es sich an: das falsche Pathos der Wirtschaft, den Selbstbetrug, und wie er mit dem Bösen zusammenhängt und wie Unehrlichkeit und Selbstdarstellung und Geschwätz der Feind von einfach allem sind; ich erinnere mich an einen Aufenthalt in den Bergen, eine Hütte, die Freunden meiner Eltern gehört haben muß und wo wir ein paar Tage verbrachten, ich frenetisch und komplett gegenwartsignorant lesend, in einer Ecke mit einer rotweißkarierten deutschgemütlichen Decke, & meine Eltern, die ausgelassen die Williams-Christ-Flaschen der Gastgeber plündern & mir auch ein Glas einschenken, & Jack Gibbs & ich beide schnapsselig scharf auf Amy Joubert; Gaddis selbst entdeckt Thomas Bernhard 1996 & fängt an wie Bernhard zu klingen (Agape Agape ist fan fiction!): er fing mit Eliot an und endet bei Thomas Bernhard. Ich habe jetzt, siebzehn Jahre später, noch zwei Jahre Briefe vor mir, ein paar Seiten, & fürchte mich: Einer wird der letzte Brief sein, 98 ist Gaddis gestorben, & die Zuneigung und die Bewunderung, für ihn & Bernhard & Eliot & dem was sie verbindet, & ich frage mich (weniger unernst als es es klingen mag), warum ich so viel Glück mit der ja doch zufällig sich vollziehenden Wahl meiner frühen Idole hatte.

Link | 7. Juli 2013, 2 Uhr 40