Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich hatte diese Vorstellung von sakralen, aber nicht religiösen Orten, die über Licht, Geräusch und extrem reduzierte Oberflächen funktionieren sollten; Plätze, an denen ein sehr einfacher Vorgang — Licht auf mattem dunklem Metall bei völliger Stille, oder das Knacken in einem schmelzenden Block Eis, oder tosend fallendes Wasser — für einen einzeln und für längere Dauer eintretenden Menschen freigestellt und soweit verstärkt würde, daß eine unheimliche Begegnung mit dem irrationalen nur-sinnlichen Untergrund passieren müsste. Und daß die Verstörung und Erregung, die bei einem solchen Herausgelöstwerden aus dem Reich der vernünftigen Zwecke entstünde, eine Bataille-Herzog-Erfahrung, wiederholbar wäre und einen dann ein anderer sein ließe bei der Rückkehr in die Welt, gefährlicher und gefährdeter und wilder der eigenen Gier ausgesetzt. Und daß eine Praxis enstünde, eine kitsch-, esoterik- und religionsfreie sakrale Praxis nüchterner Stadtbewohner der Gegenwart.

Der Kunstdiskurs lässt diese Vorstellung nicht gelten; er sagt: Das genau ist Kunst, und wirkt eben nicht, alles schon dagewesen, alles bekannt, alles erschöpft in gescheiter Abgeklärtheit.

Ich finde schwer zu entscheiden, ob ich Recht hatte oder der Kunstdiskurs (den ich verabscheue und lächerlich finde und dem ich unterstelle, seine Unempfindlichkeit aus den schlechtesten Gründen, nämlich solchen des sozialen Wettbewerbs, zu behaupten und zu kultivieren).

Link | 15. Januar 2017, 0 Uhr 57 | Kommentare (1)


1 Kommentar


Seit 2005 rätsele ich: Wieso ist nicht meine Fensterbank so ein Ort, und ist es manchmal – dreimal im Jahr – plötzlich doch?

Comment by umruehren | 13:53



The subtleties a spectrograph would miss.