Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Triest. Schickgemachte Hafenstadt ohne Zerfall, vornehm und gutangezogen. Der akute Wahlkampf verläuft außerordentlich sympathisch: Keine Fratzen und keine Parolen am Straßenrand. Ein vornehmer weißhaariger Mensch fährt einen harmlosen braunen Mittelklassewagen durch die Straßen, mit zwei Lautsprechern auf dem Dach empfiehlt er einen Kandidaten, vielleicht ist er es selbst. Ein alter Transporter der Kommunisten steht, rotbeflaggt, aber alleine, an einer Ecke. Daran das einzige Plakat, das ich hier überhaupt gesehen habe: „Resistenza dal 1943“ verkündet eine schon etwas ältere Dame.

Verlaufen kann man sich nicht, das Meer ist von fast überall zu sehen und dort kennt man sich im Zweifelsfall wieder aus, aber schon das wäre nicht nötig; es ist alles licht und leicht und zugänglich, weit und frisch. Ich bin sicher, falls es hier Nebel gibt, ist er zart und wegteilbar wie frischgeschlagener Eischnee. Nicht einmal der Orkan, der hier gestern Motorroller-Domino spielte und schmerzhaften, waagrechten Regen übers Meer in die Stadt hereinschoß, konnte dem allgemeinen Eindruck von Zugänglichkeit schaden: Das wilde Mittelmeer wurde nur noch schicker, bis in den Hafen herein, der breit, leer und ungesichert ohnehin schon harmlos wirkt. Es ist eher ein mächtiger Pool denn ein Kriegshafen. Man behandelt ihn mit Understatement: Da fängt eben das Wasser an, wo die Stadt am hübschesten ist. Allora?

Draußen Frachter auf dem Weg in die industrielle Hinterhofhölle, die ich aus meiner einzigen Nacht in Venedig als irreal bombastische, brennende Drohung am glutroten Horizont in Erinnerung habe.

[Sonst vor allem soziale Überforderung wie immer auf Konferenzen]

Link | 8. April 2006, 13 Uhr 14 | Kommentare (1)


1 Kommentar


Wie kann man den italienischen Wahlkampf sympathisch finden? Höchstens die alten Straßenwahlkämpfer in Triest, die mögen in Ordnung sein. Silvio Berlusconi übertrifft an Ekelerregung jedoch alles. Aber das kann hier kein Thema sein, ich weiß.

Comment by froschfilm | 12:03