Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich habe nicht die Gewohnheit, mir etwas zu gönnen. Ich kaufe das Nötige (und erstaunlich viel ist nötig) ohne Rücksicht auf Preise, wenn es gerade geht. Aber nichts kaufe ich je mit dem Gedanken: Man muß sich schließlich gönnen.

Nie kaufe ich alleine ein Eis. Ich empfände das als falschen Luxus: Man fühlt einen nutzlosen und übermütigen Lustkauf, bekommt aber nur öden kalten Brei oder mit Früchten aufgebrezelten Schmorkes in scheußlichen, hohen Gläsern.

Auf dem Flughafen von Mailand jedoch überfiel mich ein Leichtsinn, der sich Bahn brach in der Entscheidung, aus dem Automaten ein Eis zu ziehen. Leise summend stand er zwischen 40 leeren, anthropomorphen Rückenlehnen im weißen Kunstlicht.

Zäh mit Knien wie Kaugummi lurchte ich heran und wählte eine Wahl: Magnum, italienische Version. Doch mein Geld fiel durch. Auch eine zweite Münze kullerte hohl durch die automatischen Eingeweide. Über dem Einwurfschlitz stand in verblichenem, zittrigem Kugelschreiberblau: „does not work“.

Auf dem Flughafen von Mailand schläft eine dichtgedrängte Batterie falscher kleiner Luxuspakete einen ewigen, unstörbaren Kryo-Schlaf, bei -26°.

[brownscher Pfeifton]

Link | 12. April 2006, 0 Uhr 24 | Kommentare (4)


4 Kommentare


Was für ein vergnüglicher merkwürdiger kleiner Text! Dankeschön.

Comment by Montez | 07:45




Ahem. Kann man machen.

Ich empfinde es aber als Mißachtung der lokalen Kultur, sich in Italien Fertigeis zu kaufen.

Comment by stralau | 22:04




Ja! Nein! Das ist der Lauf der Zeit. Die schlafenden Luxuspakete. An der Piazza Cairoli in Mailand gibt es Viel, oder gab es in meiner ganzen Erinnerung, ein früher, als ich kleiner war, riesiger Eisladen mit einer großen Theke voller Geheimnisse. Die hatten soviele Geschmäcker, dass man mit Farbwahl nicht weiterkam, es gab allein hun-der-te von roten, dunkelroten, marmorierten, cremeroten, rosanen Sorten. Es roch nach Kälte und Erdbeeren dadrin. Viel war so gut, dass man sich eine ganze Dynastie an Eisrezepterfindern dahinter vorgestellt hat, es gab alte schöne Kacheln am Boden und eine dicke Kassiererin, bei der man zuerst bezahlen musste. Teuer waren die, und weit weg, man musste mit der Tram hinfahren. (ha, es gibt sie noch). Ähem.

Comment by Casino | 07:46




Schöne Geschichte, schön geschrieben usw. Bin dafür!
Aber ein haarspalterischer Einwand muss jetzt irgendwie gemacht werden: Wenn man sehr viel und ohne Rücksicht auf Preise als „nötig“ erachtet, kommt man natürlich nicht so leicht in die Versuchung sich mal etwas gönnen zu müssen. Ich vermute, Bücher sind immer nötig, die gönnt man sich nicht. Mir geht es ja ähnlich: Es gibt vergnügliche Pflichten. Da redet man nicht von „gönnen“. Filme sind aber zum Beispiel immer noch etwas, wo mein subjektiver Pflichteindruck sehr gering ist. Die gönne ich mir also.

Comment by froschfilm | 08:46