Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Manchmal pruste ich heimlich vor mich hin, weil das alles so lächerlich ist. Nicht das bisschen Webzeug hier, da erwarte ich nicht, daß es mich ernährt oder mir auch nur Respekt einbringt, jemand setzt einen Link, jemand löscht einen Link, mehr passiert selten, was soll’s schon; Leute, die man nicht kennt & die leeren Zeichen der Gesellschaft; aber die anderen Möglichkeiten, Universität oder Software oder Optimierung, herrje, ich denke: Du hättest (zum Beispiel) Eisenbahner werden können, da können die Leute reisen und sind pünktlich da, wenn Du es gut machst. Das ist grob weinerlicher Unsinn, es gibt keine Eisenbahner mehr, ich weiß das wohl, das hat spätestens Ende der Sechziger aufgehört, daß man etwas unschuldig sinnvolles machen konnte und nur die Weltpolitik hat es immer verdorben. Die Weltpolitik hat ihre Sache gut gemacht, heute ist es alles dasselbe, man sitzt halt vor Bildschirmen egal was, die Controltaste ist immer an der gleichen Stelle und rechts oben macht man das Fenster zu und findet nicht einmal heraus, warum jemand bereit ist, dafür Geld zu bezahlen: Ob man finsteren Zwecken dient oder überflüssig ist und es gleich morgen auch erfährt. Daß einem das Geld zusteht, das man monatlich bekommt, kann man schon selbst nicht mehr glauben; es ist eher, als erbarme sich eine grämliche ferne Macht spontan dazu. Kein Wunder, für die Knöpfedrückerei? (Das ist ja nicht Entfremdung, es ist eher, daß man zu vertraut ist mit dem, was man tut und produziert, und siehe, es ist schnell mal ein abstruser Scheiß für irgendeinen unerforschten Winkel einer fernen Wertschöpfung.) Man muß sich für sein Dasein nicht rechtfertigen, daß einem aber jemand Geld gibt, damit man sich Sachen kaufen kann, die andere herstellen, dafür schon.

Natürlich gibt es die Bahn nicht mehr, wir haben jetzt diese Fluggesellschaft mit Geburtsfehler, sie ist auf Rädern zur Welt gekommen. Wenigstens ein Techie hätte ich werden können. Einer von denen, die sich poltrig aus The Register vorlesen, immer die Hypes kommen und gehen sehen, im Notfalls auch dafür sorgen, daß an den 19″-Racks die Gehäusebohrungen an den richtigen Stellen sind und es schon immer wussten, daß das nichts wird. Diese Leute sind sich ihrer Sache sehr sicher. (Ich mir ihrer leider doch nicht ganz.)

Auch das hat sich geändert: Daß man sich den Erdball nicht mehr untertan macht. Zu erobern ist da nichts mehr, man muß ihn nicht mehr kleinkriegen und kann dann jubeln wie beim Sport, wenn man ihn wieder irgendwo kleingekriegt hat. Er ist eine Kugel unter der Maus geworden, man kann die nach links schubsen, dann kreiselt sie los. Alles beherrschbar, die Frage ist nur noch, wer wen wie gut beherrscht. Da verliert schnell an Bedeutung, was man so tut; man beschäftigt sich also mit Popmusik (gut! gut! – aber füllt eben die Leere, weil es also eine gibt.)

Meine halbe Abschlußklasse, die dieser Tage den Berufseinstieg vollzieht, macht „Marketing“. Als Unternehmer würde ich diese Leute nicht einstellen. Konzerne stellen sie ein, und Konzerne haben immer gute Gründe.

Irgendwie mag ich mich trotzdem noch nicht gleich bequemen auf einen Posten am Rande des Geschehens, wo wenigstens der Schwachsinn nicht die volle Lebenszeit beanspruchen darf und wo immerhin genug Zeit wäre für Steckenpferde und Altherrentätigkeiten, Büchern Kleinsoftware Saddle Creek und was und wen man sonst noch so mag; vielleicht doch noch nicht.

[Zum Stand der Dinge, aber natürlich nicht einfach so, Finger weg von Uwe Johnson]

Link | 23. Juli 2006, 11 Uhr 21 | Kommentare (1)


1 Kommentar


Eisenbahner gibt’s vielleicht nicht mehr, aber Zweiradmechaniker. Und das kann man auch noch werden. Nur wir nicht. Wir konnten das aber noch nie. (Verzeih das wir.)

Comment by froschfilm | 00:10