Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Das ist schon richtig: Ein nüchterner, ein wahrhaft erwachsenser, also abgelklärter Standpunkt zum Leben ist kaum zu gewinnen, nur im Glück (das ja vorkommen soll außerhalb Irlands) oder in allen Formen des echten Blues (die ebenso selten sind: Der Rohstoff Unglück ist wohl vorhanden, aber in verdünnter Form nur, verunreinigt, mit allerlei Notwendigkeiten des täglichen Lebens verseucht und mit den Verflechtungen mit allen, denen man schuldet.)

Wenn sich also Dinge ereignen (normale Dinge, die normalsten Dinge der Welt, folgerichtig, erwartbar und erwartet), die unerträglich sind, undenkbar und monströs; die nicht wahr sein dürften, deren Selbstverständlichkeit selbst ihre Ungeheuerlichkeit ausmacht, dann ist das ein Sühnefall.

Es gibt keine Rationalisierung der Sühne und keine Optimierung. Sie ist keinen Tag schneller durchlaufbar, eigentlich hat sie überhaupt kein Ende, bevor sie endet. (Man kann ihr Ende nur absehen in einer Haltung der dritten Person zu sich selbst.) Sie ist eine Form der Überspanntheit oder des Exzesses, eine Dramatisierung, aber das wertet sie nicht ab, im Gegenteil.

Schließlich Einsamkeit, Schwester der Sühne, Reaktion auf das Versagen einer Gemeinschaft, auf die Unerträglichkeit des ganz Normalen, man könnte auch sagen: auf das Un-Opernhafte. Opernfiguren sterben zum richtigen Zeitpunkt, wir dagegen leben weiter; das wird als Skandal empfunden; also ist Zeit, die Wüste zu suchen (oder den Wald). Einsamkeit ist das klare Wasser in der Morgensonne, vielleicht — vielleicht — kann es eines Tages das Ungeheuerliche auflösen.

[Eine Form der Überspanntheit, wie gesagt, aber es ist alles da draußen und geht nicht weg; rührt sich hinter dem Vorhang, wenn die Redner die Mär von der Technologie erzählen, der Beherrschbarkeit von allem durch Gewusst-Wie mit dem letzten der Ziele: Schmerzfreiem Altern.]

Link | 27. Juli 2006, 17 Uhr 27