Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Die Nachfolger der Regierung, der ich angehört habe, lassen mich verhaften. Sie fürchten meinen Einfluß oder wollen ihn sich zu Eigen machen, sagen meine Freunde. Meine Verschleppung in Handschellen geht über mehrere Stationen, zwei Bewacher immer an meiner Seite. Ich erkenne aber kein Muster politischer Motivation, schließlich stellt sich heraus, daß es sich nicht um politische Gegner, sondern ausgemachte Ausgeburten der Hölle handelt. Zwei meiner Freunde brechen in den Kerker ein und bringen Waffen mit, der Tunnel in die Freiheit wird in stundenlangem Ringen bei guten Spezialeffekten Abschnitt für Abschnitt freigekämpft.

***

Gespielt wird in einem sehr großen Bühnenaufbau, allerdings nicht zum Zuschauerraum hin offen, sondern kreisrund und geschlossen gebaut aus Sperrholz und Leinwand, mit offenen Durchgängen und also sinnlosen Türen. Meine Rolle ist die eines verschmähten Romeo; gegeben werden Alltagsszenen: beim Zahnarzt, das Überqueren eines Platzes. Es gab keine Probe, jede Szene muß beim ersten Versuch überzeugen. (In unbeobachteten Momenten spekulieren wir Schauspieler darüber, wie uns die Zuschauer überhaupt sehen sollen in den geschlossenen Leinwandwänden.) Als es ein größeres Malheur gibt, eine deutliche Abweichung vom Script, dirigiert uns der sehr gefürchtete Regisseur mit Zornesfalte zwei Szenen zurück, die Schleife wird als Kunstgriff präsentiert, auf keinen Fall darf der Eindruck entstehen, es handle sich nicht um große Kunst, sondern schieres Unvorbereitetsein. Verdacht auf weitere Schleifen, die Szene „beim Friseur“ kommt mir bekannt vor, ich spiele sie als „beim Zahnarzt“. Die anderen machen aber Zeichen und langsam dämmert’s mir, ich improvisiere. Die kreisrunden, verschachtelten (und nebenbei sehr schönen) Bühnenaufbauten sind sehr labyrinthisch und erlauben dem zornigen Regisseur, uns überraschend auftauchen zu lassen und in weitere Schleifen zu schicken, es wird fast eine Fuge insgesamt, intensiv leuchten die Farben der Kulisse vor der Dunkelheit des Bühnenturms. Schließlich, nach langem Ringen, setzt sich meine Rolle gegen den Widersacher durch und wird geküsst, ich erwache vom rasenden Schlagen meines Herzens.

[Wussten Sie schon? Immer mehr Menschen, die sich deppert bedeutungsschwangere Träume wünschen, greifen zu Guter Gin®.]

Link | 26. August 2006, 12 Uhr 23 | Kommentare (3)


3 Kommentare


Ich hielt das am Anfang für ein tatsächliches Theaterstück und hätte es gerne sehen wollen (besser noch: die Probe). (Gin also.)

Comment by Parka Lewis | 16:21




Sie sollten sich vielleicht doch zum Schauspieler berufen lassen…

Comment by Catilina | 16:24




Obwohl, unvorbereitet durch die Szenen des Lebens zu tapsen bedarf eigentlich absolut gar keiner Vorbereitung.

Comment by Catilina | 16:28