Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich sah mir Teile des Kölner Zuges im Fernsehen an. Zum ersten mal seit der Kindheit verspürte ich weder Abscheu noch das Verlangen nach Distinktion. Selbst Jan Delays Video fiel mir nur in diesem Zusammenhang ein: Daß es mir eigentlich nicht eingefallen war.

Ich musste wohl durch eine Schule gegangen sein und konnte gar nicht sagen: Wessen?

*

Die Prozesse der Entwurzelung, die wir fürchten oder feiern oder leugnen, werden gemeinhin gedeutet als gesellschaftliche Prozesse, dabei sind sie vielleicht individuell und kommen nur in vermehrter Form vor: In einer Welt, in der die romantische Liebe existiert, kann man sich nur früh versprechen oder früh sterben. Überlebt man das zweite Lebensjahrzehnt ohne klug genug gewesen zu sein, sich zu versprechen, solange man sich noch glauben konnte, bleibt nicht viel zu wollen. Denn alles, was wichtig war, ist widerlegt durch die Möglichkeit zur Wiederholung und unsere fürchterliche Lebenstauglichkeit.

Es häufen sich darum die sogenannten postmodernen Lebensentwürfe mit sinkender Sterblichkeit bei Jugendlichen.

*

Die Erschütterung aus der Erkenntnis: Dieses bleibt und ist nicht zu löschen.

*

Die Seele, die aus der Beharrung lebt, empört sich über die schiere Möglichkeit der Veränderung — die vom Intellekt, der interessiert werden will, sich versuchen und Radau schlagen, hysterisch herbeigeführt wird: Das ist das Feuer, in dem wir jederzeit stehen.

*

Eine untergehende Welt jedenfalls sieht anders aus. In einer untergehenden Welt spricht nicht Stephen Sackur mit republikanischen Senatoren über den Klimawandel.

*

Beim Kölner Umzug sah ich einmal mehr Wohlstand, ungeheuren, gelassenen, gewaltigen, unbedrohten Wohlstand.

*

„Noch schimmern die Façaden zurückhaltender Paläste im Gespenster-Grün des Canaletto; noch lauern, mystische Radierungen, die florentinischen Kulissen der L…straße in brüsk begrenzten Schatten, durch welche Verschwörer schleichen müßten, Satanskinder und lungenkranke Ekstatiker.“ (Ferdinand Hardekopf)

*

Wie fern. Wie dreckig und schön: Die wirkliche Bedrohung.

*

[Rosenmontag / Abstand & Wurzeln]

Link | 20. Februar 2007, 20 Uhr 59