Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Typologie der scheinbaren Häuser:

Also, zunächst gibt es die Kulissen, die nur vorne wie Häuser aussehen, von hinten aber Latten und Leinwand zeigen und die zu Fall zu bringen sind mit einer Säge oder einem wohlgesetzten Tritt; keine besonders solide Sache. Gezielt geschaffen, um die Errichtung eines vollwertigen Hauses zu vermeiden, täuscht der Mummenschanz die Kamera oder (im potemkinschen Fall) das Auge direkt. Die Vortäuschung eines Hauses kann aus vielen Gründen sinnvoll sein, besonders im Film.

Nicht gebaute Häuser existieren als Architektur, jedoch nicht in Stein. Es handelt sich um mathematisch-technische Möglichkeiten oder, im nichtbaubaren Sonderfall, um Architekturphantasien. Nicht gebaute Häuser werden von der Tragik bewohnt, denn obwohl sie schon ausgedacht waren, manchmal geplant, existieren sie nicht.

Fertighaus-Musterhäuser sind die Simulation in Stein einer Simulation in Stein, also fast nicht existent, was man beim Eintritt sofort spürt. Der Eintritt in ein Fertighaus-Musterhaus vermittelt einen der überwältigendsten Eindrücke, die ich kennengelernt habe, man erfährt sofort einen enormen Erkenntnisschub.

Virtuelle Gebäude, sagen wir, Gormenghast (Wikipedia-Kategorie „Fictional castles and fortresses“) oder die Dungeons von Ultima Underworld und all seine Nachfolger bis zum Nike-Shop in der VR-Welt, sind vertraut und räumlich erfahrbar, aber wenn es regnet, kann man sich nicht unterstellen.

Leider muß man wohl auch die Gebäude in Dogville erwähnen, die allerdings eine entartete Form darstellen.

Eingebildete Häuser gibt es überhaupt nicht.

Geisterhäuser, also verlassene Häuser, haben funktional alles, was Häuser brauchen; es fehlt ihnen aber die Häuslichkeit: Unbewohnte Häuser liegen unter einer schmerzhaften Melancholie, die sie unwirklich macht. Erträglich ist das, wenn die Häuser beschädigt oder zum Abriss bestimmt sind. Mit der Extremform des Hauses, das vollständig instand, aber unbewohnt ist, ist etwas schwer und lauernd in Unordnung.

Hüpfburgen sind in mehrfacher Hinsicht interessant: Sie werden von mächtigen Ventilatoren am Leben gehalten, sie haben weiche Wände und sie sind, obwohl richtige Burgen, mobil. (Wohnwagen gehören nicht zu den scheinbaren Häusern, sondern zu den abartigen Automobilen, überhaupt sollte man möglichst wenig darüber nachdenken.) Hüpfburgen trennen die Kinder in Kinder, die gerne gegen andere Kinder hüpfen, und Kinder, die diesen Gedanken irritierend finden.

Bilder und Hologramme von Häusern teilen viele Eigenschaften mit den virtuellen Häusern, verweisen dabei aber möglicherweise, magischerweise, auf andere, manchmal auch wirkliche, Häuser.

[Unbewohnt, sagen Sie? Wirklich? Oha.]

Link | 17. März 2007, 3 Uhr 46 | Kommentare (1)


1 Kommentar


ein hoch auf die sinnlosen typologien – wobei besonders auf die celestial emporium of benevolent knowledge’s taxonomy hinzuweisen ist.

und wenn ich schon dabei bin: ich vermisse die suchfunktion und das archiv hier seit dem designwechsel. ich stecks mal in die vorschlagsbox, in der hoffnung, dass diese ab und zu geleert wird.

Comment by grün | 23:16