Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Was mich den Christen — jedenfalls den echteren und besseren unter ihnen — zunehmend verbindet, ist ihr Vertrauen in die Erlöstheit der Welt. Gerechtigkeit für andere zu fordern scheint mir nur unter diesem Vorzeichen möglich: Daß es nicht nötig wäre (for the man comes around). Also ist es eine Forderung aus Güte, aus der reinen Möglichkeit zur Güte heraus. Daß die Welt bereits in Ordnung gebracht ist, erlaubt eine Sorte Pflicht, sich zu kümmern, die ohne die Hässlichkeit auskommt, die materiellen Forderungen sonst immer anhängt, gerade wenn man sie im Namen anderer ausspricht.

Seit Jahren irritiere ich, ein gottloser Exkatholik aus dem Lehrbuch, meine Umwelt mit der naiven Idee, daß die Welt gerecht sei. Nicht gerecht sein könnte, wenn nur dieser Kapitalismus mal wegginge oder dieser oder jener unsympathische Bonze bestraft würde, nein: Sie ist gerecht. Die unsympathischen Bonzen machen auf mich einen so verzweifelten und lächerlichen Eindruck, wenn sie ihre Arschlochnummer durchziehen, ohne die sie längst nicht mehr wüssten, wer sie sind, daß ich nicht anders kann als zu glauben, daß sie büßen, und zwar hier und jetzt.

Was man begreift, mit den Jahren: Die Welt ist insgesamt in Ordnung, weil gute Menschen darin vorkommen und die andern einfach egal sind. Wir sind narrativ konstruierte Wesen, ewig zugänglich für Geschichten von Mut und Größe, weil es die besseren Geschichten sind, weil es eine innere Logik des Erzählens gibt, die das Gute zwingt zu gewinnen. Gleich wie sehr wir uns (und es ist eine spaßige Übung) auch mühen mögen, den renitenten Geist der poetischen Gerechtigkeit auszutreiben: Wir sind zum Optimismus verdammt. Er ist da, man kann sich zwar stifteringend wehren gegen ihn, anerkennt damit aber nur seine Gegenwart. Uncool, aber wahr.

Über dieser Grundlage des Optimismus (den Erdbeeren in Das siebente Siegel) webt dann die Schuld ihre Netze, es ist kompliziert und dreckig und meistens weiß man nicht und man baut Mist unvermeidlich, Pech, es hat niemand versprochen, daß es möglich sein sollte, alles richtig zu machen. Und wenn man tausendmal keine andere Möglichkeit hatte, es bleibt doch eine Schweinerei, was man da angestellt hat: Pech; das ist das Leben, man wird dreckig dabei, gesühnt wird in jedem Fall: Entschuldigung ist das keine, daß man nur eine einzige Wahl hatte.

Die Christen, jedenfalls die besseren unter ihnen, haben da unleugbar einen Punkt. Der Versuch, die Maximalgeschichte von Größe zu erzählen, um die Bewohnbarkeit der Welt zu beweisen, ist, auch wenn er scheitert, ein Manöver, das erfunden werden müsste, wäre es nicht bereits so gründlich durchgeführt.

Link | 31. Mai 2007, 1 Uhr 10 | Kommentare (2)


2 Kommentare


Optimismus? Mh. Hoffnung.

Comment by stralau | 07:39




*hust*Nietzsche*hust*

Comment by amh | 07:11