Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Der Stromboli ist ein recht bekannter Vulkan. Im Was-Ist-Was Vulkane ist er drin. Eine Berühmtheit. Ein Pin-Up, ein Poster, ein Ding, das man nicht kennt und darum lächerlich leicht lieben kann.

Erstaunlich ist, wie nahe man der Berühmtheit kommt. Man schnalzt werbelässig eine Kreditkarte auf den Tisch im Container der Siremar, sagt: „I need two tickets to Stromboli this night“, als sei kein Zweifel daran möglich, daß man heut Abend nach Stromboli muß. Man fährt mit der schäbigen Fähre voller Leute, die Deckspassagen nach Sizilien buchen und dann in Schlafsäcken auf dem schleimigen Teppichboden der Bar schlafen, zur Insel, die einfach nur ein Vulkan im Meer ist, steigt aus, morgens um fünf, lässt sich von einem der paar geschäftstüchtigen Insulaner radebrechend in einen Bungalow stecken und dann ist man ziemlich allein mit sich, dem schwarzen Strand und dem Vulkan. Wenn man nachts so weit steigt, wie man es ohne Führer darf, was fast so hoch ist wie derzeit überhaupt erlaubt, ist man schnell richtig allein, mit sich und der launischen Berühmtheit.

Dann passiert nichts. Rundherum ist Mittelmeer und Nacht, man sieht ein paar Lampen und ein Boot und eine lange Bahn bleichen Lichts, je nach Wolken, welche in jedem Fall, klar und abgegrenzt, plastisch blau aussehen wie in einem Disneyfilm. Der Vulkan glüht nur lustlos seine paar selbstgeblasenen Wölkchen an. Zu hören ist auch nichts an der Kante zur Feuerrutsche, im Mondlicht löst sich die aus dem Raum und wird eine grauschwarz gestreifte, sinnlose Fläche.

Man fühlt sich nicht klein dabei, man spürt nicht die Bedeutungslosigkeit des eigenen Daseins oder die Eitelkeit des Berliner Wettkampfs um die albernste Masche (Wanderpokal, immer noch bei Modocom), man tritt in keinen Dialog mit Gott, mit den Wurzeln der Menschheit, der Mutter Erde oder wem auch immer. Man sitzt im Meer, starrt einen schwarzen Gipfel an und wartet eben. Ab und zu beugt man sich nach links und versucht festzustellen, was man gerade teilt. Ab und zu flüstert man groben Unsinn über den Vulkandämon J. und was man aus dem alten Testament über den Stromboli lernen kann. Reicht, reicht völlig.

Daß der Vulkan irgendwann doch gnädig faucht und Funken und glühende Brocken speit, die dann, vom Mondlicht unberührt, über einen dunklen Teil der Rutsche durch die Stille kollern, zischen, am Meeresgrund aufrumpeln, ist gar nicht so wichtig, aber nett vom Vulkan.

Link | 9. Oktober 2004, 1 Uhr 27