Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Österreich, Linz.
Referrer aus Linz.

[Donnerstag. Linz liegt unter einem erbarmungslos deprimierenden Regen. Keine Spur von der Ars Electronica. Meinen Plan, sofort ein gedrucktes Programm zu besorgen und loszuziehen und mir alles anzusehen, gebe ich auf. Sinnlos hysterischer Gedanke. Statt dessen bleibe ich im Brucknerhaus, wo es nach Kultur und Teppichen riecht und die Gala vorbereitet wird. Lässige Professionalität; Lichtleute, Tonleute. In einem stillen Kammermusiksaal stehen fünf Flügel unter ledernen Abdeckungen, daneben müde Spots und schwarze Bühnentechnik und ein eindringliches, synchronisiertes Kleingruppen-Klatschen. Später lerne ich: Der Siegerbeitrag des Wettbewerbs klatscht: Es handelt sich um von einem Computer komponierte Musik (was immer das bedeuten mag), die dann von Menschen aufgeführt wird; wobei allerdings nur Schaltvorgänge durch Schritte und Klatschen dargestellt werden. Eine der Bit-Klatscherinnen ist ausgesprochen hübsch, was mein Urteil mildert und mich daran erinnert, daß ich seit dem Pyramidenfest wirklich ein klein wenig in die äußerst niedliche Juli Holz vernarrt bin, googeln Sie mal!

Die famose Psewdonima hat mich hier in Linz bei Freunden von Freunden von Freunden untergebracht. Die fünf Ecken, über die jeder jeden kennt, mussten alle umquert werden für diese Freundlichkeit. Ich schüttle mich aus dem bösartigen Regen und bekomme Tee und einen warmen Teller Suppe.

Ein wenig haben sie hier Angst vor mir, was mir leid tut. Ich weiß nicht genau, warum ich eigentlich aufgenommen werde, vermutlich ist es schiere Gastfreundschaft. Ich schäme mich für mein Hochdeutsch; ich kann hier nicht angemessen sprechen, ich will auch dös basst ma öh sagen, wenn mir etwas gefällt; alles, was ich statt dessen sagen kann, fühlt sich eitel und druckreif an; wenn meine Gastgeberin telefoniert, ist sie sie selbst, mir gegenüber bleibt sie befangen. Den ganzen Abend lang kämpfe ich fast um ihr Vertrauen; ich rede zu viel und erliege mehrfach der Versuchung, etwas cooles zu erzählen; man bringt mir ohnehin schon einen beschämenden Respekt entgegen.]

Link | 7. September 2007, 9 Uhr 39 | Kommentare (4)


4 Kommentare


Habe ich ständig.

Comment by zak | 11:12




Wenn man diese Sprache nicht mehr richtig beherrscht, ist es fast genauso schlimm (und überhaupt: Natürlich haben die Angst vor Dir – Dir gegenüber nicht befangen sein, so einfach ist das auch ohne Sprachbarriere nicht – mit aber quasi deterministisch).
Ha! Du bist meinen Wurzeln (oder was davon übrig ist) näher als Du denkst. Und weckst mit diesem Eintrag den ohnehin starken Drang in mir, wieder einmal dorthin zu fahren…

Grüß mir den Pöstlingberg!

Comment by Sonntagsblogger | 12:29




sie auch hier? mit grünem namenszug über dem kopf durch die marienstrasse wandelnd, etwa?

Comment by lliered | 15:23




Im Augenblick habe ich die einzige freie und unbewachte Steckdose in dieser Stadt ergattert. Sie liegt in einer entlegenen Ecke in direkter Nachbarschaft zu einer röhrenden Unterwasserschnecke mit Riesenaugen, die von einem brutalen und nur leidlich musikalischen Kind zum Singen geprügelt wird.

Ein WoW-Tag habe ich noch nicht, aber sobald ich den ersten Europäer sehe, der eins trägt‘, hol‘ ich mir auch eins… ach, was soll’s.

[Selbstreferenzielle Topoi der Konferenzerzählung, 1.: Die sich in den Vordergrund drängende Jagd auf die Steckdose.]

Comment by spalanzani | 16:17