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zak
Befindlichkeiten


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2008.07.27 | 4:43 pm | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Strategien der Beglaubigung

Vor der Hagia Sophia eine afrikanische Reisegruppe, deren farbenfrohe Gewandnisse wunderbarst mit der Mosaikenausstellung im linken Seitenschiff harmonieren. Aus einer der Baugruben direkt vor dem Hauptportal wird ein wenig tausendjahrealter Staub aufgewirbelt, der kurz zwischen dem Wachpersonal umherwindhost. Ein lichthaariger Engländer mit einem sehr großen Objektiv sucht abenteuerliche Einstellungen und verrenkt sich hinter meinem Stuhl, fällt fast um. Von einer der Eisbuden vor der Umzäunung her erklingt „I Love You Baby“, gefolgt von lokaler Folklore. Ich frage mich, ob ich hinein gehen soll.

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Ob es wohl möglich ist, für längere Zeit an einem Ort zu leben, der keine Küste hat und kein Meer?

In 1911 the governor of Istanbul ordered the stray dogs in the streets to be gathered and deposited to Sivriada, but a severe earthquake which immediately followed the event was perceived as "a punishment by God for abandoning the dogs" and they were transported back to the city.

2008.07.14 | 9:12 pm | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Lost & Found

Come, come, atom bomb
If we one day
ever become like them

Feels like everyone is older now
and look after each other
They have gone to live their lives
and God knows, I have to live mine

I'm standing in the Vasa park
watching boys and girls walk through the love grove
I would trade place with any of them in a second
if I could

Everyone is older now
and look after each other
They have the clouds in their arms
and you write words like Murder in the hand

Come, come, Armageddon
if we one day
ever become like them

Håkan Hellström - Atom Bomb

2008.07.13 | 5:20 pm | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
We wish for electric storms and love

Ein deutscher Sommer. Stahl und Öl und das Flirren der Hitze über den Schienen. Metallsommer. Gegenüber im Zug zwei Polizisten und eine weißgewandete Frau mit einem großen Plastikbeutel voller Kirschen. Vor dem Fenster setzt sich langsam der Tchibo-Stand in Bewegung und statt der absurd anachronistischen Glocke der Bahnhofshalle stülpt sich plötzlich wieder die große Bläue des Himmels über alles. Es ist kühl im Abteil und riecht nach Kuchenteig. Aus der Klappe des kleinen Mülleimers unter dem Fenster ragt ein breiter roter Trinkhalm heraus, wie die Zunge, die er nicht hat. Draußen löst sich die Stadt langsam auf, zergliedert sich in urbane Randgebiete, zerfasert in Industrie, Reihensiedlungen und Schrebergärten. Zersetzungserscheinungen. Auf den Dächern der Vorstädte drehen sich glitzernd die Verteilerhauben der Abluftrohre, die vergitterten Fenster der Betriebsgebäude weinen Rost. Vom Dreck ihrer Geschichte wird sie jedoch kein Gewitter reinwaschen können. Ich wünschte, ich könnte mehr sagen als die, die vor mir waren. Man ist immer befangen, wenn man beim Schreiben an jemand anderes denkt als sich selbst oder die Welt. Niemand weiß, dass ich kommen werde. Die Ansagen der Computerstimme sind nicht richtig getaktet, der Schaffner reicht zu jedem Halt die richtigen Stationsnamen nach. Abschalten geht wohl nicht. Die Polizisten schlafen, symmetrisch einander gegenüber, wie ein Gemälde von Magritte. Die Frau mit den Kirschen ist ausgestiegen. Vor dem Fenster plötzlich nur noch Wald, Nadelhölzer, skandinavisch. Immer wieder verlassene Bahnhöfe, an denen niemand zusteigt. Große graue Landschaften der Hoffnung, in denen lange Güterzüge schlummern, auf den Containern arabische Schrift. Auf allen Backsteingebäuden kleine Türme und Zinnen. Wälder mit Sandböden, über die sich glänzende Rohre schlängeln, eingezäunte Truppenübungsplätze, eine S-Bahn, ein ICE, wenige Sekunden hintereinander auf dem gleichen Gleis. Dann verschwindet die Sonne und ich glaube, zwischen den Baumstämmen und Gräsern einen umgestürzten Grenzpfosten gesehen zu haben. Die Polizisten sacken synchron immer weiter in sich zusammen. Alles ist erleuchtet. Dann wieder ein neuer, heller Zaun, Eichen vor dem Fenster, Laub, das Schatten auf die Uniformierten wirft. Auf dem Nachrichtenscreen: „Amokfahrt mit Bulldozer. Ein Palästinenser tötet drei Israelis, bevor er selbst von einem Israeli erschossen wird.“ Ich bin voller Angst und Hoffnung. Wie wir zueinander sprechen können, soll weiterhin das schönste Geheimnis bleiben. In Erkner sind die Fenster zugenagelt und alle Menschen, die aussteigen, tragen blassbunte Hemden und Plastiktüten von Galeria Kaufhof. Wie der Engel der Geschichte sitze ich rückwärts zur Fahrtrichtung. Auch wenn dieser wahrscheinlich nicht den Regionalexpress nahm. Durch den Forst ziehen sich lange Schneisen für die Autobahn oder gegen das Feuer. Ich bin voller Angst und voller Hoffnung. Die Lichtmuster auf den Waldböden und die verschwimmenden Stämme der Birken. Neue Bahnsteige vor alten, verfallenen Wärterhäuschen. Man könnte denken, ich müsste nicht immer wieder auf das Handy schauen, da es ohnehin keinen Empfang hat, hier draußen, in den Wäldern – doch vielmehr ist es so, dass bloß niemand anruft. Immer wieder schwedische Landschaften, dann polnische, dann wieder deutsche. Waldstücke, Rangiergleise, Bahnhöfe. Die Nachmittage, die wir an den Seen verbracht haben, träge und glücklich. Ein zugestiegenes Mädchen mit Pagenkopf sagt: „Puh, bloß nach Hause.“ Nach Hause. Dann fahren wir durch Finsterwalde (Spree). Die Mädchen sprechen über Gurkenschäler. Manchmal sehne ich mich danach, zu vergessen. Noch 181 Tage bis zum Ende des Jahres. Alles was lebt, bewegt sich. Ich habe Angst, deine Nummer zu wählen. Die Landschaften werden weit. Eines der Mädchen ruft zuhause an, lässt sich ihren Bruder geben und fragt, ob er ihr zum Bahnhof entgegen kommen könne, ihr sei so langweilig. Mit bittender Stimme verlässt sie das Abteil. Hier sind vor 63 Jahren die Panzer durchgerollt, breite Schneisen in den goldenen Feldern hinterlassend. Am Horizont dann eine Gruppe Windräder, kurz vor dem Ziel. Hinter dem Fluss beginnt ein anderes Land.

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2008.07.03 | 7:20 pm | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
I’ll be your mirror, Bildnachtrag

A friend of a friend whom I never met.

COMMENTS

1 - posted by brittbee | 2008.07.07 | 10:57 am

whom i once met. so isser.

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2008.06.24 | 11:08 am | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Publicité Tapageuse

Hamish Morrison

Hatje Cantz

Facebook

[...] Statt uns doch nur misszuverstehen, möchte ich, dass wir das Ungenügende auch ungenügend fassen, aber systematisch. In dieser Annahme oder Folgerung stimmen wir überein. Was unwidersprochen bleibt, ist eine gemeinsame Behauptung. Es erscheint einem unangemessen und im Grunde schämt man sich, etwas als einzelner, gerade jetzt auszusprechen, denn entweder ist es falsch oder es hätte auch von einem anderen gesagt werden können. Wer was wann sagt, verdankt sich besonderen Umständen, die aber mit dem, was uns an Charakter und Situation einsichtig ist, nicht viel zu tun haben. Das Verhältnis ist ungünstiger, als wenn man sich bei der synthetischen Nachbildung eines Geschmacks mit wenigen Komponenten begnügt. Nur haben wir die echten nie erfahren. [...]

Ingo Niermann - Die Zucht

2008.06.16 | 1:55 am | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Appendix

Die unglaublich dunkeldeutsche, verfallene Anmutung der Wuppertaler Hänge. Brockiger Basalt, verkommene Häuser, deren Fassaden Schmutz weinen. Belgisches Kriegsgebiet ohne Industrie. Auf dem Bahnsteig eine alte Dame mit weißen Handschuhen. Am flaschengrünen Skelett der Schwebebahn weiße Fahnen, drei an der Zahl. Über den zugewachsenen Schluchten stehen schwarze Wolken schwanger. Hier kam schon lange niemand mehr vorbei, vor dem man hätte kapitulieren können.

Die Luft ist feucht und kalt.

Er nahm ihr ein Mixtape auf, keine CD. Sie musste sich kein neues Gerät kaufen, um es abzuspielen.

[Alfred Kubin]

2008.06.12 | 12:26 am | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Inside Out

Houselights. Stage.

For a moment then we go out there and shine.

You always look like you are crying when you sing.

[...] lieber kracht, das mit dem lacanschen spiegel ist eine boese falle der akademie germany, um eh vollverbloedete vollzeitstudenten noch ein paar semester mehr vollzeitarbeitaufwendig zu beschaeftigen. das versteht ja kein mensch in echt, was der lacan da so wollte mit seinem spiegel. und wenn man es simpel versteht wie ich nach der ersten und letzten stunde im lacanseminar: sieht es so aus, daß der kleine mensch zum ersten mal in den spiegel schaut und sich boese erschrickt weil er das sieht was andere in oder an ihm sehen, er also nicht mehr seine traumwelt vom unendlichen ich aufrechterhalten kann und an die grosse grenze rankracht: andere haben ein bild von mir also macht über mich. so brauche ich das also nicht langatmig auf fremdeintraege unterm krachtnamen im pool zu stuelpen, weil es ist ja eh klar jetzt. [...]

kid loca hamburg, germany - 23.07.99 at 15:12:41

2008.06.11 | 11:46 pm | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Chambre Close

Hätte ich das Manuskript gelesen, so könnte ich konkrete Vermutungen darüber anstellen, welche Stellen zu schwärzen seien, so das Buch doch irgendwann einmal wieder vertrieben werden dürfte. Hätte ich das Manuskript gelesen, hieße dies, dass mich diese Frage interessieren würde. Ich habe das Manuskript nicht gelesen, es liegt in irgendeinem Stapel auf meinem Schreibtisch und ich werde nicht verraten, wie es dort hingelangte.

Wie [—– ——] gestern an den Berliner Hauptbahnhof gelangte, weiß ich hingegen gar nicht, was ich jedoch weiß ist, dass seine Bartstoppeln und auch seine Haare stellenweise Grau werden und dass seine weibliche Begleitung von recht geringem Körperwuchs war und wesentlich jünger aussah als er, aber das lag vielleicht auch an der goldumrandeten Pilotensonnenbrille, die sie trug, ich weiß es nicht. Was ich jedenfalls nicht sehen wollte, war die Art und Weise, in der sich die beiden küssten, dann, auf einer Rolltreppe, die nach unten fuhr.

Es war, nun, wie soll ich sagen, es war – obszön. Es war dieses minimale Zuviel, das die Grenze zwischen Lust und ihrer Darstellung markiert und überschreitet. Die Öffnung der Münder zu groß, die Sichtbarkeit der Zungen zu hoch, der träge Ennui der Körper dabei zu offensichtlich. Eine Demonstration, die nicht mehr ist als sie selbst; die sagt: „Ich bin der verzweifelte Glaube an den Hedonismus unserer Leben. Bin die Hand, die sich so sehr irgendwo festhalten möchte, es jedoch nicht kann. Ich bin Politik.“

Hätte ich das Manuskript gelesen, so wären meine Assoziationen vielleicht auf eine andere Art und Weise subjektiv, wären die Erscheinungen von anderer Gestalt. Doch das würde einen ungefähr so signifikanten Unterschied machen, wie wenn ich Alexander von Ribbentrop auf dieser Rolltreppe gesehen hätte anstatt [—– ——]. Einen viel geringeren nämlich als Sie nun vielleicht zunächst annehmen mögen.

[...] Nach unserer weiterreichenden Hypothese wäre also die Verdrängung niemals Verdrängung des Sexes zugunsten von irgend etwas anderem, sondern Verdrängung gerade durch den Sex: Einschränkung der Diskurse, der Körper, der Energien und der Institutionen durch den Sex und im Namen ›des Sexes, der spricht‹. Und der verdrängte Sex hat nur die Aufgabe, die Verdrängung durch den Sex zu verdecken. Was uns Foucault - eigentlich wider Willen - sagt, ist, daß nichts der Repression, sondern alles der Produktion dient, nichts auf Verdrängung, alles auf Befreiung hinarbeitet. Aber das ist ein und dasselbe. [...]

Jean Baudrillard - Oublier Foucault

COMMENTS

1 - posted by Jens Thiel | 2008.06.16 | 10:48 am

Biller-bashing? Nicht bisschen langweilig?

2 - posted by zak | 2008.06.17 | 6:08 pm

Jetzt verwechseln Sie mal bitte nicht einen Vorgang/eine Funktion in einem quasi-literarischen Text mit einer real existierenden Person. Oder sind Sie etwa Bundesrichter? Und ja: Das ist langweilig.

3 - posted by Jens Thiel | 2008.06.18 | 12:10 pm

Also: Es war nicht Biller? Oder: Biller gibt es gar nicht? War Quasi übrigens nicht ein übelriechendes Putzmittel aus der DDR?

4 - posted by zak | 2010.10.02 | 11:55 am

Ich glaube, da verhält es sich tatsächlich ähnlich wie mit [——– ——–]. Die gibt es eigentlich auch gar nicht.

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2008.06.01 | 10:59 am | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Now the SS on my jacket stands for super smooth

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1 - posted by spalanzani | 2008.06.02 | 8:29 pm

„Dieses Gestirn sei deshalb eine ’schwarze Sonne‘, weil es inzwischen erloschen sei und nur noch im Verborgenen wirke, von wo es jedoch immer noch ‚Hochintelligenzwirkungen‘ auslösen könne. Um diese zu empfangen, müsse sich der Mensch – laut Emil Rüdiger – mit bestimmten Meditationsübungen öffnen, z.B. leichten Druckmassagen auf die Thymusdrüse, die in genauer Beobachtung der kosmischen Gesetze zu erfolgen hätten, da man sonst dem Wahnsinn verfallen könne.“

(Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne. Freiburg i.Br. 1999)

2 - posted by zak | 2008.06.03 | 2:44 am

Zudem hilft es, permanent ein Bokoma auf dem Haupte umherzutragen, zwecks Erhöhung der Leit- und Kanalisierungseigenschaften.

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2008.05.30 | 1:50 pm | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
So many holes to fill with anything, something

Wildbirds & Peacedrums

[...] Die Psychoanalyse ist keine Wissenschaft. Die Psychoanalyse Freud'scher Prägung ist ein quasi-literarisches Selbst-Deutungssystem, das sich der empirischen Prüfung weitgehend entzieht. Eines, das nicht nur wissenschaftstheoretischen Grund-prinzipien zuwider läuft, sondern auch noch auf teilweise frisierten, teilweise frei erfundenen "Beobachtungen" basiert. [...]

Wolfgang Prinz

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