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Befindlichkeiten


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2008.03.25 | 7:38 pm | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Palimpseste

Es ist nicht so, dass man vergessen könnte, wie das Meer riecht, im Hafen von Marseille, oder die Beschaffenheit des Windes, der das Salz die Canebière hinauf trägt, es mit all den anderen Partikeln melangiert; Asphalt und feuchte Zeitungen, die Reste von den Marktständen, Fruchtsäure, Essig und Artischocken, glasige Augen und zertretene Tomaten, die Erinnerung an die Texte, die geschrieben wurden, an die Blutplättchen, den Sand und die Haut, an Schuppungen, Häutungen; Emotionspeeling und Gerberei, an das nicht zu Entfernende, an die Reste, die Substanz […]

– über allem die Sonne wie eine metallene Glocke.

Der Anfang einer Geschichte, die schon zu Ende ist, ohne ein Ende zu haben, irgendwo am Rand der kreisförmigen Ruinen, wissend, dass alle Beteiligten in gleichem Maße von einem anderen geträumt werden.

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1 - posted by sunny | 2008.04.08 | 12:23 am

Das, was mir Marseille bedeutet…

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2008.03.03 | 4:16 pm | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Statik und Varianz

Super Black

[...] Nun kann man sagen, dass man nie mehr bevölkert war als jetzt. Man geht seiner eigenen Sache nach und hat eben deshalb wie nie zuvor Gelegenheit, den anderen zu treffen. Wiederholend trifft man immer auf einen anderen, der gerade im sich selbst Vorstellen begriffen ist. Man muss nicht für ihn wiederholen, an seiner Stelle oder aus Anlass von ihm. Da jede Repräsentation bereits Vermittlung ist, ist es klar, dass es keine Repräsentation dieser Wiederholung gibt. Wir sind aus Tiefen und Entfernungen gemacht, die sich einander über die Zwischenräume der Einsamkeit hinweg durchdringen. Einsamkeit ist nicht das abstrakte Attribut des Ich, da sie im Gegenteil die Eigenschaft seines Zusammenspiels ist. Gerade weil es vor Vermittlung geschützt ist, ist das Zusammenspiel Rückkehr - in eine Welt, in der man unter anderen ist. [...]

Eva Meyer - Collaboration/Zusammenspiel

2008.02.05 | 9:12 am | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Sein und Zeit

Was immer wieder auffällt, sind vereinzelte Männer, die mit Windjacken, Jeans, Renoschuhen und Herrenfrisuren bekleidet in den grünbraun gewellten Ackerlandschaften herumstehen, ohne Kamera, ohne Hund, entrückten Blickes das Gegebene hinnehmend, während in ihren an den Feldwegen abgestellten dunkelfarbigen Volkswagen die roten Dioden der Alarmanlagen glimmen, wie der Puls eines im Sterben liegenden starrsinnigen Tieres.

Wenn die Dämmerung einsetzt, werden die Männer in ihre lehmigen Höhlen zurückkehren, die sie in die Hänge des Umlandes gegraben haben, und sich einspinnen in einen Kokon aus alten Kleidungsfasern und Lebensmittelverpackungen.

Niemand wird ihren Atem hören, in der Nacht.

2008.01.14 | 9:18 pm | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Phenomenology

[...] He asked himself: What is a woman standing on the stairs in the shadow, listening to distant music, a symbol of? [...]

James Joyce - The Dead

2008.01.14 | 9:03 pm | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Fabula

Vielleicht ist es das Summen
eines ruhigen Kühlschranks
in einer großen Nacht
Vielleicht ist es das Summen
der Stimmen unserer Eltern
vor langer Zeit in einem
sanften Licht

mmmmmm

17

2008.01.07 | 10:46 am | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Heimliche Drillinge

2008.01.07 | 12:28 am | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Kaputt kommt von caput

Dann also doch das Wort –
Das Verhalten zu etwas –
Das Verhalten –
Verhalten –
Denn es ist ja wirklich alles, was wir haben –
Man hat –
Da ist –

Die Abscheu vor Rolf Dieter Brinkmann.

Helge Schneider, Klaus Kinski, Benjamin von Stuckrad-Barre, Karl Lagerfeld, Udo Lindenberg. All die überkandidelten Hilflosen, die nicht anders können als schreien und machen und sich nicht zu helfen wissen, in der Welt. Und alles, was ich denken konnte, während dieser feiste Darsteller in seinem drecksgelben Trenchcoat in diesem Kölner Hinterhof mit einer Eisenstange auf eine Metalltonne eindrosch, war: „Michel Foucault, Michel Foucault, Michel Foucault.“

Jetzt laufe ich die Treppe hinunter. Das ist natürlich Quatsch.

Ich kann das Treppengeräusch nachmachen.

Ein kleiner mürrischer Park, den ich durchquere.

Sie bemessen die Gegenwart so knapp, dass man sich immerzu verletzt.

(c) Latein. – Statt über das Französische kann auch eine direkte Ableitung vom Kirchenlatein gefunden werden. Danach stammt "kaputt" aus dem lateinischen "caput", aber nicht in der klassischen Bedeutung von "Kopf", sondern aus dem späteren mittelalterlichen Ausdruck "caput essere" = "unnötig werden", "unbrauchbar sein". Dieses kam von der Wortbedeutung "man muss alles wieder anfangen" = "wieder am KOPF nehmen", was oft in (lateinisch-) juristischen Texten benutzt wurde.

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1 - posted by goncourt | 2008.01.07 | 1:21 am

Louis Caputt wäre auch ein schönes Pseudonym.

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2008.01.04 | 2:44 pm | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
The Hills

Wir betraten den großen dunklen Raum, vor dessen Glasfassade sich zunächst die ebenso große, auf stählernen Stehlen, die sich in das Granit des Hanges bohrten, ruhende Terrasse auftat und dahinter dann das Tal sich weit in die Nacht ergoss, Licht, Straßen und Gebäude bis hin zum richtigen Meer, Peripherie und Äther, der Traum all der ungezogenen Phänomenologisten.

Das schwere Holz unter unseren Füßen verteilte sich auch innerhalb des Konstruktes auf mehrere Ebenen und nahm glatt gemasert die Lichter, die sich in den Scheiben spiegelten, in seine stille Wärme auf, bis dann Frenzys matt lackierte Fingernägel einen Schalter betätigten und nicht sichtbare Leuchtmittel bestimmte Bereiche der Raumkonstellation in halbgarem Licht versenkten.

Die sanfte Helligkeit des dunkelbeigen Sofarondells schälte sich aus dem umgebenden Material heraus und ließ es wie ein feistes submarines Gewächs in der warmen und festen Gesetztheit der nachdunkelnden Formen, die es umgaben, ruhen, eingefasst und fixiert, als ob es mehr sein wollte als nur Idee und Planbarkeit, Überlegung und Auswahl. Am Ende jedoch scheint all dies keine Bedeutung zu haben.

An der linken Wand, die sich bis ganz hin zu den ersten Stufen zog, berührte eine Frauenhand keinen Männerkopf, der vor ihr in der Luft schwebte, die beiden roten Stoffbänder, die aus seinem Hals hingen, näherten sich fast zur Gänze dem Boden des Bildes. Malgrund. Dazu kopulierende Käfer, stellare Unendlichkeit, Äther, again. Die Hand der nackten Dame jedoch ließ andere Schlüsse zu als diesen. Die hölzerne Kiste, roh von Laken verdeckt, war keine solche.

Weiter hinten dann der Abgrund, aber was soll das schon heißen?

2007.12.11 | 11:33 am | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Transistor

Artfacts

Leni ohne Riefenstahl, Gerhard mit Richter, Alexander mit Kluge, Stockhausen ohne Karlheinz, Zeitlichkeit ohne Geschichte, die Geburt des neuen Menschen.

Helmut Flakmayer - God of Blitz

Galerie Rothamel Frankfurt

14. - 16. 12. 2007

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1 - posted by Volker Maisel | 2007.12.29 | 2:51 am

Klingt wie Alva Noto… ist er’s auch?

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2007.12.08 | 10:02 am | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Home

Where to?

[...] Um sich in den Lüften zu ergehen, braucht man nicht ein denkbar kräftiges Automobil, sondern eines, das die Erde verlassen, die Linie, welches es vordem verfolgte, zur Vertikalen umbiegen und die Geschwindigkeit seiner Bewegung in der Ebene in Auftriebskraft verwandeln kann. Ebenso sind diejenigen, die geniale Werke hervorbringen, nicht Menschen, die in dem feinsinnigsten Milieu leben, in der Unterhaltung glänzen, über die breiteste geistige Kultur verfügen, sondern die, welche die Kraft gefunden haben, von einem gewissen Augenblick an nicht länger für sich selbst zu leben, sondern ihre Persönlichkeit zu einem Spiegel zu machen, der ihr Dasein, mag es auch gesellschaftlich betrachtet noch so mittelmäßig sein, reflektiert; denn das Genie besteht in solcher Kraft des Zurückstrahlens und nicht in der Qualität, die dem widergespiegelten Geschehen von sich aus innewohnt. [...]

Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Im Schatten junger
Mädchenblüte I.

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