Vigilien

is there any any? nowhere known some?

Der Moment ist nur zu verstehen, wenn man den Rahmen des Vernünftigen selbst aufgibt und sich in die bühnennebligen Abgründe der politischen Ästhetik begibt.

Das Unmaß und die Unvernunft sind keine unvermittelten Erkrankungen des Gemeinsinns, sondern ihrer Herkunft nach ästhetischer Trotz: Die Lust an der Zerstörung ist die Unlust am Unzerstörten und Unzerstörbaren, der vernünfigen, überlegt-überlegenen Verwaltung der Welt, die es so gut meint und gut macht und so offenkundig Recht hat.

Die Sehnsucht nach Hitler, oder die Sehnsucht Hitlers: Nach Geschichte, nach Größe, nach spontaner Aktion.

Solche Sehnsüchte sind sogar theoretisch unerfüllbar im unaufhaltsamen Modernisierungsprozess: Es ist leichter, das Ende der Menschheit zu denken als das Ende der Modernisierung, mithin der Vernünftigmachung der Welt. Die Modernisierung „Kapitalismus“ zu nennen ist der Versuch, sie als politischer Aktion zugänglich darzustellen. Niemand auf der Linken hat aber einen ernsthaften Entwurf für eine Welt nach dem Kapital, und Curtis Yarvin ist in seinem jüngsten Text wirklich kurz davor zu bemerken, welche Rolle ihm der Ultrarealismus der Macht zuweist, den er so entschieden vertritt und der auch von ihm selbst mit einer rechten Position verwechselt wird.

Versuche, die Modernisierung politisch zu behandeln, müssen unvernünftig sein. Vernünftig ist Joe Biden, vernünftig die Gefügigkeit für die abstrakte Intelligenz des Globalismus und des Kapitals. Vernünftig ist die Pandemiebekämpfung durch Zuhausebleiben.

Daß das Wertesystem der Menschlichkeit, des Ausgangs aus der Armut, der medizinischen Versorgung, der Versorgung überhaupt, der Sicherheit, des guten Lebens in Häusern und des Besuchs von Konzerten das Wertesystem der Modernisierung ist, müssen Kommunisten leugnen und Neurechte, andernfalls mäßigten sie sich sofort. Mäßigen aber dürfen sie sich nicht, ihre Maßlosigkeit ist ihre Position.

Die Sehnsucht nach dem Unmaß, nach dem Außen der Modernisierung, ist exakt die Sehnsucht Hitlers. Deswegen rufen unmäßige Ereignisse den Geist Hitlers auf, und mäßigende Stimmen mahnen sofort: Das kann man nicht vergleichen! Hitler aber vergleicht alles mit Hitler.

(Und Trump war natürlich, was passiert, wenn man statt von Wagner vom Kabelfernsehen träumt.)

Link | 28. November 2020, 20 Uhr 50 | Kommentare (1)


1 Kommentar


Geiler Stilbruch im geilen Schlusssatz.

Kommentar by froschfilm | 15:19