Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Halleluja. Landsknechte bei der SZ

Beim Komiß quälen sie Soldaten (ach was?!), und Schuld daran sind PC-Spiele. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die moralischen Feinde der Gewaltdarstellung ein Rad ab haben, er wäre erbracht. Das ewig entrüstete Enthalte vom Blut meine Hände dieser Leute! SZ-Kurt Kister, der keinen Zweifel daran aufkommen läßt, daß er es humanistisch meint, schließlich kann er, woran er keinen Zweifel aufkommen läßt, Latein, hat leider kein einziges Argument für seine Quatschthese. Er findet bloß, daß die bundesdeutschen Militärs neuerdings so militant aussehen, und das kennt man ja aus Hollywood und Computerspielen. (Meint er übrigens wirklich das Strategiespiel „Sudden Strike“, wenn er Sudden Strike sagt?)

Die neue Kämpfermentalität bei Soldaten muß uns wirklich Sorgen machen. Früher war das anders. Da haben die bekanntlich Socken gestrickt und waren nett zu einander und nur ab und zu kam ein alter Nazi vorbei und hat sie geschunden. Oh Bundesrepublik! Oh Deine Lebenslügen! Oh Deine weinerlich goethesche Feuilletonvergreistheit!

Viele junge Männer tun auch außerhalb des Militärs die unsinnigsten Dinge, um nicht als Weicheier dazustehen. Sie saufen bis zum Umfallen, schlägern oder rasen mit 120 durch die Stadt.

Danke, Herr Kister, für diese einsichtsvolle Analyse des Jungmännertums. Ich hatte diesen Verdacht schon lange, irgendwie anders zu sein als viele junge Männer. (Immerhin sind es diesmal nur viele und nicht immer mehr, sollte es Hoffnung geben?)

Link | 30. November 2004, 10 Uhr 50


Steht jemandem ein riesenhafter, leerer, sehr hoher und völlig weißer Raum mit Oberlichtern und sonst gar nichts zur Verfügung, den er verleihen könnte? Einen schäbigen Stuhl aus Holz möchte ich vielleicht noch dazu, bloß nicht mehr, und ein paar Stunden Stille und Zeit.

Via malorama übrigens, richtig: Die Erinnerung an Städte, die man nie gesehen hat. Ich werde unter anderem vom New York der fünfziger Jahre verfolgt, überall noch Hüte und ungewaschene Schlagzeilen und dunkel getäfelte Büros. Nur ein paar Grade verschoben dagegen: Eine Stadt, die es nicht einmal gibt, eine Erinnerung an ein obskures und nicht photorealistisch existentes Art-Deco-Ungeheuer, quellende Lampen mit quellendem Lichtschein, Kreuzungen im Halbdunkel, schräger Fadenregen vor umschlungenen Turmuhren; Drachen spucken Wasser und große Flächen farbigen Glases leuchten, verborgene Gesellschaften in großer Garderobe andeutend; hastende Menschen in langen Mänteln stemmen sich in den Wind zwischen zwei riesenhaften Lamellen, während im Hintergrund eine Lampe am Kabel schwankt. Leuchtreklamen aus Glühbirnen verschwimmen am Ende einer langen Straße zwischen steilem Gestein, gußeisernen Ranken und blühendem Glas, alles hinter feinem Regen in dünnen Strichen.

Berlin aus der U2 dagegen schiebt eine schwarze Kirche in einen tiefrot leuchtenden Himmel, das vertraute Berlin, das komplizierte Berlin, das zu komplizierte Berlin Ende 2004, ein undeutlicher und flüchtiger Hinweis: Dieser Winter fühlt sich noch nicht an, er ist noch unbelegt, er scheppert nicht wie der letzte metallen, ohne Schlaf / und starren Blicks in beleuchteten Bücherhallen, er sieht nicht aus wie der vorletzte auf der leicht abschüssigen Flucht der Fußgängerbrücke zum Gleimviertel; dieser Winter findet noch nicht statt, sauber und dumm wartet er in der Schwebe, und der flüchtige Hinweis der belanglosen Kirche, den sie raunt, als sie aus dem Blickfeld gerumpelt wird, schwarz vor dunkelrotglühendem Himmel, lautet: Finde das Mythische. Auch in dieser Jahreszeit, auch in dieser Stadt, es ist, wieder, nur ein Blinzeln entfernt. Das ist die Kunst im Umgang mit Orten und Zeiten, auch dem Verlust der Ziele im Alltag: Das Mythische zu sehen; zu finden und zu isolieren, eine Jahreszeit-mit-Stadt im Leben festzunageln auf das, was es an archaischem, an nichtbegrifflichem Anfühlen nur an Ort, Zeit und Stelle gibt, zuvor nicht geben konnte und nie wieder geben wird.

Wir sind — schön trivialer Borges-Klappentext — schon deshalb modern, weil wir in der Gegenwart leben, was ja großartig ist, man ist ja Teil von Etwas, das später einmal freigelegt wird werden müssen, es ist, soviel ist ebenso klar wie rätselhaft, der Vorabend von etwas noch ganz und gar unklarem. Man kann es trotzdem schon teilen, und ich fordere das — ich bin Laie, ich darf das — ich fordere das auch vehement von allem ein, was Kunst sein will: Sagt mir, wie es sich anfühlt, kriegt das raus aus mir oder der Welt (…), was diese Zeit und dieser Ort ist, weg mit den Problematisierungen von diesem oder jenem, Probleme sind nur Unfähigkeiten, etwas umzudenken, daß es aufgeht; was interessieren mich die Unfähigkeiten irgendwelcher Leute, ich will ihre Fähigkeiten haben, sie sollen mir zeigen, was an mythischem auffindbar war, an Welterklärung, nicht Weltausbuchstabierung, nicht Weltnutzbarmachung, erst recht nicht Weltproblematisierung; es explodiert immer alles, jemand muß die heißen Kerne festhalten.

Link | 26. November 2004, 0 Uhr 16


Ach so. Sogar Kavkas „Spin“. Was ist denn zur Zeit los? So lange ist das nicht her, da gab es noch Zwobot zu sehen — und heute ist kein Platz mehr für eine späte Stunde „Spin“ in der Woche? Was genau ist in den letzten drei Jahren passiert? Auch mit MTV, ich meine, die hatten immerhin „Unter Ulmen“ und solche Sachen. Hat das Jugendfernsehen die Zielgruppe inzwischen endlich entdeckt oder hat sich die Zielgruppe selbst verändert?

Beim Blick auf das Ausmaß der Katastrophe rührt mich meine Fassungslosigkeit angesichts der Fast-Forward-Absetzung fast. Sie wiederholen Big Brother: Ach so! Ich hab ja keine Ahnung, ich wußte nicht, daß MTV ihren Zukauf Viva und ihre eigenen paar Reste von Musikprogramm einfach überhaupt plattmachen wollen. Für einen Augenblick wollte ich jedenfalls meine Pinnacle ausbauen, als ich das las, und jemanden mit martialischen Schnürstiefeln bitten, kurzen Prozeß damit zu machen. Dann mußte ich dem Impuls widerstehen, sofort die Spex zu abonnieren. Dem hatte ich nach dem Tod von Viva Zwei schon einmal nachgegeben, nur um nach einem Jahr festzustellen, daß die Spex immer noch an ihrer Diederichsenhaftigkeit, also an ihrem tiefsten, innersten Selbst krankt und man das Zeug eigentlich nur respektieren, aber nicht lesen will. Von den paar Texten des großen Dietmar Dath abgesehen.

Ich schiebe die Schuld auf die Jugend. Ich dachte immer über meine rebellischen schwäbischen Altersgenossen: Das ist blöd, mit sechzehn ein Che-Poster im Zimmer zu haben und mit sechsundzwanzig Investmentbanker zu sein — ich habe über so etwas den Kopf geschüttelt, und zwar über das Poster, auch schon mit sechzehn, es war so offensichtlich und klar eine Albernheit. Heute habe ich verstanden: Diese Leute haben Viva Zwei möglich gemacht. Wenn die Shell-Studien und andere, die immer zitiert werden, wenn die Großpresse über die Jugend spricht, nicht bloße Propaganda sind, ist die Jugend heute auch im Gestus handzahm und pseudobesonnen: Traditionelle Werte, Leistungswille, blablabla.

Ich darf daran erinnern, daß diese leistungsbereiten und gut gekämmten jungen Menschen nicht mehr lesen und schreiben können, schon gar nicht ohne zweckentfremdete Sonderzeichen und Dialekttransskription. Was mich zu meiner Theorie bringt.

Meine Theorie wird diejenigen, die mich und meinen Haß auf die fatalen Quasselmaschinen schon länger kennen, nicht sonderlich überraschen. Es ist die Mobiltelefon-Theorie der Jugendgleichschaltung.

Ich hätte nicht gedacht, daß das Mobiltelefon die Menschen so buchstäblich knechten würde, als ich anfing, dagegen zu wettern. Meine Theorie war damals recht vage. Sie ging vom linearen Zusammenhang zwischen der Zahl der Kommunikationsteilnehmer K und der Zahl elementarer Sinnlieferanten aus. Ein elementarer Sinnlieferant ist die kleinste Einheit bedeutungsverleihender kommunizierbarer Tatsachen und ersetzt hier den Begriff der Information (des Informationsbits, um genau zu sein), weil mir der zu technisch und ausserdem ja ernstzunehmen wäre. Also: ESL = x * K.

Pro Minute Kommunikation gibt es eine ESL-Packungsdichte. Sie ist von den Teilnehmern der Kommunikation abhängig, aber nicht unendlich. Das heißt, pro gegebener ESL-Zahl braucht man eine Zeit größer 0, um sie zu transportieren. Soweit so gut. Erhöht man die Kommunikationszeit beliebig, wird die ESL-Dichte pro Minute, also auch pro Gespräch, sehr klein und geht asymptotisch gegen 0. Alles sehr simpel, kurz und gut: Am Telefon wird nur leer dahergequatscht, wenn viel gequatscht wird. Das kann doch nicht gut sein für die Menschen, dauernd weißes Rauschen auf den Ohren zu haben, dachte ich mir, da verblöden die doch.

Die Theorie war aber leider blauäugig. Die verblöden gar nicht nur, weil sie die ESL-Aufnahme aus Telefonen der Aufnahme aus nicht-rauschenden Kanälen vorziehen, die verblöden noch viel mehr wegen der Telefonrechnung.

Die Damen und Herren Jugendlichen gewöhnen sich schon im Alter von zehn Jahren an Rechnungzahlen und Statusdruck. Wer mit 12 ein Mobiltelefon braucht und monatlich seine Rechnung zahlen muß, will ganz natürlicherweise mit 20 dasselbe, bloß jetzt mit einem BWLer-BMW. Und ist also für Sachen wie Viva Zwei verloren, weil die in einem völlig anderen Bezugssystem stattfinden, einem, in dem es nicht ums Gewinnen und Rechnungbezahlen geht. Perfiderweise wird das Musikfernsehen, das zuvor das Bedürfnis nach Rebellionssimulation und eben, äh, Musik deckte, jetzt ersetzt durch einen Vermarktungskanal für die Nihil-Ware, die eine Mobiltelefonjugendkultur notwendig hervorbringt: Das Gerät zur Erzeugung von weißem Rauschen und Rechnungen ist zugleich ein Verkaufsort für passende Ware. Die hat nicht nur keinen Gebrauchswert, sondern eigentlich auch keinen Tauschwert (sie ist quasi ohne Arbeit entstanden), keinerlei ästhetischen Wert und schließlich taugt sie in ihrer Allverfügbarkeit auch nicht zur Abgrenzung. Es gibt keinen teilbaren Grund, sie zu kaufen. Diese Nihil-Ware wird aus der Langeweile heraus gekauft, die bei längerer Beschränkung des Inputs auf weißes Rauschen entsteht.

Juvenile Mobiltelefonie ist etwas, das die biologische Programmierung auf interessante Sachen (Blink, Piep, Tratsch, Tittenbild), die eigentlich Unterscheidungsfähigkeit, also Urteilskraft, ausbilden soll, ausnutzt und unterläuft durch den Ausstoß von Ununterscheidbarem. (Und damit funktionieren Mobiltelefone genau wie Fast Food, nur umfassender.)

Mobiltelefone sind perfekte Jugendvernichtungsmaschinen. Sie sind der lange gesuchte Trick, das inhärent antikapitalistische Moment allen Jungseins keimend zu ersticken. Das selbstdenkende Geld hat einen noch besseren, noch sichereren Weg gefunden, sich fortzupflanzen: Den Pseudokonsum, den Verkauf von Nihil-Ware an kurzerhand früh genug darauf geprimte Individuen. Fragt sich, ob das klappen kann, was das Geld sich da ausdenkt: Die Menschen produzieren Swimmingpools und konsumieren Klingeltöne, mal seh’n, mal seh’n.

Dieses ganze Vokabular hier ist natürlich etwas ranzig. Schon darum genieße ich die letzten Ausstrahlungen der Teaser, in denen sich Charlotte grün bemalt und schreiend gegen PDS-Plakate wirft, in einer bezaubernd mädchenwütenden Andeutung der Notwendigkeit, fremde kategoriale Unterscheidungen nicht zu akzeptieren.

Jedenfalls ist das die Mobiltelefontheorie vom Ende des Musikfernsehens. (Und, ja, ich lese die Nettime, die Parkplatztheorie von der Machtübernahme der Christen ist mir bekannt und ein Vorbild.) Und damit ist jetzt auch mal wieder gut mit Fernseh-Content. Es ist halt wieder was zu Ende, naja. War aber eben nicht nur Fernsehen.

Link | 25. November 2004, 12 Uhr 49 | Kommentare (1)


Meine Deutschlehrerin verachtete Leute, die ihre Bücher nicht vollsauten. Sie hatte sie im Verdacht, die Dinger nach dem Abitur wieder verkaufen zu wollen. Diese Sorte Sicherheitsdenken machte sie wütend. Eins der vielen Dinge, die man von ihr lernen konnte: Sicherheit kommt nicht einfach. Man muß das zugehörige Risiko eingegangen sein. Wer im Umgang mit Büchern nichts riskiert (und das Nicht-Vollsauen war ihr nur ein Sinezeichen dafür), kriegt nie mit, worum es geht.

Link | 19. November 2004, 14 Uhr 44


Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl zeichnete „Der Untergang“ als besten nationalen Film aus. (FAZ.net)

Link | 19. November 2004, 10 Uhr 36


Himmelarsch, ‚Verzeihung, was? Sie setzen Fast Forward ab? Jetzt reicht’s aber bald. Jetzt reicht’s. Das geht nicht. Jetzt ist mir nach Gewalt zumut. Nach handfester, ekliger, blutiger Gewalt und ungerechten Verallgemeinerungen. Beschissenes Neoliberalen-Otterngezücht. Ihr könnt meinetwegen den ominösen Markt sexy finden und jedes verdammte Drittweltland einzeln befreien. Ihr könnt Universitäten und Literatur und Radio und alles was sonst noch heilig war in euren Dreck ziehen. Ihr könnt auch gerne die Musiksender übernehmen und überhaupt jeden Ort, an dem ein noch so kleiner Rest von Anstand und Substanz geblieben ist und dann dort euer Zeug verbreiten. Ihr könnt meine paar Minuten Fernsehen mit verrückten Fröschen, albernen Höschenmangas und total bösem Pseudoghetto-Zahnarztsohn-Schleim vergiften. Aber ihr könnt nicht Fast Forward absetzen. Nicht so.

Da ist mir nach strafrechtlich relevanten Drohungen. Da stelle ich fest, daß euch jemand an euren ironischen Pünktchen-Schlipsen packen und in die Bäume von Kandor knüpfen sollte. Bislang dachte ich, ihr wärt einfach nur geistlose Huren. Aber das hier tut ihr nicht unter dem Druck des Marktes. Das hier macht ihr aus freien Stücken. Ihr streut Salz auf den Boden einer geschleiften Stadt. Ihr tut es aus Haß.

Deswegen spucke ich euch ins Gesicht. Da, nehmt dies. Platsch.

Mein persönlicher Triumph ist, daß ich dabei nicht der zottelige attac-Kiffer bin, von dem ihr das erwarten würdet und dessen bißchen Subversion ihr durch das Verkaufen von Che-T-Shirts entübeln könnt. Ihr habt da was verpaßt, Mediendeppen. Es ist längst was passiert. Die Leute, die ihr wirklich zum Überleben braucht, wollen nicht mehr mit euch spielen: Die, die was können. Ihr seid ausnahmslos hohl und blutleer und dumm. Es reicht nicht, so zu tun, als ob ihr gehaltvoll, sexy und clever wärt, ihr müßt es sein. Dazu braucht ihr uns. Und wir spucken euch ins Gesicht. Alles, was euch bleibt, ist Jamba. Werdet glücklich damit.

Ach, nebenbei: Wir kommen euch holen. Demographische Entwicklung, schon vergessen? Krise, schon vergessen? Es wird dreckig werden, ihr werdet euch gegenseitig zerfleischen müssen, wir stehen nicht zur Verfügung. Und irgendwann werdet ihr vielleicht merken, daß man Zielgruppengeschwafel allein nicht verkaufen kann, und es wird auch nicht nahrhafter, wenn man noch mehr davon hervorbringt. Und dann werdet ihr „bitte“ sagen müssen, und ein paar Nerds werden euch ins Gesicht spucken über ihre Monitore und Plattenspieler und Bücher hinweg, ganz nebenbei. Und ihr werdet nicht mehr so tun können, als seien diejenigen die Verlierer, die nicht an eurem erbärmlichen Spiel teilnehmen wollten.

Verreckt an eurer Arroganz, wir haben genug eigene. Ihr kriegt keinen korrekten Akkusativ mehr gebaut und denkt, wir würden euch beneiden um eure Medienjobs. Unser Gelächter deswegen ist bitter, aber es schwillt an mit Macht.

Und übrigens: Ich brauche euch nicht zur Hölle zu wünschen. Ihr seid schon in der Hölle. Ihr wißt es nicht, aber man sieht’s euch an, es sieht nicht schön aus, ich sag’s euch. Nicht so hektisch umschauen, ihr werdet nichts sehen und es nicht spüren. Womit denn?
Arme Schweine.

Charlotte, Oh Captain, My Captain: — und die Aufrechten auf den Tischen! — und grüßen eine der ihren.

Link | 19. November 2004, 0 Uhr 52 | Kommentare (2)


Zurücklehnen, die andern schreiben lassen. Gucken, ob man noch bei den richtigen Leuten mitliest: Ja! Siehe da, der Neuzugang macht das Rennen: Bei pony.exe gibt’s den überfälligen White-Stripes-Eintrag.

Nachtrag: Jolene zum sechsundvierzigsten, herrisch Haare aus der Stirn schütteln, White Stripes bewundern. Ich muß diese Sisters-Version haben, verdammt… Jolene zum siebenundvierzigsten, verdammt. Bei Musik und Frauen mal älter werden als sechzehn, das wär‘ mal was, verdammt.

Link | 18. November 2004, 12 Uhr 36 | Kommentare (1)


Seit Monaten versucht J., mich für den Webcomic Scary go round zu begeistern. Dabei hätte es doch nun wirklich genügt, mir ein einziges Panel mit der Protagonistin Fallon zu zeigen.

Link | 11. November 2004, 23 Uhr 04


Noch was: Mir fiel grade auf, daß die Postmoderne jetzt aber wirklich zu Ende ist, nach der Wahl. Die postmodernen Rechtfertigungsprinzipien des Wachstums werden mindestens ergänzt, vermutlich aber abgelöst durch eine renovierte Theologie des Willens: Das Schweigen ist zu Ende. Gott spricht wieder zu den Führern der Menschheit. Der Aufstand ist zu Ende, sein Wille geschehe wieder.

Interessant im neuen amerikanischen Jahrhundert, das wenigstens ebensosehr ein arabisches sein könnte, ist ja die Rolle Chinas – die haben dort keinen Gott zum Zuhören. Europa, was Cyberpunktauglichkeit angeht ohnehin längst als Freilichtmuseum für putzige alte Häuser marginalisiert, könnte als geistesgeschichtlicher Ort völlig überflüssig werden, für die kommende Zeit so relevant wie Australien für die vergangene. China dagegen als gottlose Macht einer ins Monetäre übertragenen kosmozentrischen Metaphysik: Der Grund, über dem die Interpreten Gottes um die Deutungshoheiten kämpfen.

Ach, manchmal bedaure ich es, nicht einen Lehrstuhl innezuhaben und Großtheorien dieser Farbgebung schleudern zu können. Ich würde von der Kulturzeit interviewt, trüge Flickensakkos und Vollbart und würde von einer großen Schar junger, sehr niedlicher Studentinnen bewundert. Meine Bücher wären einer ausgewählten Avantgarde von Geschwätzkonsumenten bekannt, und nur in einigen Weblogs, Tummelplätzen perspektivloser Jungintellektueller, des Reserveheers der Bewusstseinsindustrie, setzte man zwischen meinen Vor- und Nachnamen ein neidisch knirschendes „Quatschkopp“.

Link | 11. November 2004, 22 Uhr 55


In hellen Momenten an schönen Orten sieht man die November-Mechanik manchmal glasklar vor sich, wie sie klappert und rattert und entsetzlich simpel funktioniert und dann hat man Lust und Grund zu einem gründlichen Gelächter. Nicht, weil das Werken der Krisen-Maschine nicht schrecklich real wäre, sondern weil es so lächerlich mechanisch und banal ist.

Es ist Science-Fiction-Folklore: Man kriegt die Maschinen immer, indem man sich mit dem Unmöglichen bewaffnet*. Wer das von vornherein Mögliche und Richtige tut, wird Teil der Maschine, ein funktionales Klischee ihrer Mechanik. Durchaus auch mal gerne, muß aber ja nicht sein.

Auch darum jedesmal dieses warme Gefühl, wenn irgendwo ein kleiner Trotz auftaucht im allgemeinen Gejammer und Gefürcht und Gestrampel, zwischen den Untergangs-Prophezeiungen, eine schulterzuckende Frechheit gegenüber der allgemeinen Drohkulisse und dem vermeintlich Zwingenden. Diesem leisen Stolz, zu einer metaphysisch zähen Spezies zu gehören, müsste eine Lanze gebrochen werden, die Guten sollten sich den leisten.

* Das ist a.) natürlich Quatsch, b.) große Geste und c.) paradox. Heissa!

Link | 11. November 2004, 1 Uhr 02


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