Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Gesten der Zärtlichkeit ohne Gegenstand.
Die digitale Welt ist der untergehenden Welt der Gegenstände unbedingt unterlegen.

Link | 27. April 2007, 10 Uhr 17 | Kommentare (1)


Die Stimmen der Zecher verschmolzen mit dem Rauch. Verschränkte Schwaden umwanden die Lichter, stumpf und dunkel schluckte die Holztäfelung alles in sich hinein. Ich erhob mich halb, die Bank stand zu nahe am Tisch und zwang mich in eine gekrümmte Position, mit kleinen Seitwärtsschritten schob ich mich hinaus, mit beiden Händen flach die Tischplatte packend. Endlich stand ich aufrecht, zehn Finger auf der Platte, dann stieß ich mich los, schwankte und wandte mich dem dunklen Vorhang zu, der gerade, falls meine Sinne mich nicht trogen, einen Bekannten verschluckt hatte, dem ich sehr lange nicht begegnet war. Einen Schritt machte ich in den dunklen Raum hinein, dann kreuzte mein Spiegelbild meinen Weg, eine lange, unscharfe Gestalt, die einen Schritt machte und sich dann aufzulösen schien im Rauch; mir war, als verdopple sich die Lautstärke des mich umgebenden Geräuschs, ich schlüpfte hinein und stieg hinauf, mein Körper, der unten an mir Lärm hing wie ein Gehenkter, schlenkerte lustig, als ich dem Spiegel zuflog im gelben Licht, über Kartenspiele hin und Wassergläser mit Rotwein.

Link | 24. April 2007, 0 Uhr 46


Über den Pavillons und Parks in der Dunkelheit die Unruhe lokaler Gaia; Umarmungen zwischen überwuchertem Schnitzwerk; die vergrünte Westseite der Buchen, flatternde Landungen und Mäuse in Panik, das vieltausendfache Nagen der Raupen, die berstenden Adern des Laubs und der ganze akustische Untergrund der Insektenwelt; Blätter verschwinden jäh im Boden; auch tropft es rätselhaft aus den dichteren Kronen. Streifende Schritte in den Büschen und kratzige Klauen auf Schindeln; fahl leuchtet der ferne Marmorarm einer manieriert sich reckenden Nymphe durch eine unwahrscheinliche Schneise.

[Die Sprache ist nicht für Eure Händel da, Gesindel]

Link | 22. April 2007, 12 Uhr 53 | Kommentare (3)


Dringende Empfehlung: Full Metal Village. Der ist wirklich großartig liebenswert und sehr, sehr lustig. Und wirklich der feinste Film über Metal, den man sich denken kann.

Link | 22. April 2007, 11 Uhr 15 | Kommentare (1)


Heute nacht, ich war ausnahmsweise schon zu Bett gegangen, klingelte das Telefon. Ich erwachte und beschloß, im Zustande der Trägheit zu verbleiben. Lange läutete es, und ich begann mir Sorgen zu machen, vielleicht war es wichtig, vielleicht brauchte mich jemand? Vielleicht wollte mir irgendjemand etwas sagen, worauf ich ja weiß Gott schon lange genug wartete — Teufel, zu spät.

Ich ging nachschauen, wer es gewesen sein mochte. Anrufer, schwieg der Apparat. Ein Anonymus hatte mich auf die Unangemessenheit meines Tuns hingewiesen: Etwas geschah! — und ich schlief.

Ruhelos begann ich (in Ermangelung von Alternativen) das Netz zu durchforsten.

Link | 21. April 2007, 17 Uhr 42


Die Hoffnung hinaus auf das Unmögliche, daß trotzdem, irrerweise, zu seiner Zeit

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Jeder Versuch, Geld zu verdienen, enthält einen zynischen Kern. Wenn einem nichts mehr einfällt, wenn man sich weitgehend invalidiert hat, dann kommt der Moment, zu denken: Dann kann ich auch genausogut ein wenig arbeiten. Die Meßbarkeit beruflichen Erfolgs als häßliche Krücke der Versehrten.

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Die Kunst im Umgang mit dem unvermeidlichen Zynismus wäre also, ihn im Überlagerungszustand mit weniger unmenschlichen Regungen zu halten.

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Eigenrecht der Wahrnehmung: Eine Art, die Welt zu sehen, muß sich die Frage nach ihrer pathologischen oder immerhin problematischen Herkunft nicht gefallen lassen. (Als ziere ihre Gesundheit die Konvention!)

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Der beherrschende Gestus der Nulljahre, die verzweifelte, krampfhafte Selbstironie: Zigarrenschmauchende Wirtschaftshochschulabsolventen sprechen im selben intelligent-witzelnden Flegelton von sich und ihrer Situation wie Berliner Lumpenpoeten. Es herrscht ein bedingungsloser Wille, die Dinge lächerlich zu finden, es wird schon der Kapitalismus sein, der für alles verantwortlich ist.

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Der Kapitalismus ist das Buch, in dem geschrieben steht. (Der Begriff hat keine Bedeutung mehr, die etwas mit Wirtschaft zu tun hätte, er ist nurmehr der unbewegte Beweger des zynisch-unkenden Fatalismus. — Wir müssen uns selbst sehr hassen inzwischen.)

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Kritik an schlechter Literatur (oder Kunst überhaupt) speist sich derzeit gern aus demselben Flegelgeist, und das muß man mitdenken, wenn beispielsweise über Bücher aus Leipzig oder deutsche Filme gesprochen wird: Die wollen wohl Kunst machen jubeln die Backbenchers schadenfroh, haben sie denn nicht mitbekommen, daß man Kunst nur noch machen darf, um reiche Sammler zu narren oder das Feuilleton vorzuführen? — und wo solche Kritik regiert, soll man sehr vorsichtig sein, daß nichts unter die Räder gerät; schlechte Kunst ist ja nicht schlecht, weil sie in ihrer Art, mit der Welt umzugehen, den Zeitgeist nicht trifft, sondern weil sie überhaupt nichts trifft.

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Natürlich ist nicht das Design der Feind, man sehe sich nur mal am Helmholtzplatz um, es ist eine vollkommen designfreie Spießigkeit, nein, der Feind ist die Öffentlichkeitsarbeit.

Link | 21. April 2007, 13 Uhr 21


WordPress
Error establishing a database connection

This either means that the username and password information in your wp-config.php file is incorrect or we can’t contact the database server at localhost. This could mean your host’s database server is down.

[Jede Messung verändert den Zustand]

Link | 21. April 2007, 0 Uhr 59


Der junge Thomsn-Verlag hat ein Buch gemacht, das auch einige Texte aus den Vigilien enthält.

Kaufen können Sie Berlin oder so im Buchhandel, bei amazon.de oder direkt beim Verlag.

Link | 19. April 2007, 9 Uhr 43 | Kommentare (3)


Wie ich es genossen habe zu frieren, in diesem Winter: Noch spüre ich in jeder warmen Fingerspitze den gläsernen Nachhall der Kälte, die ein universales Zeichen geworden ist für die Abwesenheit bestimmter Tatsachen; das ist: Die Anwesenheit aller Möglichkeiten.

Jetzt im späten April ist die Abwesenheit selbst abwesend und die Kälte ein reines Zeichen ohne Materie geworden, eine Chiffre für die Gesamtheit der unverwirklichten Möglichkeiten. Die Welt schweigt beredt darüber, wie sie sein könnte und nicht ist genau jetzt (und jetzt wäre die einzige Chance); Kastanienbäume und eitle Platanen, jede Grashalmspitze drängt sich hinein in die flirrende und unendlich aufregende Geschichte; mit der flachen Hand kann ich über die Beete fahren und die Blumen strecken sich, sprühend, nach dieser Hand, die einst fror und jetzt das ideale Geheimnis trägt, die Geschichte davon was hier, genau hier, auch sein könnte.

(Das ideale Geheimnis ist niemandem bekannt, ein vollkommen blinder Fleck, ein Ort, wo alles noch viel aufregender und schöner sein könnte; und ein Ort, dessen Existenz Folge einer Gewalteinwirkung sein muß in der offenen und so konsequent alles mit allem verbindenden Welt, die wir bewohnen. Dunkel und in einer Ahnung von vergangenem Schmerz behauptet das Geheimnis seine Existenz.)

Link | 19. April 2007, 0 Uhr 59


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Link | 16. April 2007, 0 Uhr 39


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