Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Then I went down into the basement where my friend — the maniac — busies himself with his electronic graffiti. Finally his language touches me, because he talks to that part of us which insists on drawing profiles on prison walls. A piece of chalk to follow the contours of what is not, or is no longer, or is not yet; the handwriting each one of us will use to compose his own list of ‘things that quicken the heart,’ to offer, or to erase.

In that moment, poetry will be made by everyone, and there will be emus in The Zone.

He writes me from Japan. He writes me from Africa. He writes that he can now summon up the look on the face of the market lady of Praia that had lasted only the length of a film frame.

Will there be a last letter?

Link | 31. Juli 2012, 1 Uhr 49 | Kommentare (1)


Ich erinnere mich an uns beide, zu Fuß unterwegs auf einer Straße (es könnte Lanzarote gewesen sein, oder Südfrankreich, vielleicht Monaco). Lange Schatten liegen hinter uns und den Steinen und den tiefgrünen Büschen, eine Brise ist auch schon aufgekommen. Ich erinnere mich an unser Bild von oben, ihre Beine, die unter ihrem Körper Schritte machen, meine Beine (in einer Leinenhose), die unter meinem Körper Schritte machen. Wir sind ein bisschen erschöpft. Ich erinnere mich an ihre salzigen Strähnen, die Sonnenbrille auf der Stirn, den schweren Metallgegenstand an meinem Handgelenk, ein Objektiv vielleicht (eine Waffe). Irgendwann biegen wir ab, aus der wärmenden Abendsonne heraus, und nehmen einen schmaleren, steileren, schattigen Pfad zum Strand hinunter. Die Steine strahlen noch und heizen den dunklen Wind; wir klettern vorsichtig.
Unten warteten die andern, es riecht nach Kohle und Algen. Sie nimmt eine Cola aus der Box und trinkt, einen Arm in die Seite gestemmt und aufs Meer hinausblickend, den ersten Schluck, der kälter als süß ist.

[Genrebild II]

Link | 29. Juli 2012, 23 Uhr 57


Bei der großen Hitze, die in den nächsten Tagen noch größer werden wird und mich sehr mitnimmt und noch mehr mitnehmen wird, fällt mir der Moment ein, in dem ich während eines Konzerts von der Parkbühne aufbrach und dann nach Norden ging, durch den Park und dann über die Karl-Tauchnitz-Straße, bis ich, orientierungslos auf die Innenstadt zugehend, zum gewaltigen Bau des Bundesverwaltungsgerichts gelangte. Die Sonne sank hinter die Nordostecke des Gerichts und blinkte durch die Bäume in der Wächterstraße. Ich erinnere mich, wie gerührt ich war von der Schönheit und Fröhlichkeit der Frauen, ein ganz allgemeines Gefühl beim Betrachten der hinter die Bäume und die Nordostecke des Bundesverwaltungsgerichts hinabsinkenden Sonne: Wie schön es mir in diesem Moment erschien, daß die Frauen so schön und fröhlich und angenehm waren.

Link | 26. Juli 2012, 18 Uhr 00 | Kommentare (3)


Und irgendwann durchbrach ein sehr weiser Mann die unbestritten formvollendete Salsa-Hegemonie und spielte ansatzlos Frank Turners „Glory Halleluja“. Wie unglaublich klug das war.

* * *

Später, zwei Tage später, wurde ich quer durch die Bundesrepublik gefahren. Es war ein sonniger, windiger Tag. Das Licht lag schwer auf den Solarfarmflächen, mächtige Windräder kreisten über den Wäldern. 30 Gigawatt Wind, 40 Gigawatt Sonne. Bring it on, dachte ich.

* * *

Eine beiläufige, plötzliche, wohltuende Vertraulichkeit.

* * *

and who’d have thought
that after all
it was rock and roll

Link | 24. Juli 2012, 0 Uhr 16


Ich weiß nicht, ob es etwas bringt, meine Irritation hier auszubreiten: Diesen Zweifel habe ich schon oft erwähnt und ignoriert, ich werde ihn wieder ignorieren: Ohne Zynismus kann ich diese Vorgänge nicht einordnen, ich schäme mich für ihre Erwähnung, aber sie drängen sich mir auf: Sie irritieren mich.

Im Fernsehen, einem archaischen Medium, das es bei meinen Eltern noch gibt, sah ich zwanzig Minuten ZDF. In diesen zwanzig Minuten versuchten mehrere Menschen, teilweise politische Gegner, verschiedene, möglicherweise durchaus hörenswerte Punkte zu einem politischen Thema am ZDF vorbeizuschmuggeln. Das ZDF unterbrach sie dabei ununterbrochen mit Hilfe einer Hetzerin und diversen Wochenschauschnipseln, die beide in aggressiv aufwieglerischer Manier immer wieder behaupteten, daß ein sogenannter Verbraucher das alles bezahlen müsse.

Von diesen Vorgängen verstört, wandte ich mich dem Internet zu und las einen Text von Don Alphonso, in dem er seine seinen langjährigen Lesern nicht vollständig unvertraute Abneigung gegen die Stadt Berlin weiter begründete. Der Verbraucher begegnete mir in diesem Text unter dem Namen Länderfinanzausgleich und spielte in der Beweisführung wider die Stadt Berlin und einzelne als symptomatisch dargestellte Bewohner eine nicht unbeträchtliche Rolle.

Dies wiederum erinnerte mich an einen Text im New Left Review, an dem ich am Vortag verzweifelt war: Darin war nicht nur zu sehen gewesen, daß die Autorin sich einen breiten Konsens nicht anders als durch Gleichschaltung zustandegekommen denken konnte (er unterstellte einer von der FTD abgegebenen Wahlempfehlung, Teil einer europaweiten Kampagne gewesen zu sein), sondern auch, daß der Verbraucher auch in Gestalt des Griechen erscheint: Dieser Grieche habe dem nationalsozialistischen Deutschen Reich unrechtmäßig erhobene Steuern bezahlt, die dieses nie zurückgegeben habe und die sich, eine Zinseszinsrechnung folgte, inzwischen auf eine Summe beliefen. Der Verbraucher, konnte man weiter lernen, sei aber skandalöserweise in den Augen eines deutschen Hetzblattes und eines meines Wissens nicht weiter bedeutenden Mitglieds der Unionsfraktion der Deutsche selbst, und der Text im NLR, der mich so aus der Fassung gebracht hatte, stellte also jetzt die nicht wirklich als Frage gemeinte Frage, wer denn angesichts dieser Verhältnisse wohl der wirkliche Verbraucher sei. (Nur die Tatsache, daß man in der Dutschkestraße das NLR nicht liest, ersparte mir vermutlich die Antwort des Hetzblattes, in der zweifellos die Ungerechtigkeit der Versailler Verträge, in denen der Verbraucher bekanntlich besonders doll mit Füßen getreten wurde, ins Feld geführt worden wäre.)

Auf twitter war weiterhin ein tumblr verlinkt, der Instagram-Bilder von Leuten auf Booten sammelt. Das sei ein toller Weg, um social media zu occupien.

Die Menge an Verbrauchertum auf allen Kanälen und der Tonfall, in dem dieses Verbrauchertum mir vorgetragen wurde, irritieren mich also: Daraus lässt sich, nehme ich an, nichts ablesen als meine verwöhnte Zartbesaitetheit, der satte Luxus meiner eigenen Position. Ich gebe diese Irritation also zu Protokoll und erwarte mein Urteil.

Link | 20. Juli 2012, 1 Uhr 07


Murmuration, von und mit Liberty Smith und Sophie Windsor Clive.

Link | 13. Juli 2012, 14 Uhr 21 | Kommentare (1)


Aggiornamento: Der Lorbeersprung.

Link | 7. Juli 2012, 16 Uhr 51


Nach einigen Minuten bemerkte ich, etwas ungläubig, einen vertrauten Geruch zwischen den Seiten der Biographie, die ich vor der Reise beim französischen Amazon bestellt und jetzt hier vorgefunden hatte: Nicht nur, wie gewöhnlich, kalter Rauch, sondern jahrelange Feuchtigkeit dazu und Salz; der Geruch eben des Hauses, in das ich das Buch nicht mehr hatte mitnehmen können. Die Rechnung, schon im Altpapier, bestätigte meine Vermutung: Ein Antiquariat in Bécherel, Finistère. Ein interessanter Ort übrigens, laut Wikipedia; fünfzehn Buchhandlungen auf etwas über 700 Einwohner.

Link | 6. Juli 2012, 12 Uhr 42


Hinweis: Photoband BERGBAU FOLGEN LANDSCHAFTEN von Christian Hacker, mit einem Vorwort von mir. [#]

(Some say, eins der Bilder sei zuvor in einem tumblr aufgetaucht, dann von Yan Lei abgemalt, in Kassel ausgestellt und dort inzwischen schwarz übermalt worden, aber Leute, die jeden Tag nach Kassel gehen und den YanLei-Vorgang bei tumblr doukumentieren (statt, sagen wir, einen Landschafts-Vorgang auf Papier zu dokumentieren) sagen, die YanLei-Behauptung sei nichts als ein Spiel mit Hin-und-Herverweisen, die es möglicherweise gar nicht gäbe, in die und aus der Landschaft des Lichts.)

Link | 3. Juli 2012, 17 Uhr 26