Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich bin nicht so autark, und auch nicht so stabil in mir, ich bin kein Monomane. Ich brauche das Gefühl, gebraucht zu werden. Ich will verstehen, zu wem ich gehöre, und wessen Sprachrohr ich bin. Und da fühle ich mich einerseits verwandt und verpflichtet einer bestimmten Intelligenz gegenüber, die in diesem Lande sozusagen die kulturtragende Intelligenz ist, aber auf der anderen Seite auch den Menschen, die ein natürliches unverdorbenes Verhältnis zu sich selbst und der Welt haben, und das sehe ich überall.

Edgar Reitz sagt das in der Dokumentation zur Herstellung von Heimat 3. Als ich diesen Satz vor einigen Jahren, in einem ICE-Zug, einer Zufallsbekanntschaft zitiert habe, Edgar Reitz möglicherweise noch ein schweigend und unaufgeregt in den Mund gelegt habe, und draußen die Tropfen schräg über die Scheiben sausten, irgendwo nördlich von Nürnberg, wäre er mir dieser Mann aus Würzburg, ein Unternehmer, wie er sagte, randlose Brille und dunkelroter Kaschmirpullover, fünfzehn Jahre älter vielleicht als ich, beinah um den Hals gefallen. Er gab mir statt dessen nur die Hand zum Abschied und bedankte sich, und wir hatten wohl beide einen kurzen Heimatmoment.

Link | 22. Oktober 2016, 3 Uhr 47


Es ist dunkel; irgendwo hinter dir ist eine Wand aus Beton, rau und kalt und wurmig. Ein blauer Strahl trifft dich, überstreicht Dich von unten her, über den Gürtel weg und über deine Brust und verliert dich am Schlüsselbein, und erlischt. Nah bei dir ein Lächeln und eine Gewissheit, ein Rock, ein trockener Geruch wie von Kuchen.

Link | 22. Oktober 2016, 0 Uhr 23