Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ich trotte so dahin: Ein wirklich ganz und gar unentschlossener Himmel tagt und beeilt sich nicht sehr; wie Wattebäusche huschen die Straßenbahnen über die Kreuzungen. Nur vor den Franchise-Bäckereisimulationen laden sie schon Ware aus. Zwei, denen ich begegne, arbeiten nicht: Ein schlanker Mann mit grauem Haar und unsicherem Schritt entsteigt einem Taxi und klopft auf’s Dach zum Abschied, ein Mädchen, etwas jünger als ich, geht an mir vorbei, raucht und sieht her und sieht gut aus, und wir könnten uns eigentlich den Gefallen tun: Stehenzubleiben und uns zu erzählen, wo wir gerade herkommen.

Es ist so ein ganz simpler werktäglicher halb-fünf-Kitsch wie aus einem Autorenfilm. Wer unterwegs ist und nicht arbeitet, ist wegen seiner Menschen unterwegs, soviel ist immerhin klar unter der Glocke von 20 Stunden Wachsein, 9 davon in einem kaffeedunstigen Büro.

Auch das war klar: Es ist immer schwer, wenn man von einer schnellen Veranstaltung mit vielen Menschen nach Hause kommt und allein in die Bremsen treten muß, die Euphorie eines archaisch sozialen Gehirns den alten Kontrollen neu unterstellt werden soll. Für ein paar Stunden ist es unerträglich, keinen Menschen um sich zu haben, bis man sich wieder daran gewöhnt hat, daß niemand da ist, bei dem man sich hin und wieder einen Blick abholen könnte.

Das denke ich mir so, matt lächelnd, vor mich hintrottend um halb fünf Uhr morgens. Blicke abholen, denke ich mir. Nun: Blicke habe ich reichlich zu vergeben.

Link | 2. Juni 2004, 5 Uhr 50