Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Übrigens gibt es Orte aus der Literatur, Wohnungen meist, die ein besonderes Anfühlen haben, die Vorstellung von einer Lebenssituation (einer Möglichkeit, ein Mensch zu sein) beherrschen, wenn man ihnen einmal begegnet ist. Ich habe mich auch im Verdacht, mir meine literarischen Vorlieben nach der Stärke beschriebener Orte auszusuchen.

Da ist die Wohnung in der sechsundneunzigsten Straße, in der Jack Gibbs und Edward Bast ihre verlorenen Kämpfe kämpfen, ein mythischer Ort, der mich nicht wieder losläßt; zeit meines Lebens, vermute ich, werde ich ihn suchen, diesen seltsamen, entropiebedrohten Kraftplatz, die letzte Festung.

Dann eine Wohnung bei Max Frisch, halbleer in kaltem Licht, Dachfenster vielleicht, staubige Dielen, Holzregale mit Büchern, die Wohnung eines jungen Intellektuellen, eines kompromisslosen Menschen in einer Welt, in der man nach Spanien geht. Ganz gleich, ob man dann geschossen hat oder nicht, ganz gleich. Dieses Licht, man darf gar nicht daran denken.

Oder das verbaute Loch, in dem Murphy seinen Schaukelstuhl stehen hat und diesen Ofen (der schon unscharf ist, ein Gasofen, nicht wahr, er ist unscharf, ich faß das Ding doch nicht mehr an, das ist mir zu heiß, dafür bin ich zu alt, ich bin eigentlich schon zu alt, Murphy auch nur zu erwähnen.)

Das sind so Orte, mit denen alles in Unordnung ist, alptraumhaft komplex, Leute kämpfen um sich, irgendwann passiert etwas, dann ist es vorbei, gleich wie, aber es ist etwas passiert, was der Beliebigkeit von mögen oder nicht mögen enthoben ist, etwas, das so breit ist, daß man sich nicht danebenstellen kann und verkünden, was man davon hält. (Die Distinktionsspiele des Geschmacks und die Eitelkeiten enden, manchmal: Erlösung.)

[Dvorak macht besoffen… In die Philharmonie! Irgendwas hören, bald, es ist eigentlich ganz egal was, bald.]

Link | 22. Januar 2005, 1 Uhr 02