Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Wie wenig man doch Herr seiner selbst ist; daß man gar nicht bemerkt, wie anders man ist über die Zeit hinweg, oder erst spät. Das Element der Bestimmtheit, eine gewisse Zähigkeit des Tuns und Wollens, bröckelt für ein paar Tage unter Enttäuschungen und Verletzungen und Schlafmangel dahin, unter großem Widerstand, aber es ist Februar, wir haben es alle nicht leicht; schon wird die Schwäche bemerkt, die Umwelt reagiert, mit Spott und Rat und billigen Überlegenheiten.

Menschen, das habe ich lange gesagt, sind die Pest. Sie kriegen es nicht in den Griff, ihr archaisches Erbe, das sie jede kleine und vergängliche Überlegenheit ausspielen lässt auch gegen die, deren Stärke sie eigentlich brauchen.

Und dann steht man da, mit Zweifeln am Sinn der eigenen Zähigkeit, also mit Zweifeln überhaupt, und von allen Seiten zeigen die, deren Tun und Lassen man unter Opfern zu unterstützen meinte, Unzufriedenheit und Ansprüche und Despektierlichkeiten und Herrschaftsgesten (als hätte man nie anders gekonnt als die Opfer zu bringen und, falls es so wäre, als entwerte es sie und ihren Bringer). Man wird selbstgerecht und ungerecht und patzig und fragt sich, warum man sich überhaupt um gemeinsames Tun und Dasein bemüht. Nicht entscheidbar, ob die neue eigene Schwäche an der Situation Schuld hat, die lange Geschichte der Bescheidung oder einfach das eigene gekränkte Ego; nicht entscheidbar, ob man ein Recht hat, in schwachen Momenten nicht mutwillig beschädigt zu werden, nicht entscheidbar, ob man vielleicht dramatisiert.

Vielleicht aber ist er wirklich Unsinn, der Glaube, durch Bildung oder Kultiviertheit oder weiß der Teufel was über diese Mechanismen wegzukommen, vielleicht ist es Unsinn zu glauben, man könne es richtig machen, vielleicht ist eine Nettigkeit, sogar eine unerwiderte, tatsächlich kein Schritt auf dem Königsweg, wie ich hartnäckig und ohne Rücksicht auf die Sitcom-Untauglichkeit der daraus resultierenden Kommunikationen behaupte, sondern nur ein Element der Unterwerfung, das einzige Mittel der Elenden.

[Und dann der sichtliche Erfolg derer, deren Rede nur aus Urteilen besteht, die keine Sorgfalt kennen und keine Achtung, die mit großen Gesten im Leben wie in der Kunst herumfuhrwerken.]

Da haben Sie’s, das Moderne Theodizeeproblem ™. Könnte sein, daß Gott ein Sitcomregisseur ist und es Punkte gibt nur für Lacher und Gesichtsverlust, nicht für die langweiligen, manchmal notwendig verzweifelten Mühen um Menschen und Tun. Könnte aber auch sein, daß das alles eine ungerechte Fehlwahrnehmung ist. Call 0-800-HOWTOTELL.

Link | 7. Februar 2005, 11 Uhr 19