Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ein Abend in Antwerpen; unspektakulär sonst, Kameraderie, Gespräche über jüdischen und indischen Diamantenhandel und Mutmaßungen über die Digitalisierbarkeit des Diamantengeschäfts, Pech mit dem Essen. Es muß ein Abend im frühen Sommer gewesen sein: Ein schwarzer Schleier von Unglück und Trotz wider alle Ideen von Endgültigkeit liegt über der Erinnerung, und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ergriff mich beim Anblick des KBC-Torengebouw ein archaisches Bedürfnis nach Kommerz: Ich würde, so beschloß ich, Reichtümer anhäufen durch Handel, und dieses von mir in Städten wie Antwerpen erworbene Kapital sofort binden und aus dem Verkehr ziehen durch Kauf von Ländereien, auf denen ich Rasen anlegen und Bäume pflanzen würde in großen Abständen, Ulmen auf Hügel setzen und Buchengehölze in Senken. Ich würde eine unermüdliche Maschine zur Umwandlung von Kapital in Bäume werden, und solange ich lebte, würden die Kaufleute die Köpfe schütteln angesichts meiner wirtschaftlichen Unvernunft und die Sozialisten schäumen angesichts meiner privaten Megalomanie, und die Baumlandschaften würden wachsen. Große Agrarflächen in der Mitte des schwäbischen Nirgendwo würden in Landschaftsparks verwandelt werden, solange von Antwerpen und Rotterdam Schiffe führen und Schwärme fensterloser Fracht-747 abends sich auf den Flughafen Brüssel-Zaventem herabsenkten. Einziger Luxus in meinem sonst nichts für mich selbst beanspruchenden Kapitalvernichtungswerk wäre der Besitz von Kelims aus Mazandaran, die ich im Fenster des Antwerpener Teppichhandelshauses N. Vrouyr entdeckt hatte und die mir mit nichts vergleichbar erscheinen und die ich vor anderen, zweifellos unwürdigen Käufern zu retten trachtete.

Link | 27. Oktober 2013, 11 Uhr 12