Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

In einer kleinen Gruppe standen sie dort auf trockenem Gras unter einer Rotbuche; sie ganz links, eine schmale Gestalt in zwei Farben, schwarz gekleidet zur Mitte, hell leuchtend nach außen.

Ein Beobachter in dieser Szene ist nicht nur räumlich ein ganzes Stück entfernt von der Buche, hört das Gespräch nicht und kann höchstens ahnen, was die Gesten bedeuten; er blickt auch über einen unbestimmten Zeitabstand dorthin, die Sepiafarbe des trockenen Grases raunt „damals“.

Das Bild exisiert nur in dieser Form. Es zeigt echte, weil verschwendete Schönheit, es ist ein langer Blick in eine vertraute Zeit, in der niemand mit solcher Anmut umgehen konnte, weil niemand sie auch nur richtig sehen konnte damals. Seither deswegen die Jagd auf die Reste der Verschwendung, auf Spuren von Anmut, die den Kontakt zur Welt überlebt haben. Dieser zerstört solche Wahrnehmungen und Gegenstände, aber er macht eben einen adressierbaren, wirklichen Menschen aus der Gestalt unter der Buche.

Worum man also kämpft: Um die Fähigkeit zu diesem Blick zur Buche, und um einen Rest vernichteter Anmut dort — nicht mehr, denn sonst schaut man nicht auf einen Menschen, nicht weniger, weil man sonst nur auf eine getreue Prägung der Häßlichkeit der Welt blickt.

[Oder anders: In diesen Dingen geht es um eine poetische Behauptung: Poetisch, also aufgestellt gegen die scheußliche, mittelmäßige Materialität, d.i. Alter, Eitelkeit, schlechte Gewohnheiten und das Wetter. Permanente Behauptung aber vor allem; auf dem schmalen Grat zwischen dummer Leugnung und resignierter Akzeptanz der Ödnis der materiellen Wirklichkeit.]

Link | 9. Juni 2006, 11 Uhr 26